Die Schlosskirche St. Michael in Pforzheim

Ein Zeitzeuge aus dem Mittelalter

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Beckstet
Auch wenn die Schlosskirche ein imposantes Gebäude im Stadtbild Pforzheims ist, fehlt zur frühen Geschichte dieser Kirche jegliche schriftliche Überlieferung: Im Jahr 1342 wird sie erstmals urkundlich erwähnt, doch man weiß,  dass die Kirche schon vorher existierte.

Im späten Mittelalter erlangte die Stadt Pforzheim als Residenz der badischen Markgrafen eine bedeutende Vormachtsstellung. Ihr Domizil war der Schloßberg, auf dem, wie es schon der Name besagt, ihre Schloßanlage stand.

Dazu gehörte die  Lateinschule und der Gelehrtenstift St. Michael (die heutige Schlosskirche). Dies war der Ausgangspunkt für den Humanismus und die Reformation in der Markrafschaft Baden im Jahr 1555.

Die Verlegung der markgräflichen Residenz nach Durlach bedeutete das Ende der Schlosskirche als Hofkirche. Einzig der Stiftschor, der seit 1538 zur Begräbnisstätte des Fürstenhauses auserkoren wurde, blieb als Grabkapelle in den folgenden 300 Jahren in Benutzung. Die Grablege wird der Öffentlichkeit nur zu besonderen Anlässen zugänglich gemacht.

Die Evangelische Schlosskirche St. Michael ist eine der ganz wenigen Zeitzeugen aus dem Mittelalter, die die Zerstörung Pforzheims am 23. Februar 1945 einigermaßen  überstanden hat. Mit ihrem außergewöhnlichen Reichtum an mittelalterlichen Grabplatten gilt die Schloßkirche als  „das steinerne Geschichtsbuch der Stadt“.

Das hölzerne  Mittelschiff wurde komplett zerstört und nach Kriegsende mit vereinten Kräften durch die  Pforzheimer Bevölkerung wieder aufgebaut, so dass die Kirche  im Jahr 1957 wieder eingeweiht werden konnte.

Das Portal der Schlosskirche lehnt sich stilistisch an das Vorbild der Maulbronner Klosterkirche an. Auch die Steinmetzzeichen sind dieselben, wie sie die Werkleute um 1200 in Maulbronn hinterlassen haben.

Die bronzenen Flügeltüren des Eingangsportals schuf 1959 der Stuttgarter Bildhauer Jürgen Weber. Zu sehen sind darauf sechs biblische Szenen: Michael streitet mit dem Drachen, Jesus stillt den Sturm, Judas küsst Jesus, Petrus und der Hahn, Paulus im Gefängnis und die Steinigung des heiligen Stefanus.

Es lohnt sich auch ein Spaziergang um die Schlosskirche in den Schlosspark. Dort sind Reste der alten Stadtmauer zu sehen sowie die ehrwürdige Luthereiche, die am 10. November 1883 zur Feier des 400. Geburtstages des Reformators gesetzt wurde.

Das Innere der Kirche

Quelle: Oliver Weidermann
Dem Grundriss entsprechend ist der Kirchenbau eher unübersichtlich und von keiner Seite voll zu erfassen. Dem entspricht auch der Stilmix von Romanik über Gotik zur Spätgotik im Stiftschor.

Das Langschiff beeindruckt durch die Fenster von Klaus Arnold aus Karlsruhe. Sie erinnern durch Farben und Formen an Marc Chagall. Je nach Stand der Sonne malen sie intensive Farben in den Kirchenraum.

Der Altarraum wird links vom nördlichen Diagonalchor mit den Motiven des Stadt-  und Zunftfensters und rechts vom südlichen Diagonalchor, der Taufkapelle, mit dem Tauffenster eingerahmt. Diese Kirchenfenster stammen vom Valentin Feuerstein. Das Tauffenster zeigt Jesu Taufe, die Samaritanerin am Brunnen, den Durchzug der Israeliten durchs Schilfmeer sowie Christus und seine Taufgemeinde.

Hinter dem Altarraum- sieht man in den Stiftschor hinein, der nur während der Öffnungszeiten über das Museum Johannes Reuchlin zugänglich ist. Im Stiftschor befinden sich die Grabdenkmäler und Hochgräber  der badischen Markgrafen. Vom Chorraum führt eine Treppe hinab zu einem Gewölbegang, der die beiden nicht öffentlichen Grufträume erschließt.

Die Fenster des Stiftschors sind  von dem Maler Charles Crodel geschaffen.

Die Schlosskirche  ist im Besitz des Landes Baden-Württembergs und der Kirchenraum wird an die Evangelische Kirche in Pforzheim vermietet. Hier ist die Michaelsgemeinde beheimatet, aber es findet hier auch die Citykirchenarbeit statt mit zahlreichen besonderen Gottesdiensten und Veranstaltungen. Menschen aller Konfessionen und Religionen sind eingeladen, sich von diesem besonderen Raum berühren und bewegen zu lassen.

Der Altarraum

Quelle: Oliver Weidermann
Der Altarraum wird vom Lettner überragt, der Kirchenschiff und Chor voneinander trennt. Ursprünglich schied der Lettner Laien- und Chorherrenbereich und fungierte so als „soziale Schranke“ zwischen Volk und Klerus.

Der Name Lettner leitet sich aus dem lateinischen „Lectorum“ ab, d.h. übersetzt Lesepult. Und so diente der Lettner wie eine erhöhte Kanzel als Lese-, Sänger- und Orgeltribüne. Der junge Johannes Reuchlin, der zu den Chorknaben des Michaelsstifts gehört hatte, mag von dort oben gesungen haben.

