Den Frieden leben lernen

 

EMS-Synode in Hohenwart mit Eröffnung des 150. Jubiläumsjahres der Schneller Schulen in Palästina

Plenum
Die EMS-Synode traf sich im Hohenwart Forum

Habib Badr und Andreas Maurer

Dr. Habib Badr und Andreas Maurer
stellten die Aktivitäten zum 150. Jubiläum
der Schneller Schulen in Palästina vor



Im Gottesdienst: Fintje Sopamena aus Indonesien

Gottesdienste zum Abschluss der Synode:
EMS-Generalsekretär Bernhard Dinkelaker
und Pfarrerin Fintje Sopamena,
Synodalpräses der Christlichen Kirche
von Südsulawesi (GKSS) in der
Michaelsgemeinde Pforzheim...



Gottesdienst mit Lennox Mcubusi aus Südafrika

...Pfarrer Lennox Mcubusi, Präsident
der Evangelischen Brüder-Unität in
Südafrika (MCSA) und Mitglied des
EMS-Missionsrats, predigte in der
Thomasgemeinde

(11.11.09) Zur diesjährigen Synode des Evangelischen Missionswerkes Südwestdeutschland (EMS) trafen sich von 6.-8. November 90 Delegierte im Hohenwart Forum. Höhepunkt der Tagung war die Eröffnung des 150. Jubiläumsjahres der Schneller Schulen in Palästina. Dieses Jubiläum ist gleichzeitig Jahresprojekt 2010 des EMS unter dem Motto: „Frieden Leben Lernen“.

In den Schneller-Schulen im Libanon und in Jordanien wachsen 300 christliche und muslimische Kinder und Jugendliche auf. Sie leben zusammen in Wohngruppen und gehen gemeinsam in die Schule. Von Klein auf lernen sie, anderen Religionen gegenüber tolerant zu sein. In der Regel stammen die Kinder und Jugendlichen aus armen Familien, die sich das Schulgeld nicht leisten können. Viele von ihnen sind Waisen oder Halbwaisen. Zum Unterricht an den Schulen kommen weitere 300 Tagesschülerinnen und Tagesschüler aus der näheren Umgebung.
Fast wie in einem kleinen Dorf gibt es neben den Internatsgebäuden der Schule eine Kirche, eine Bäckerei und Werkstätten, in denen 100 Jugendliche nach ihrem Schulabschluss eine Ausbildung zum Schreiner, Schlosser, Industriemechaniker und Automechaniker machen können.
Die Johann-Ludwig-Schneller-Schule wurde 1952 in Khirbet Kanafar (Libanon) gegründet. Die Theodor-Schneller-Schule in Amman (Jordanien) nimmt seit 1959 Kinder und Jugendliche auf. Beide Einrichtungen gehen auf das syrische Waisenhaus zurück, das der schwäbische Pädagoge Johann Ludwig Schneller 1860 in Jerusalem gegründet hat. Andreas Maurer, Verbindungsreferent für den Nahen Osten und Geschäftsführer der Schneller Schulen (EVSS) und Pfarrer Dr. Habib Badr, Beirut (Libanon) stellten die Aktivitäten im Rahmen des Jubiläums vor.

