Erster badischer Gemeinde-Entwicklungs-Kongress "Vertraut den neuen Wegen"
Oberkirchenrat Michael Nüchtern erläutert die Ziele der Veranstaltung
Vertraut den neuen Wegen
Am 22. September findet der erste Gemeinde-Entwicklungs-Kongress der Evangelischen Landeskirche in Baden statt. Bis zu 1700 haupt- und ehrenamtlich Engagierte werden dazu im Kongresszentrum Karlsruhe erwartet.
Über die Hintergründe spricht Oberkirchenrat Michael Nüchtern, Leiter des Referates Verkündigung, Gemeinde und Gesellschaft.
Was erwartet die Landeskirche von dem Kongress?
Wir wollen einen Impuls geben. Engagierte Christinnen und Christen aus Baden sollen durch den Kongress ermutigt werden, zukunftsfroh in die kommenden Jahre zu gehen. Gemeinden aus dem Bauland können von Gemeinden aus dem Südschwarzwald lernen und umgekehrt. In unserer Landeskirche tut sich etwas. Die Menschen interessieren sich seit ein paar Jahren wieder neu für Kirche und den christlichen Glauben. Viele Gemeinden und kirchliche Einrichtungen wollen die Beheimatung im christlichen Glauben und die Ausstrahlungskraft in die Gesellschaft stärken. Auf diesem Weg soll der Kongress ein Meilenstein sein.
Was können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mitnehmen?
Sie können beim Kongress die Lebendigkeit unserer Kirche erleben. Wir sind viele, die gemeinsam auf dem Weg sind. Wir sind vielfältig und kreativ in unserer Arbeit. In diesem Jahr finden vom 4. bis 11. November ja auch die Wahlen der neuen Kirchenältesten statt. Kirchenälteste und solche, die es werden wollen, können sich mit dem Kongress auf ihr Amt vorbereiten. Der Landesbischof hat in seinem Vorwort zum Tagesprogramm auch auf die vier biblischen Leitbilder der Landeskirche hingewiesen. Sie zeigen den großen Auftrag, dem wir folgen. Der Gemeinde-Entwicklungs-Kongress wird Hilfestellungen für die konkrete Arbeit in Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen geben.
Wie ist die Idee zum Kongress entstanden?
Die Grundidee ist, dass wir in unserer Kirche und in unseren Gemeinden nicht einfach passiv gesellschaftlichen Entwicklungen ausgesetzt sein wollen, sondern dass wir Handlungsmöglichkeiten für die Zukunft unserer Kirche suchen. Wir können Schwerpunkte setzen, wir können voneinander lernen und Kräfte konzentrieren. In diesem Gemeinde-Entwicklungs-Kongress laufen eine ganze Menge Initiativen unserer Landeskirche zusammen. Wir nehmen mit dem Kongress etwas auf, was wir in unserer Visitationsordnung bereits angelegt haben, nämlich dass die Gemeindeleitungen sich auf bestimmte Ziele für ihre zukünftige Entwicklung verständigen.
Gibt es ein Vorbild für den badischen Kongress?
Der Ältestentag in Karlsruhe vor drei Jahren ist sehr gut angekommen. Es gibt Erfahrungen aus anderen Landeskirchen. Wir haben allerdings selbstbewusst einen wirklich badischen Kongress geplant. Außer den beiden Hauptreferenten Prof. Michael Herbst und Dr. Uta Pohl-Patalong kommen alle 150 Mitwirkenden, die den Kongress inhaltlich vorbereiten und gestalten, aus unserer Landeskirche.
Welche Richtung vertreten die beiden Hauptreferenten?
Die beiden stehen für unterschiedliche Gemeindeentwicklungskonzepte. Michael Herbst leitet das Institut für Evangelisation und Gemeindeentwicklung an der Universität Greifswald. Er steht für ein Gemeindeentwicklungskonzept, das in einer offenen Form evangelistische Initiativen, Gemeindepflanzungs- und Kleingruppenkonzepte beispielsweise aus England aufnimmt. Uta Pohl-Patalong hat den Begriff des "kirchlichen Ortes" geprägt. Jeder "kirchliche Ort" soll ein gottesdienstliches Leben mit einem inhaltlichen Schwerpunkt verbinden, beispielsweise mit einem diakonischen, mit der Kirchenmusik oder mit Bildungsarbeit. Uta Pohl-Patalong steht für eine plurale und auf die Gesellschaft bezogene kirchliche Arbeit.
