Die Heiliggeistkirche in Heidelberg

Ein geschichtsträchtiger Ort

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Die Heiliggeistkirche ist die größte und bedeutendste Kirche in Heidelberg. Sie steht am Marktplatz mitten in der Altstadt, nicht weit vom Heidelberger Schloss entfernt. Ihr Turm beherrscht und prägt das Stadtbild. Die aus rotem Neckartäler Sandstein gebaute gotische Hallenkirche ist ein herausragendes Kunstwerk und Kirche einer lebendigen Gemeinde.

Die Heiliggeistkirche ist auch „Citykirche“ für Heidelberg.
Sie steht allen Interessierten offen und informiert auf vielfältige Art und Weise über religiöse Themen. Neben kulturellen Angeboten wie Konzerten, Ausstellungen und Kirchenführungen werden Gottesdienste, ökumenische Andachten und Cityseelsorge angeboten.

Die Kirche wurde von 1398 bis 1515 errichtet und war als Grablege der Kurfürsten von der Pfalz und als repräsentatives Gotteshaus der kurpfälzischen Residenzstadt geplant.

Heute befindet sich nur noch das Grab des Erbauers des Chores der Kirche, Kurfürst Ruprecht III., der als Ruprecht I. deutscher König war, in der Kirche. Bekannt ist die Heiliggeistkirche auch als einstiger Standort der Bibliotheca Palatina sowie wegen ihrer wechselvollen konfessionellen Geschichte. Von 1706 bis 1936 war die Kirche durch eine Scheidemauer in zwei Teile geteilt. Das Langhaus war protestantisch, der Chor katholisch. Seit 1936 gehört die gesamte Kirche zur Evangelischen Landeskirche in Baden.

Mit der Reformation begann in der Heiliggeistkirche, aber auch in anderen Kirchen der Pfalz ein Bildersturm. Noch relativ gemäßigt unter Ott-Heinrich, dann aber rigoros und radikal unter seinem Nachfolger Friedrich III., der wegen seines religiösen Eifers den Beinamen „der Fromme“ erhielt.

Heiligenaltäre, Reliquienschreine, Gemälde, Messgewänder, alles wurde aus der Kirche verbannt, ja als "Teufelswerk" zerstört. Damit ist sicher auch manches künstlerisch Wertvolle verloren gegangen.

Gleichzeitig wurde Heidelberg, Stadt und Universität, ein internationales Zentrum der calvinistischen Bewegung.

Flüchtlinge aus ganz Europa, die ihre Heimat wegen ihres Glaubens verlassen mussten, strömten in die Stadt. Eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür Ist uns in dem Gebäude des Hotels "Zum Ritter" - gerade gegenüber dem Eingang zu dieser Kirche auf der Südseite - erhalten geblieben, erbaut von dem hugenottischen Tuchhändler Charles Belier aus dem heutigen Belgien.

Friedrich III. veranlasste auch, dass für seine Untertanen die nun gültigen Glaubenssätze in einem Katechismus zusammengefasst und niedergeschrieben wurden. Am 19. Januar 1563 wurde der „Heidelberger Katechismus“ in die Pfälzer Kirchenordnung aufgenommen. Dieser Katechismus hat mit wenigen Änderungen die Jahrhunderte überdauert und ist immer noch gültig für die reformierten Kirchen in der ganzen Welt. Er gehört heute neben dem Lutherischen Katechismus zu den Bekenntnisschriften der Badischen Evangelischen Landeskirche.

In den folgenden Jahrzehnten blieb Heidelberg eine rein evangelische Stadt, allerdings abwechselnd unter der Herrschaft entweder lutherisch oder reformiert gesinnter Kurfürsten.

Als dann 1619 der hiesige Kurfürst Friedrich V. (1610-1619) als Führer der protestantischen Union die böhmische Königskrone annahm und mit seinem ganzen Hof nach Prag zog, brachte er damit einen Krieg ins Rollen, der noch weitere 29 Jahre dauern sollte, den „Dreißigjährigen Krieg" (1618 -1648). Auch Heidelberg blieb von den Kriegswirren nicht verschont. 1622 wurde diese evangelische Stadt von den katholischen Truppen Tillys erobert und in der Heiliggeistkirche die katholische Messe wieder eingeführt.

