Nein zu unseligem Vergeltungsdenken

 

Landesbischof: Buß- und Bettag stellt uns Fragen für unsere Zukunft

Freiburg (18.11.09). Der Bußtag habe seinen Zweck verfehlt, wenn er nicht auf das Bezug nehme, was die Gemüter der Menschen in unserer Gesellschaft bewege, sagte Landesbischof Ulrich Fischer am Mittwoch in der Freiburger Auferstehungskirche. „Der Bußtag hat eine hohe Bedeutung für das öffentliche Leben“, so der badische Bischof.

Angesichts der Ereignisse des letzten Jahres wie der Bluttat in Winnenden oder der Wirtschafts- und Finanzkrise erteilte der Bischof eine Absage an jedes Vergeltungsdenken. „Wir haben mit Jesus radikal nein zu sagen zu jenem unseligen Vergeltungsdenken, welches das Erleiden von Gewalt und Tod oder das Erleiden großer Not in einen Zusammenhang mit eigener Schuld setzt“, so Fischer. Solche Vorgänge sprengten die Berechenbarkeit des Lebens. Der Bußtag lenke den Blick vielmehr auf das eigene Handeln und zur Umkehr. „Und diese mahnende Zeitansage Jesu ist besonders eindringlich angesichts unseres eigenen Verstricktseins in globale wirtschaftliche Gewaltmechanismen, deren Opfer zumeist andere Menschen sind, besonders jene in Afrika, welche die Finanz- und Wirtschaftskrise grausam und oft tödlich trifft“, sagte der Bischof.

Der Bußtag stelle uns die wesentlichen Fragen für unsere Zukunft: „Wie lange haben wir Zeit, unsere Finanzordnung zu verändern und dadurch ein den Menschen dienendes Finanzsystem zu erhalten? Wie viel Zeit bleibt uns, die Globalisierung zu nutzen, angesichts der drohenden Klimakatastrophe umzukehren zu einem Leben in Frieden mit der Schöpfung?“, fragte Fischer. Mit diesen Fragen sei der Bußtag eine Zeitansage der Buße für unser Land. Insbesondere richte er den Blick auf die individuellen Möglichkeiten: „Alle Umkehr zum Leben beginnt damit, dass wir in unsere Herzen die Liebe Gottes einlassen, um ein neues Herz zu gewinnen“, so Fischer. „Alle Umkehr zum Leben beginnt damit, dass wir uns durch Gottes Güte einen neuen gewissen Geist schenken lassen.“ Stelle man sich diese Fragen, würde man die eigene Mitverantwortung für die Bearbeitung der Fragen unserer Gesellschaft erkennen.