Ausstieg aus der Wachstumsfalle

 

Akademietagung befasste sich mit nachhaltiger ökonomischer Entwicklung

Podium

Thomas Hirsch, Siegfried Strobel

Thomas Hirsch, Siegfried Strobel



Gerhard Scherhorn

Professor Gerhard Scherhorn

(25.11.09) Die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen und der Kampf gegen die weltweite Armut sind "die zentralen Herausforderungen unserer Zeit". Dies unterstrich Klaus Seitz, Leiter der entwicklungspolitischen Abteilung von Brot für die Welt auf der Tagung "Endliche Ressourcen - unendliches Wachstum", die am Wochenende von der Evangelischen Akademie in Bad Herrenalb veranstaltet wurde.

Mit dem Konzept einer "nachhaltigen Entwicklung" hätten sich die Staaten der Welt auf ein neues Entwicklungsleitbild verständigt, das einen Ausweg aus den globalen Krisen weisen soll. Dabei werde immer mehr deutlich, dass den ökologischen und sozialen Problemen der Weltgesellschaft mit den herkömmlichen Fortschrittsrezepten nicht mehr beizukommen ist. Die vorherrschenden Nachhaltigkeitsstrategien setzen noch immer vor allem auf wirtschaftliches Wachstum und technologische Effizienz. Es gehe um einen "Ausstieg aus der Wachstumsfalle", alternative Entwicklungswege und darum, einen neuen Kurs in Richtung auf eine "Ökonomie des Genug" einzuschlagen. In Kirche und Gesellschaft bedürfe es einer breiten Diskussion über die Folgen und Grenzen des Wachstums und über die Suche nach neuen Wohlstandsmodellen einer postindustriellen Zivilisation. Notwendig seien soziale und ökologische Leitplanken, innerhalb derer sich die Ökonomie bewegen dürfe.

Akademiedirektor Siegfried Strobel sprach von einem verfehlten Wachstumsbegriff der Industrieländer: ökonomisches Wachstum um jeden Preis sei ein Fetisch mit drogenähnlicher Wirkung. Längst sei man über ein organisches Wachstum hinaus, mehr denn je gelte es das rechte Maß zu finden, um einen Ausweg aus den globalen Krisen zu finden. Professor Gerhard Scherhorn, Mitautor der Studien "Nachhaltiges Deutschland" bezeichnete in seinem Beitrag quantitatives Wachstum als mittlerweile "unwirtschaftlich". Letztlich koste es mehr als es einbringe, da es Gesundheit, Umwelt und Integration beeinträchtige. Seit den 60er Jahren sei erkennbar, dass die Fortsetzung dieses Wachstums die naturgegebenen Lebens- und Produktionsgrundlagen aufzehre. Eine nachhaltige Entwicklung sei mit dem Primat des Kapitals nicht möglich.

Auch im Sinne der Sozialverträglichkeit sei eine nachhaltige Zukunftsentwicklung notwendig, wie der Diplom Geograph Thomas Hirsch hervorhob. Nur so könne das Grundrecht aller Menschen auf Nahrung und Wasser umgesetzt werden. Hirsch kritisierte, dass wir in den vergangenen Jahren "eine Kultur der Gier gepflegt hätten". Mehr Rendite bedeute entweder exorbitante Risiken einzugehen oder "Kosten auf Teufel komm raus zu Lasten von Umwelt und anderen Menschen zu externalisieren". Dies sei ethisch unvertretbar.

Die Frage ob "Nachhaltigkeit – eine christliche Tugend?" sei, beantwortet Wilfried Neusel vom Evangelischen Entwicklungsdienst (eed) zumindest hinsichtlich der biblischen Grundlagen mit "Ja". Fundament sei die Überzeugung, "dass die Schöpfung Gott gehört und die Menschen mit der umsichtigen Haushalterschaft beauftragt werden". Aus diesem Blickwinkel werde eine Ökonomie der Genügsamkeit und des solidarischen Ausgleichs favorisiert. Common sense aller christlichen Konfessionen sei es, "dass der Mensch Mittelpunkt und Ziel der Ökonomie ist, nicht das Kapital". Auch die Natur sei nicht nur Mittel zum Zweck und mehr als ein Warenlager. Als Schöpfung werde sie zum Resonanzraum der Herrlichkeit Gottes: "Nachhaltig ist nach biblischer Tradition alles, was dafür sorgt, dass die Schöpfung Gottes als Schauplatz seiner Herrlichkeit erkennbar bleibt.

Die Tagung im Rahmen des Netzwerkprojektes "Zukunftsfähigkeit Deutschlands in einer globalisierten Welt" blieb nicht bei der theoretischen Diskussion stehen, sondern stellte exemplarische Handlungsfelder zu Energie, Mobilität und Ernährungssicherung vor. Daniel Bannasch, Geschäftsführer von MetropolSolar Rhein-Neckar e.V., führte in seinem Beitrag vor Augen, dass der Energiehunger der Zukunft zu 100% mit erneuerbaren Energien zu stillen sei. Das bedeute die Ablösung der atomarfossilen Energieversorgung durch Energieeffizienz, Energieeinsparung und den Ausbau der Nutzung der erneuerbaren Energien. Großkraftwerke hingegen gefährdeten massiv den dringend notwendigen Umbau der Energieversorgung.

Ralf Stieber, Ev. Akademie Baden