Predigt des Landesbischofs beim "Geistlichen Abschluß"
Liebe Schwestern und Brüder!
Vieles haben wir an diesem Tag miteinander bedacht.
Vieles geht mit uns mit und will Frucht tragen im Leben unserer Kirche.
Vieles werden wir an Anregungen mitnehmen für unseren kirchlichen Alltag.
Nach diesem Kongress werden wir oft sagen: "Wir wollen. Wir sollten. Wir müssen."
Wenn wir das tun, dann ist es wichtig, dass wir uns erinnern: Vor unserem Wollen, vor unserem Sollen, vor unserem Müssen hat Gott zu uns sein Wort gesagt: "Ich bin mit dir. Ich steh an Deiner Seite. Du bist von mir beschenkt".
Bevor wir ans Werk gehen, als Salz der Erde zu wirken,
bevor wir das Haus der lebendigen Steine in der Kirche gestalten,
bevor wir uns auf neue Wege im wandernden Gottesvolk machen,
bevor wir mit unseren Ideen dem Leib Christi Gestalt geben,
steht sein Wort an uns, seine Zusage, sein Segen.
Als Gottes geliebte Menschen sind wir ins Leben gerufen worden. Schon vor unserer Geburt hat sich für uns der Quellgrund seiner Liebe geöffnet. Gott ist eine unerschöpfliche Quelle, ein ewiger Quellgrund, der von lauter Liebe überfließt. Diese Quelle bringt keine Macht der Welt zum Versiegen. Diesen Brunnen kann niemand vergiften. Keine noch so arge Gottlosigkeit schafft dies und keine noch so fanatische Frömmigkeit, kein Ärger über unsere Kirche, kein Irrewerden an ihr. Man kann den Brunnen göttlicher Liebe zwar zuschütten. Aber Gottes Liebe versickert nicht unter dem Schutt und Geröll unserer Sünde. Aus der Quelle des Lebens trinken wir täglich neu die Liebe und Güte Gottes. Zu ihm sprechen wir: "Bei dir ist die Quelle des Lebens."
Dass wir aus Gottes Liebe als dem Quellgrund unseres Lebens schöpfen, das wurde uns bekräftigt und besiegelt in der Taufe. In der Taufe wurden wir verbunden mit dem dreieinigen Gott, der Quelle des Lebens. Im Wasser der Taufe wurden wir mit Jesus Christus verbunden - so eng, dass wir uns hinfort Schwestern und Brüdern nennen können, übrigens auch über die Grenzen von Kirchen hinweg. In der Taufe wurden wir beschenkt mit Gottes Heiligem Geist, wurden wir zu begeisteten Menschen.
So hat uns die Taufe mit Gott und untereinander verbunden. Die Taufe ist die Quelle unseres Christseins, die Quelle all unseres Tuns in der Kirche.
Diese Quelle gilt es immer wieder in Anspruch zu nehmen. Aus dieser Quelle können wir Kraft schöpfen, wenn unser Leben vertrocknet, wenn Resignation uns überkommt. Deshalb ist Tauferinnerung die Basis all unseres Bemühens um die Gestaltung der Kirche. Jede Tauferinnerung ist eine Erinnerung an den dreieinigen Gott als den Quellgrund unseres Lebens.
Und jede Erinnerung an diesen Quellegrund stärkt uns bei all unseren Bemühungen neue Wege zu gehen.
So wollen wir uns zum Abschluss dieses Tages unserer Taufe erinnern und des Segens, den wir mit dieser Taufe empfangen haben. Und wir wollen uns daran erinnern lassen, dass Gott die Quelle unseres Lebens ist.
Wir wollen uns stärken lassen für all die neuen Wege, die wir gehen wollen, gehen sollten oder gehen müssen. Wir wollen uns berühren lassen vom Wasser der Taufe und segnen lassen für all die neuen Wege, auf die Gott uns an diesem Tag gewiesen hat. Amen.