Das Mittelschiff

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Die Heiliggeistkirche ist eine dreischiffige Hallenkirche. Sie ist nach Osten ausgerichtet. Der Innenraum der Heiliggeistkirche ist einer der eindrucksvollsten spätgotischen Kirchenräume in Süddeutschland. Die Atmosphäre des Raumes beeindruckt.

Ein hohes, schmales Langhaus mit zwei niedriger erscheinenden Seitenschiffen, das am Ende einen hellen, Licht durchfluteten Chor erkennen lässt. Ehrfurcht gebietend, aber auch Geborgenheit und Vertrauen vermittelnd, so hat diese Kirche über Jahrhunderte auf Besucher gewirkt.

Diese Kirche spiegelt die Absicht ihrer Erbauer wider, großartig und beeindruckend von Gottes Größe zu künden, aber gleichzeitig haben sie einen Raum geschaffen, der einlädt zum Besuch, zum Besichtigen, zum Gebet, zur Teilnahme am Gottesdienst und Zuhören bei kirchenmusikalischen Veranstaltungen.

Diese Kirche ist ein Ort, an dem man sich aufgenommen fühlen und gerne verweilen kann.

Das Spiel des Lichts in den Gewölben, das immer wieder andere Teile des Raumes hervortreten lässt, die sanfte braunrote Farbgebung, die mit dem Weiß lebendig kontrastiert, all dies lässt einen gerne immer wieder hierher kommen.

Der ganze Kirchenraum teilt sich in zwei Teile, vorne das Langschiff, hinten der große Chor.

Es fällt auf, dass das Langschiff eher diffuses Licht besitzt, während es im Chorraum strahlend hell ist. Zwischen Schiff und Chor befindet sich ein Triumphbogen.

Vor der Reformation war der ganze Kirchenraum mit prächtigen Altären, Heiligenbildern, Taufsteinen und Orgeln ausgestattet; diese sind in der Reformationszeit durch Bildersturm entfernt und zerstört worden. Der Kirchraum war also ursprünglich nicht so schlicht wie Sie ihn heute sehen.

Das Gemälde: „Engelskonzert“ aus 15. Jahrhundert

Quelle: Dr. Manfred Schneider
In einer Deckenwölbung des Mittelschiffs sehen Sie das Gemälde „Engelskonzert“

Es ist eine Malerei aus 15. Jahrhundert. Acht Engel mit verschiedenen Musikinstrumenten sind dargestellt. Während einer Restaurierung in den 1950er Jahren fügte der Heidelberger Maler Harry MacLean bei einem Engel ein Fagott als Erinnerung an die Gegenwart hinzu.

 

 

Gemälde „Drei Männer im Feuerofen“

Quelle: Dr. Manfred Schneider
In dem Triumphbogen zwischen Langschiff und Chor vor sich sehen Sie die Malerei „Drei Männer im Feuerofen“.

Das Gemälde von Harry MacLean stammt aus den 1950er Jahren.

Die drei Männer im Feuerofen ist eine Erzählung aus dem Alten Testament in der Bibel.

Ein König wirft die drei Männer in einen Feuerofen, doch das Feuer versengt noch nicht einmal ihre Kleidung. Die Männer werden unverletzt aus dem Ofen befreit. Daraufhin kommt der König zum Glauben an Gott.

Sie finden die Erzählung im Danielbuch, Kapitel 3.

Chor und Chor-Gewölbe

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Folgen wir mit unseren Blicken den hohen starken Säulen, die trotz ihres beträchtlichen Umfangs schlank wirken und auf die sich das Deckengewölbe wie ein Baldachin senkt.

Die einzelnen Joche der Gewölbe werden von farbigen Schlusssteinen zusammengehalten: Über der Orgel stellen sie geistliche Symbole dar, das Lamm, als Symbol für Christus, die Hand Gottvaters und die Taube als Symbol des Heiligen Geistes.