Finanzkrise zwingt Evangelisches Missionswerk zu weitreichenden Sparmaßnahmen

Delegierte aus drei Kontinenten bekräftigen die Zusammenarbeit in der Mission. Das EMS verbindet zehn Kirchen und Missionsgesellschaften in Europa und 17 Partnerkirchen in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten durch gewachsene und langfristige Partnerschaften.
Die Synode des EMS hat weit reichende Schritte zur finanziellen Zukunftssicherung und nachhaltigen Entwicklung des internationalen Gemeinschaftswerks diskutiert. Grundlage waren Vorschläge einer vom internationalen EMS-Missionsrat im Juni 2009 eingesetzten Steuerungsgruppe, die bis zur Synode Maßnahmen zur Einsparung von rund einer Million Euro bis 2012 erarbeiten sollten. Aufgrund prognostizierter Rückgänge bei den Kirchensteuern durch die demografische Entwicklung in Deutschland und die globale Finanz- und Wirtschaftskrise muss das EMS bis 2012 mit Mindereinnahmen von rund einer Million Euro bei einem Gesamthaushalt von rund sieben Millionen Euro rechnen. Das von der Steuerungsgruppe erarbeitete Konzept zur finanziellen Nachhaltigkeit sieht eine deutliche Reduzierung von Ausgaben bei Personal- und Sachkosten in der Geschäftsstelle sowie für Programme und Projekte vor, die vom EMS und von kooperierenden Missionsgesellschaften durchgeführt werden.

Jahresrechnung 2008 und Haushalt 2010 verabschiedet

Die Synode verabschiedete die Jahresrechnung 2008, aufgrund der kritischen Finanzlage beschlossen die Synodalen einen Haushalt lediglich für das Jahr 2010 statt für 2010/11. In Zeiten der zurückgehenden Einnahmen werden neue Wege und neue Maßnahmen erforderlich sein. Es sollen verstärkte Anstrengungen in allen Bereichen zur Mittelbeschaffung unternommen werden und die Partnerkirchen in Asien, in Afrika und im Mittleren Osten noch stärker an den Überlegungen beteiligt werden.

Das EMS auf dem Weg ins 21. Jahrhundert

Die Synodalen nahmen einen Zwischenbericht der Satzungskommission entgegen, die an der Neuformulierung der Vereinsatzung arbeitet. Nach Klärung der rechtlichen Voraussetzungen ist künftig eine juristische Gleichstellung der nichtdeutschen Partnerkirchen als Vereinsmitglieder möglich. Dies entspricht dem Selbstverständnis des EMS als internationaler Gemeinschaft gleichberechtigter Kirchen und Missionsgesellschaften. Die Neufassung der Satzung sieht eine Vereinfachung von Strukturen und von Entscheidungsabläufen vor, durch die ebenfalls Einsparungen erzielt werden sollen.

An der Synode nahmen auch vier Vertreter von Kirchen aus Indonesien, Ghana, Südafrika und dem Libanon teil. Unter dem Leitthema der Synode „Mission: um Gottes willen, der Welt zuliebe“ berichteten sie mit eindrücklichen Beispielen von Möglichkeiten und Herausforderungen des missionarischen Zeugnisses in ihren Ländern. In Arbeitsgruppen diskutierten die Synodalen, wie Erfahrungen aus der weltweiten EMS-Gemeinschaft im eigenen Umfeld umgesetzt werden können. Die EMS-Delegierten bekräftigen die Absicht, sich gegenseitig in ihrem „christlichen Zeugnis in einer pluralistischen Welt“ durch Zeichen gelebter Solidarität und Gebet zu unterstützen.

Gottesdienste zum Abschluss der Synode

Gute Tradition der Synoden bei ihren Tagungen sei, so der Generalsekretär des EMS Bernhard Dinkelaker, „… die Nähe zu den Gemeinden und die Verbundenheit zur Basis durch die Gottesdienstteilnahme zu bekräftigen“. So predigten in fünf Pforzheimer Kirchen am Sonntag die ökumenischen Gäste aus den  EMS-Mitgliedskirchen. Die Prediger schilderten in eindrücklicher Art die oft schwierigen Verkündigungsaufgaben ihrer zahlenmäßig kleinen Kirchen. Dennoch oder gerade deshalb legten sie in den Predigten besonderen Wert auf das gemeinsame biblische Zeugnis und riefen die Gottesdienstbesucher zu verstärktem Bekenntnis auf.

Mehr zum Thema:

Die ems-Synode gab Anlass, einige Synodale zu den Hoffnungen und Erwartungen zu befragen. Antworten gaben uns unter anderem Kirchenrätin Susanne Labsch, der Synodale Heinrich Munsel und Oberkirchenrat Johannes Stockmeier: Videointerviews