Vorträge sind ja nur ein Teil des Programms. Vormittags und nachmittags wird es 20 Foren geben. Was sind deren Themen?
Die 20 Foren wurden von einer Planungsgruppe inhaltlich skizziert und ausgewählt. Sie beschäftigen sich mit aktuellen Themen wie beispielsweise "Kompetent leiten", "Geist und Geld", "Jugend (in der) Kirche" oder "Bibel in Szene setzen". Ein bunter Blumenstrauß von Themenangeboten, jede und jeder wird für seine Situation und seine Gemeinde vielfältige Anregungen finden. Wichtig ist, dass in unseren Gemeinden die Beheimatung im christlichen Glauben gestärkt wird, dass Gemeinden ausstrahlen in die Gesellschaft und sich Schwerpunkte setzen.
Wer gehört denn zu der Planungsgruppe?
In der Planungsgruppe waren sowohl Vertreterinnen und Vertreter aus Gemeinden und Kirchenbezirken als auch einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Evangelischen Oberkirchenrates. 20 Monate Vorbereitungszeit stecken in dem Kongress, eben weil wir das Programm sehr partizipativ gestaltet haben. Nicht der Oberkirchenrat macht einen Kongress, sondern von Anfang an waren Kirchenbezirke und Kirchengemeinden beteiligt. In diesem Jahr wird der Henhöfertag in den Gemeinde-Entwicklungs-Kongress integriert sein. Das heißt, das Amt für Missionarische Dienste, aber beispielsweise auch die Gemeindeberatung und das Hohenwart-Forum waren stark an der Vorbereitung beteiligt.
Sie haben vorhin schon die neuen Kirchenältesten als eine Zielgruppe genannt. Gibt es noch andere Zielgruppen?
Die Fülle aller ehrenamtlich und hauptamtlich Mitarbeitenden in der Gemeinde - das sind ja wesentlich mehr als die Kirchenältesten. Dazu gehören auch diejenigen, die in der Jugendarbeit oder in Gottesdienstprojekten mitarbeiten, in den vielen Bereichen der Bildungsarbeit und Seelsorge. Wer nicht zum Kongress kommt, versäumt viel.
Es gibt während des Kongresses ja auch einen Markt der Möglichkeiten - was soll dort passieren?
Auf dem Markt der Möglichkeiten können die Teilnehmer von konkreten Erfahrungen und Projekten anderer Gemeinden und Einrichtungen etwas Positives lernen. Ganz wichtig ist, dass wir in der Landeskirche unseren Schatz an Erfahrungen teilen.
Was wird nach dem Kongress geschehen? Werden die Ideen aufgegriffen, wird es einen weiteren Kongress geben?
Der Kongress ist ein Impuls. Die Kräfte dieses Impulses werden sich in den Gemeinden vor Ort zeigen, aber auch in den beteiligten Werken und Diensten der Landeskirche, also beispielsweise in der Erwachsenenbildung, im Amt für Missionarische Dienste - also auch im Evangelischen Oberkirchenrat. Und: nach dem Gemeinde-Entwicklungs-Kongress ist vor dem nächsten Gemeinde-Entwicklungs-Kongress. Dieser wird nicht gleich 2008 oder 2009 stattfinden.
Haben Sie ein persönliches Highlight während des Kongresses?
Also mich interessiert besonders das Forum 11: "Die Wiederentdeckung des Heiligen - Räume, Zeiten, Handlungen". Und auch die Frage, wie wir Männer in unseren Gemeinden ansprechen können - also Forum 14: "Wo ist der Mann ein Mann?". Selbst werde ich in Forum 17 mitmachen: ". religiöser als man meint, frömmer als es scheint".
DIE FRAGEN STELLTE ALEXANDRA WEBER
Quelle: Evangelische Kirchenzeitschrift "Standpunkte"