Auf der gegenüberliegenden Seite im Chorumgang ein Christuskopf, im hinteren Teil des Chorumgangs Weinblätter als Symbol des Lebens, aber auch ein fratzenhaftes Gesicht, um das Böse abzuhalten.

Im Mittelschiff des Chores fällt neben den Schlusssteinen mit dem Pfälzer Löwen und den bayerischen Rauten vor allem der etwas größere mit der Darstellung eines Adlers auf. Dies ist eine der ältesten Darstellungen des deutschen Reichsadlers. Dieser Schlussstein krönte und beschloss das Werk des Erbauers des Chores, König Ruprecht I.; als Kurfürst hieß er Ruprecht III..

Sein Grab lag ursprünglich direkt darunter, an der Stelle, an der heute der Altar steht. König Ruprecht I. starb im Jahr der Vollendung des neuen Chores 1410.

Zum Schiff hin verjüngt sich der Abstand der Säulen, so dass der Chor fast wie ein Rundbau wirkt.

Einige Einkerbungen im Sandsteinboden vor und neben den ersten Stuhlreihen weisen auf die Fundamente der romanischen und frühgotischen Vorgängerinnen dieser Kirche hin.

Steinmeyer/Lenter-Orgel

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Mit dem Bau einer neuen Orgel wurde 1980 begonnen, hergestellt durch die Firma Steinmeyer. 1994 war sie fertig gestellt. Sie hat 63 Register, ca. 5000 Pfeifen und einige besondere Ausstattungen, die es erlauben, jede Art von Orgelliteratur darauf zu spielen. Einige Register und Einrichtungen sind in den 90er Jahren dazugekommen. (16)

Auf den Vorgängerinnen dieser Orgel haben übrigens berühmte Musiker gespielt:

Im Jahre 1763 machte Mozart einen Abstecher nach Heidelberg, um das Schloss zu sehen. Mozart war damals sieben Jahre alt, und wie sein Vater in einem Brief berichtet: „...hat er die Orgel (in der Heiliggeistkirche) mit solcher Bewunderung gespielet, daß, zum ewigen Angedencken sein Name alda auf ordre des Herrn Stadt-Decani an der Orgel mit umständten angeschrieben worden ..."

Diese Orgel stand an der Scheidemauer im Chor der Kirche, also dem katholischen Teil, und existiert nicht mehr.

Ein anderer berühmter Organist, Felix Mendelssohn-Bartholdy, spielte auf der Orgel auf der anderen Seite der Mauer im protestantischen Teil der Kirche.

Albert Schweitzer kam häufig zu Besuch nach Heidelberg und gab Konzerte auf der Orgel der Kirche, deren Erlös seinem Hospital in Lambarene zugutekam.

Die Kanzel

Quelle: Oliver Weidermann
Von der reichen barocken Ausstattung des einstmals katholischen Chores ist nur noch die Kanzel aus dem Jahr 1731 vorhanden, die wegen ihrer maßgefertigten Anpassung an die Rundpfeiler des Heiliggeistchores andernorts nicht weiter verwendet werden konnte.

Im Jahre 1731 war diese Kirche noch durch die Mauer zertrennt, die zwischen Chor und Schiff errichtet worden war. Gekrönt wird die Kanzel durch die Figur des auferstandenen Christus ganz in Gold, um seine Herrlichkeit und Herrschaft darzustellen.

Der Altar

Quelle: Oliver Weidermann
Altar und Taufstein stammen von Edzard Hobbing und wurden in den 1960er Jahren gefertigt.

Die schwere Sandsteinplatte des Altars tragen kniende Engel.

 

 

Taufbecken und Osterkerze

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Den Taufstein schmücken drei Szenen aus dem Neuen Testament: das Pfingstwunder, die Segnung der Kinder und die Taufe Jesu. Diese drei Szenen sind eng mit der Taufe verknüpft:

Pfingsten ist das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes, die wir auch für das Taufkind oder den Erwachsenen, der hier getauft wird, erbeten.

Bei der Segnung der Kinder durch Jesus sagt er, lasset die Kinder zu mir kommen. Dies ist einer der Gründe für die Taufe von Kindern.

