Mitteilungen aus dem Landeskirchlichen Archiv

 

bis 2004

6. Einem aufmerksamen Sachwalter der Haßmersheimer Heimatgeschichte ist es zu verdanken, dass der Nachlass des Mosbacher Dekans Ludwig Herrmann nicht auf dem Sperrmüll landete. Interessant sind hier vor allem die fast lückenlosen Predigtreihen Herrmanns, die geistlichen Dichtungen seinem Umfeld und die Vorlesungsmitschriften (darunter von E. Brunner) seiner Schwiegertochter G. Kühnle. Die gründliche Reinigung dieser Stücke steht noch aus, bevor an die Erschließung des Nachlasses gedacht werden kann.

7.  Predigtnachlass von Adolf Schmitthenner
Adolf Schmitthenner (1854-1907), Spross einer badischen Pfarrerdynastie, Vorsitzender des Predigervereins und über viele Jahre Pfarrer in Heidelberg (wo das Gemeindehaus an Heiliggeist nach ihm benannt ist), ist vor allem durch seine Dichtungen (bes. „Das deutsche Herz“) einem weiteren Kreis bekannt geworden. Dass er auch ein exzellenter Prediger war, belegen seine ausgearbeiteten, für den Druck vorbereiteten Predigten, an die er auch literarische Ansprüche stellte. Seit dem Sommer 2004 befindet sich nun der größte Teil des handschriftlichen Predigtnachlasses Adolf Schmitthenners als Depositum im Landeskirchlichen Archiv.

8. Büste von Emil Frommel
Emil Frommel (1828-1896) zählt – ebenfalls durch seine Dichtungen – zu den bekanntesten und bedeutendsten Pfarrerpersönlichkeiten Badens, obgleich seine wichtigste Wirkungsstätte nicht in Baden, sondern in Berlin zu verorten ist, wo er seit 1872 als Garnisonsprediger in einem besonderen Vertauensverhältnis zu Kaiser Wilhelms I. war. Vor einigen Jahren wurden dem Archiv bereits einige Predigten Emil Frommels übereignet. Nun kam aus einem amerikanischen Nachlass eine Gipsbüste hinzu, die 1897 von F. Pfannschmidt angefertigt wurde. Die Büste ist im Hebelsaal des EOK aufgestellt.

9. Glückwunschurkunde der badischen Geistlichkeit an Präsident Helbing zu dessen 70. Geburtstag 1907
Dass der Präsident des Evang. Oberkirchenrats, Albert Helbing (1837-1914), eine große Wertschätzung in der badischen Pfarrerschaft genoss, belegt eine Glückwunschurkunde zu seinem 70. Geburtstag, die auf besonderen Blättern von sämtlichen Geistlichen der Landeskirche, nach Diözesen geordnet, unterzeichnet wurde. Für Urkunde und Unterschriftenlisten wurde eine prachtvolle Ledertasche angefertigt. Dieses „Ensemble“ wurde dem Archiv aus dem besitz des Praktisch-Theologischen Seminars übereignet. Die Urkundentasche ist im Hebelsaal des EOK ausgestellt.

10. Bestand der Christlich-jüdischen Gesellschaft Karlsruhe
Nach dem Hermann-Maas-Archiv ist auch ein zweiter wichtiger Bestand zum christlich-jüdischen Dialog als Depositum an Archiv und Bibliothek der Landeskirche übergeben worden. Der Bestand der Christlich-jüdischen Gesellschaft Karlsruhe umfasst eine größere Bibliothek Judaica sowie die Akten der Gesellschaft. Der Buchbestand ist bereits im SWB erfasst und damit weltweit recherchierbar.

11.  Tagung der Süddeutschen Kirchenarchive in Unteröwisheim
Am 17. und 18. Mai 2004 fand in Unteröwisheim bei Bruchsal die Arbeitstagung der süddeutschen evangelischen Kirchenarchive statt. Diese Arbeitstagungen orientieren sich an den aktuellen Fragenstellungen und den praktischen Bedürfnissen der beteiligten Archive.  Informiert und diskutiert wurde über Probleme des Urheberrechts in den Archiven (Jürgensen, Nürnberg), die Erstellung von online-Findmitteln (Dr. Stüber, Speyer), die Wiedergewinnung entfremdeten Kirchenguts (Prof. Hey, Bielefeld) und die Funktionen und Anwendungen der elektronischen Ablage in der badischen Landeskirche (Stollmann/Dr. Wennemuth, Karlsruhe).

12.  Erstes Arbeitstreffen der Kirchenbibliotheken in Baden-Württemberg
Am 16. März 2004 trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchenbibliotheken in Baden-Württemberg zu ihrem 1. Arbeitstreffen im Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe. Es ging in erster Linie um den Erfahrungsaustausch zwischen Bibliotheken, die alle mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind. Eine ganze Reihe von Themen konnte besprochen werden: Vorteile und Probleme beim Katalogisieren im Südwestdeutschen Bibliotheksverbund; grundsätzliche Bemerkungen zu den angewandten Bibliotheksprogrammen (insbesondere Alephino, Allegro, Bibliotheca, Faust, Libero); Relevante theologische bzw. sozialwissenschaftliche Datenbanken und Möglichkeiten ihrer Nutzung; bibliotheksspezifische Probleme mit neuen Medien (insbesondere Installation und Aufbewahrung); Umgang mit digitalen Dokumenten und Medien (Feststellen von Beschädigungen, Nutzung, Katalogisierung, Urheberrechte, Virenschutz) - zu diesem Problemfeld wären Empfehlungen durch die Fachverbände sehr erwünscht; Organisation von Zeitschriftenumläufen; Profilierung der Bibliotheken durch die Beschreibung ihrer Servicefunktionen; Probleme der Beständebildung und Bestandserhaltung  (Feststellen von Schädlingsbefall, Umgang mit Dubletten); Benutzerschulung. Ein besonderer Informations- und Kooperationsbedarf zeigte sich hinsichtlich der Nutzung von Datenbanken und online-Diensten, wo für die kirchlichen Bibliotheken Gesamtnutzerverträge ausgehandelt werden sollten. Die Entwicklung von Kooperationsmodellen erscheint ohnehin angesichts allgegenwärtiger Rationalisierungsmaßnahmen und Auflösungspläne als eine der wesentlichen Aufgaben und Perspektiven der kirchlichen Bibliotheken.

13.  Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche in Bad Herrenalb am 27. und 28. April 2004
Alle drei Jahre findet die Mitgliederversammlung statt; diesmal war Baden Gastgeber der Arbeitsgemeinschaft. Bei dem Empfang für die Gäste hielt OKRin Barbara Bauer eine eindrucksvolle Ansprache, die die Perspektiven und Gestaltungsspielräume der kirchlichen Archive und Bibliotheken, Gedanken, die in den Arbeitssitzungen vielfach aufgegriffen wurden. Neuer Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft ist Dr. Walther Schulz aus Emden. Dr. Wennemuth wurde in die Verbandsleitung des Verbands kirchlicher Archive gewählt.