Mit halbem Herzen dabei sein ist schon sehr viel

 

Fulbert Steffensky sprach in der Bibelgalerie Meersburg

(27.11.09) Zur Finissage der Ausstellung "Goldworte" zum Evangeliar Heinrichs des Löwen in der Bibelgalerie Meersburg sprach Prof. Fulbert Steffensky (Hamburg) über das Thema "Das Heilige in den Alltag nehmen".

Vor rund 180 Besucherinnen und Besuchern im Spiegelsaal des Neuen Schlosses Meersburg erinnerte der Professor an die Sonntage der Kinderzeit mit besonderer Kleidung und Begehungen. "Das gemeinsame Einhalten heiliger Zeiten hat Gemeinschaft gestärkt", so Steffensky. Es sei Aufgabe der Kirche, für das einzutreten, was "keinen Profit bringt". Die Zerstörungen der Rhythmen der Zeit sei eine der schlimmsten überhaupt.

Steffensky empfiehlt, bei der Frage, wie das Heilige in den Alltag käme, sich an feste Zeiten zu halten. Der Theologe liest regelmäßig die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine, sie seien eine "Gehhilfe für mein schwaches Herz". Und Steffensky betont, auch nur mit halbem Herzen dabei zu sein, wäre schon viel, "wenn das Ganze nicht gelingt". Ganzheitsdiktate entmutigten nur, man solle viel Humor mit sich selbst haben. Man könne auf Dauer auch nur an etwas glauben, "was man auch schön gefunden hat", fügt er hinzu.

Fulbert Steffensky versucht, seinem Publikum einen anderen Blick auf die Bibel anzubieten. Er nennt sie eine alte Lehrerin: Habe man sie nicht, könne man sich nicht in der Welt zurechtfinden. Gegenwart erkläre sich nicht selbst, Hoffnung komme zuerst, indem man die Hoffnung anderer realisiere. "Ich berge mich in fremde Erfahrungen", sagt Steffensky, Kirche sei eine "Hoffnungsverleihanstalt". Die Psalmen böten Lebensmut und befreiten aus der Heutigkeit, durch das Evangelium lerne man, etwas zu vermissen und zu wünschen.

Fulbert Steffensky findet, Christen seien in ihren Liedern "wunderbar großmäulig" - aber es sei ein Glück, eine Fremdsprache zu haben, "in die man seine Hoffnung bergen kann". Der Hamburger ist allerdings kein Theologe, der sich nur den Glauben der Toten zueigen machen würde. Traditionen müssten gereinigt werden, sagt er. Christen glaubten nicht an ein Buch, "wir glauben an Gott und Jesus Christus"; der Buchstabe der Bibel müsse mit dem Geist gereinigt werden.

Quelle: Frank Berno Timm (epd)

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