Und die Taufe Jesu selbst durch Johannes den Täufer ist der Beginn des Taufens. Hier kam der Heilige Geist in Form einer Taufe auf Jesus herab.

Neben dem Altar steht der schwere bronzene Osterleuchter des Schwarzwälder Künstlers Emil Homolka aus Königsfeld. Um den gitterartigen unteren Teil des Leuchters wandeln die Frauen, die am Ostermorgen das leere Grab entdecken und dem auferstandenen Jesus begegnen.

So erzählen Altar, Kanzel, Taufbecken und Osterleuchter gemeinsam vom Glauben.

Gedenktafel zur Scheidewand

Die Heiliggeistkirche war über 200 Jahre durch eine Mauer getrennt. Erst 1936 kam es zu einer Einigung mit der katholischen Kirche. Nach langen Verhandlungen, an denen der damalige Pfarrer der

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Heiliggeistgemeinde, Hermann Maas, maßgeblich beteiligt war, konnte zum Johannisfest am 24. Juni 1936 die Gemeinde nach über 200 Jahren wieder in ihrer Kirche einen Gottesdienst feiern, ohne dass eine Mauer ihr den Blick in den Chor verstellte. Endlich war der ursprüngliche Raumeindruck, wie die Erbauer ihn erdacht und sich gewünscht hatten, wieder hergestellt. Eine Gedenktafel an den Stufen zum Chor im rechten Seitenschiff erinnert an dieses Ereignis.

Pfarrer Hermann Maas, später Prälat der badischen Landeskirche, war von 1915 - 1943 Pfarrer in der Heiliggeistgemeinde. Zwischen 1933 und seiner Verpflichtung zur Zwangsarbeit 1944 gelang es ihm, vielen jüdischen Bürgern zur Flucht zu verhelfen. Man hat es ihm nicht vergessen: Nach dem Krieg war er der erste Deutsche, der offiziell von der israelischen Regierung nach Israel eingeladen wurde. Später wurde ihm vom israelischen Staat die Yad-Vashem-Medaille verliehen.

Das Königsgrab

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Im ersten Joch des nördlichen Seitenschiffs, direkt anschließend an den Chor, befindet sich eine Grabplatte mit gotischen Figuren. Es ist die Grabplatte, die einst das Grab des Erbauers des Chores, Kurfürst Ruprecht III. (1398 -1410) bzw. König Ruprecht I. schmückte, das 1693 mit den anderen Gräbern und Grabdenkmälern, die sich damals im Chor befanden, zerstört wurde. Von allen Grabmonumenten blieb nur diese Platte erhalten, die im sog. "weichen" hochgotischen Stil den König mit seiner Gemahlin Elisabeth von Hohenzollern darstellt. Zu Füßen des Königs sehen wir den Löwen, das Symbol der Stärke und Wappentier der Kurpfalz, zu Füßen der Königin den Hund, das Zeichen der Treue.

Das „Offenbarungsfenster“

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Das Glasfenster über der Westempore stammt vom berühmten von Gottfried von Stockhausen aus dem Jahr 1965 und zeigt das Lamm auf dem Buch mit dem sieben Siegeln aus der Offenbarung des Johannes. Seine volle Pracht entfaltet es nur in der Abendsonne.

Die Offenbarung des Johannes ist das letzte Buch der Bibel und schildert den Untergang dieser Welt und das Heraufziehen der neuen Welt. Dabei beginnt die Zerstörung der alten Welt durch das Öffnen der Siegel durch das Lamm. Das Lamm ist ein Symbol für Jesus Christus.

Die Emporen

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Die Emporen rahmen die Kirche im Bereich des Langschiffs ein. Sie sind unterschiedlich hoch, was ungewöhnlich ist.

Die Emporen beherbergten früher auch die weltberühmte Bibliotheca Palatina. Von Beginn an war auf den Emporen die später um die Büchersammlung des Kurfürsten Ludwig III. erweiterte Stiftsbibliothek aufgestellt.

Auf den Emporen gab es relativ gute Lichtverhältnisse zum Lesen. Durch wesentliche Ergänzung wurde die Bibliothek zu der weltberühmten Bibliotheca Palatina.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Sammlung als Kriegsbeute geraubt und dem Papst geschenkt.