Eine Orgel stand bis ins 19 Jahrhundert auf der Lettnertribüne, davor hing über dem Altar ein monumentales Triumphkreuz. Über den Lettner führte der einzige Zugang zur verschwundenen Stiftsbibliothek im Reuchlinkolleg. Wie viele Geistliche und Gelehrte, unter ihnen Reuchlin und Melanchthon mögen die Stufen zu dieser einst berühmten Bücherstube ehrfürchtig erklommen haben?

Im Altarraum befinden sich hoch oben an der Decke zwei Schlusssteinfiguren.

Zum einen ist der heilige Michael zu sehen, der Schutzpatron der Kirche. Er steht auf einem Drachen und stößt ihm eine Lanze in den Rachen und besiegt damit das Böse. Eine vergleichbare Darstellung ist auch im Eingangsbereich zu sehen, wenn man hinausgeht auf der linken Seite.

Die zweite Figur ist Christus, der als Welterlöser dargestellt wird. Er zeigt mit der einen Hand auf seine Wunde in der Seite, und die andere Hand, die Rechte, erhebt er zum Segen.

Wie durch ein Wunder hat der heilige Michael die Zerstörung des Mittelschiffes am 23. Februar 1945 unbeschadet und glücklich überstanden, während die Figur des Weltenerlösers schwer beschädigt unter den Trümmern aufgefunden wurde. Einem einheimischen Bildhauer ist es in mühevoller Arbeit gelungen, diesen Schlussstein in seiner ursprünglichen Schönheit wiederherzustellen.
 

Die Margaretenkapelle

Vor dem nördlichen Diagonalchor mit dem Zunft- und Stadtfenster von Valentin Feuerstein befindet sich die Margaretenkapelle, die über einige Stufen zu erreichen ist.

Es wird überliefert, dass die Kapelle zu Ehren der siebenjährigen Margarete von Pforzheim erbaut wurde, die im Jahr 1260 einem Ritualmord zum Opfer fiel. Die Dominikaner nahmen sich der Leiche an, bewahrten sie zunächst in ihrem Kloster in einem Steinsarg auf. In der Folgezeit wurde das Kind als Märtyrerin verehrt. Man ließ deshalb an die Michaelskirche die Margaretenkapelle anbauen und stellte den Sarg in einer eigens dafür ausgehobenen Krypta auf. Diese ist von außen noch zu sehen, aber nicht mehr zugänglich. Nachdem sich in Pforzheim die Reformation durchgesetzt hatte, wurden die Reliquien der Margarete von einem Jesuitenpater nach Baden-Baden überführt, damit man dort dem Kind „auch die rechte, das hieß  katholische Würdigung“ entgegenbringen konnte.

Die Grabplatten

Im Kirchenraum der Schlosskirche befinden sich teils in den Boden eingelassene, teils an den Wänden hochgestellte Grabplatten. Sie geben interessante Auskunft über die in Pforzheim lebenden Patrizierfamilien vom 13. bis 16. Jahrhundert.

In der Taufkapelle findet man die älteste Grabplatte von 1275 des Schultheißen Eberhard Liebener. Es zeigt ein mit Lilienstäben reich verziertes Kreuz.

Auf der gegenüberliegenden Seite, im nördlichen Diagonalchor, steht das Grabdenkmal des markgräflich badischen Haushofmeisters Erhard Thorlinger und seiner Frau Ursula aus dem 15. Jahrhundert. Das jugendliche Ehepaar ist meisterhaft im Relief entstanden, der überlebende Erhard mit Plattenharnisch und Schwert, die verstorbene Ursula betend mit weitem Umhang und faltigem Kleid, zu Füßen die Familienwappen. Diese Darstellung erinnert an antike Vorbilder.

Wenn man sich etwas Zeit nimmt, sind im Kirchenraum noch einige solcher Grabplatten mit Motiven oder bildlichen Darstellungen zu entdecken.
 

Der Chorraum und die ehemalige Sakristei

Quelle: Oliver Weidermann
Der 2008 beherbergt der erweitert Anbau an der Südseite der Schlosskirche das Neue Museums Johannes Reuchlin. Der Neubau stellt die ursprüngliche Kubatur des Reuchlin-Kollegs in der ehemaligen Sakristei der Kirche wieder her.Die nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Strebebögen sind in den Neubau einbezogen worden und illustrieren somit die historische Vielschichtigkeit.
 
Von ihm aus gelangt man in den hinteren Teil des Chorraumes der Schlosskirche. Seit 1535 war die Kirche Grablege der badischen Markgrafen aus der evangelischen Linie (ab 1515 Baden-Durlach, bis 1860 Stéphanie de Beauharnais).
 
Dieser Teil gehört heute nicht mehr zur Kirche selbst. Sie endet an den den verglasten Strebebögen durch die man einen Blick auf den dahinterliegenden Chorraum hat.
Dieser selbst ist Eigentum des Landes Baden-Württemberg.
 
Beim Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 wurde sie schwer beschädigt und bis 1957 wiedererrichtet. Zusammen mit dem nebenan gelegenen Archivturm ist sie der einzige größere Rest des mittelalterlichen Pforzheim.


www.pforzheim-schlosskirche.de
www.de.wikipedia.org/wiki/St._Michael_(Pforzheim)

 
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Ansprechpartner
Oliver Weidermann
Internet-Redakteur (ZfK)
Offene Kirchen in Baden-Württemberg
Kirchen-App der EKD

Quelle: ekd_kirchen-app.de

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