Von den rund 5000 Büchern und 3524 Handschriften gelangten 1816 nur 885 zurück und befinden sich heute in der Universitätsbibliothek Heidelberg. Der Rest wird auch heute noch im Vatikan aufbewahrt. Das berühmteste Stück der Bibliotheca Palatina, die Manessische Liederhandschrift, hatte Kurfürst Friedrich V. mitgenommen, als er 1619 Heidelberg verließ, sodass sie dem Raub entging. Über Umwege gelangte sie nach Paris, 1888 konnte die Heidelberger Universitätsbibliothek sie zurückkaufen.

Mansarddach und Dachstuhl

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Am 22. Mai 1693 wurde die Kirche während des Pfälzischen Erbfolgekrieges schwer beschädigt. Französische Truppen sperrten eine große Menschenmenge in der Heiliggeistkirche ein und steckten die Kirche in Brand. Erst als bereits Glocken, Balken und Gewölbeteile herabstürzten, wurde auf Bitten des jungen reformierten Pfarrers Johann Daniel Schmidtmann eine Tür für die Menschen geöffnet.

In den Jahren 1698 bis 1700 wurde das Dach in damals moderner gebrochener Form wiederhergestellt. Bei dem Dach handelt es sich um eines der frühesten noch komplett erhaltenen Mansarddächer in Deutschland. 1709 erhielt der Turm seine barocke welsche Haube.

Der Dachstuhl kann von Touristen nicht besucht werden, wir möchten Ihnen aber dieses Bild nicht vorenthalten.

Das „Physikfenster“

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Im ersten Joch des südlichen Seitenschiffes (rechts beim Eintritt ins Mittelschiff) fällt unser Blick auf ein Fenster ganz anderer Art. In Erinnerung daran, dass diese Kirche von Beginn an und über lange Zeit ein Teil der Universität war, deren Schwerpunkt heute auf dem Gebiet der Naturwissenschaften liegt, gestaltete der Künstler Prof. Johannes Schreiter (geb.1920) dieses "Physikfenster”, ursprünglich als Teil eines ganzen Zyklus gedacht. Das Gesamtprojekt blieb nicht unumstritten und konnte nicht verwirklicht werden. Auf dem Fenster erkennen wir die Einsteinsche Formel: E = mc2. Eine der Folgen ihrer Entwicklung war der Bau der Atombombe, deren Gefahr immer noch nicht gebannt ist. Als Erinnerung und Mahnung finden wir rechts unten das Datum der Zerstörung Hiroshimas durch die erste abgeworfene Atombombe (6.August 1945) und den zerberstenden Globus. Warnung und Trost sollen die beiden Bibelsprüche darüber sein.

Sie lauten: 2.Petrus 3, Vers 10: “Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb der Nacht, an welchem die Himmel vergehen werden mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Werke, die darauf sind, werden verbrennen.“

Jesaja 54, Vers 10b: „Aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.“

Die Bibelsprüche sind umgeben von einem intensiven Rot, der Farbe des Feuers, aber auch Farbe der Liebe, der allumfassenden Liebe Gottes, sowie als liturgische Farbe die Farbe des Heiligen Geistes. Gottes Geist ist es auch, der im Pfeil am oberen Ende des Bildes zu uns herabkommt.

Die Bedrohung des modernen Menschen wird auf diesem Fenster dargestellt, gespalten in seinem Leben wie die Kreuze am Ende des Textes.

Die Fenster von Hella Santarossa

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Am nördlichen linken Seitenschiff treffen Sie auf fünf neue Kirchenfenster, deren letztes 2001 vollendet wurde. Sie stammen von der Berliner Künstlerin Hella Santarossa (geboren 1949).

Der Fensterzyklus steht unter dem Leitmotiv, das sich aus dem Namen der Kirche ergibt: Thema ist der Heilige Geist.

Wenn man vom Westeingang kommend links in das nördliche Seitenschiff tritt, kommt man zum ersten Fenster der Reihe.

Im ersten Fenster ist blau die dominierende Farbe; das Fenster widmet sich dem Wasser und der Schöpfung. Im Ersten Buch Mose heißt es: „…und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“ (1,2b).

Im zweiten Fenster ist ein junges menschliches Gesicht dargestellt. Es ist ein Kind mit einem Helm und einer Nummer darauf. Ein Kind, das zum Soldaten ausgebildet wurde. Kann verderbliches Chaos eindrucksvoller dargestellt werden? Die tiefste Finsternis sieht die Künstlerin in diesem Kind-Soldaten, wo doch die Kindheit unschuldig sein sollte. Das Fenster trägt den Titel „Gottes Geist über dem Chaos“. In der Bibel heißt es: „…und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe“ (Erstes Buch Mose 1,2a). Gottes schützende Hand ist nur angedeutet in dem roten Quadrat oberhalb des Kindes in der Farbe rot – der Farbe des Heiligen Geistes.

Das dritte Fenster trägt den Titel Gott sprach: Es werde Licht und es ward Licht (Erstes Buch Mose 1,3). Licht und Wasser sind das Lebenselixier Gottes. Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Johanns 8, 12)

Das vierte Fenster erinnert an die Biblioteca Palatina, die früher in dieser Kirche ihren Ort hatte. Auch ein Laptop und ein Blick in den Weltraum sind hier zu sehen. Das Fenster heißt: Der Erdenkreis ist erfüllt vom Geiste Gottes (Weisheit Salomos 1,7).

Das fünfte Fenster fasst alles Vorhergehende zusammen mit einem Spruch aus der Offenbarung des Johannes: „Und er zeigte mir … Bäume des Lebens … und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker.“ (Offenbarung 22, 1 und 2) und wieder das Thema der Schöpfung: „Und Gott der Herr ließ aufwachsen … den Baum des Lebens … und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen“ (Erstes Buch Mose 2,9).

Die Fenster drücken etwas aus vom Staunen über das Wirken des Heiligen Geistes.

Der Epiphanias-Leuchter

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Im südlichen Seitenschiff finden wir einen Ort, um Anliegen und Gebete vor Gott zu bringen, indem man sie auf einen Zettel schreibt und diesen an die Gebetswand heftet oder vielleicht eine Kerze anzündet und sie auf den Epiphanias-Leuchter oder einen der anderen Leuchter stellt. Der Epiphanias-Leuchter wurde gestaltet von dem Heidelberger Kunstschmied Dieter Knorzer, und soll an die Erdkugel und damit an die weltweite christliche Ökumene erinnern.

Besonders empfehlen möchten wir Ihnen die Besteigung des Turms, der einen wunderbaren Blick über die Stadt und das Neckartal gewährt.

Der Erhalt der Kirche kostet viel Zeit und auch Geld. Wir freuen uns daher über eine Spende von Ihnen. Vielen Dank!

Wenn Sie noch mehr über die Kirche erfahren möchten, können Sie sich einen Kirchenführer kaufen. Insbesondere über die Glasfenster an der Nordseite, die von Hella Santarossa geschaffen wurden, können Sie noch weiteres lesen.

Schließlich möchten wir Sie auf die Providenzkirche hinweisen, unsere Schwesternkirche. Sie finden sie wenige hundert Meter an der Hauptstraße westlich von hier.

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Dr. Manfred Schneider; Infos: www.manfred-schneider.de

Weitere Bilder und Infos zur Heiliggeistkirche finden Sie hier:
www.ekihd.de/html/altstadtgemeinde_heiliggeist_providenz.html
https://www.die-heiliggeistkirche-zu-heidelberg.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Heiliggeistkirche_(Heidelberg)

Die Heiliggeistkirche in Heidelberg ist auch in der Kirchen-App der EKD zu finden. Zu den Download-Möglichkeiten der App für Android und iOS:

 

Ihr Weg zur Kirche

 
Für Navigationsgeräte
Marktplatz
69115 Heidelberg
 

 
Ansprechpartner
Oliver Weidermann
Internet-Redakteur (ZfK)
Offene Kirchen in Baden-Württemberg
Kirchen-App der EKD

Quelle: ekd_kirchen-app.de

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