Die Stadtkirche in Karlsruhe-Durlach

Mitten im Zentrum der ehemaligen Residenzstadt

Quelle: Klara Herdeanu

Die Durlacher Stadtkirche steht mitten im Zentrum Durlachs. Heute Stadtteil von Karlsruhe, war Durlach über eineinhalb Jahrhunderte die Residenzstadt Baden-Durlach. Diese ehemals wichtige politische Bedeutung spiegelt sich auch in der wechselhaften Geschichte der Durlacher Stadtkirche.

Der erste Kirchenbau an dieser Stelle wurde Ende des 12. Jahrhunderts inmitten eines Friedhofs errichtet und in den darauffolgenden Jahrhunderten mehrmals um- und neugebaut.

Im Jahr 1517 brachte Dr. Martin Luther mit dem Anschlag seiner 95 Thesen die Reformation ins Rollen. Luthers kirchenkritischen Thesen sorgten allerdings für zahlreiche Konflikte und Auseinandersetzungen zwischen den sogenannten „Altgläubigen“ und den Reformatoren. 1555 wurde auf dem Reichstag zu Augsburg schließlich der Augsburger Religionsfriede geschlossen, um die Konflikte einzudämmen. Ein wichtiger Punkt war dabei die Formel Cuius regio, eius religio: Der Fürst eines Landes war damit dazu berechtigt, die Religion für die Bewohner vorzugeben.

Der Markgraf Karl II. von Baden Pforzheim trat in demselben Jahr zum lutherischen Bekenntnis über. Daraufhin fand die Reformation Einzug in Durlach. Rund 30 Jahre später, 1584, wechselte der neue Markgraf Ernst Friedrich beeindruckt von den Lehren der Reformatoren Ulrich Zwingli und Johann Calvin vom lutherischen zum reformierten Glauben über. Nach seinem Tod 1604 wurde Durlach wieder lutherisch. Während des 30-jährigen Krieges von 1618-1648 gab es vorübergehende Rekatholisierungsversuche, die jedoch nicht erfolgreich waren. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Durlach 1689 von französischen Truppen eingenommen, die die Stadt und somit auch die Kirche abbrannten. Zehn Jahre später begann der Bau des aktuellen Kirchengebäudes im barocken Stil.

Der Innenraum

Quelle: Klara Herdeanu
Hohe helle Wände prägen das Bild der geräumigen, dreischiffigen Hallenkirche. An den Längs- und der Rückseite tragen stabile Säulen eine große, durchgehende Empore, auf der sich auch die Orgel befindet. Der Altarraum ist um drei Stufen erhöht und führt durch einen Triumphbogen zum Chorraum. Bestimmt wird der Altarraum durch das zentral positionierte, lebensgroße Kruzifix. Rechts vom Chor ist die Kanzel angebrachte. Vergoldete Verzierungen auf weißem Untergrund schmücken diese Rokoko-Kanzel aus dem 18. Jahrhundert. Als Kontrast zu dem Prunk der Kanzel steht vor ihr ein modernes, schlichtes Lesepult. Der mit vergoldeten Girlanden und Akanthuskranz ausgestattete Altar und der achteckige Taufstein stammen ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert.

Der Chorraum der Stadtkirche wird von fünf Fenstern eindrucksvoll beleuchtet, von denen besonders die drei mittigen besonders hervorstechen. Während des Zweiten Weltkrieges zerstörte ein Luftangriff im November 1944 die Kirchenfenster sowie Teile des Kirchendaches. Der Künstler Prof. Albert Finck gestaltete die drei neuen Fenster als Einheit: Das mittige „Jubilatefenster“ symbolisiert das „Wort“, das rechte „Märtyrerfenster“ und das linke „Diakoniefenster“ symbolisieren die „Tat“.

Das Jubilatefenster

Quelle: Klara Herdeanu
Den Mittelpunkt des „Jubilatefensters“ bildet die Verklärung Jesu, wie sie der Evangelist Markus beschreibt: „Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus, Jakobus und Johannes und führte sie auf einen hohen Berg, nur sie allein. Und er wurde vor ihnen verklärt; und seine Kleider wurden hell und sehr weiß, wie sie kein Bleicher auf Erden so weiß machen kann. Und es erschien ihnen Elia mit Mose und sie redeten mit Jesus. Und es kam eine Wolke, die überschattete sie. Und eine Stimme geschah aus der Wolke: Das ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören!“ (Mk. 9, 2-4.7-8).

Auf dem Jubilatefenster steht Jesus Christus als strahlende Figur im Zentrum und richtet seinen Blick gen Himmel. Er scheint auf diesem Bild regelrecht nach oben, in den Himmel zu wachsen. Links von ihm hält Moses die Tafeln mit den zehn Geboten in der Hand. Gott hatte Moses die zehn Gebote, die das Verhältnis von Mensch und Gott und Mensch zu Mensch regeln sollen, auf dem Berg Sinai mitgeteilt.

Rechts neben Jesus streckt ihm der Prophet Elia die Hand entgegen. Elia rief im Alten Testament das Volk Israel immer wieder zur Gottestreue auf und stellt sich gegen den um sich greifenden Kult der Gottheit Baal. Unter diesen drei Figuren musiziert eine kleine Gruppe, die für die lobende Gemeinde steht.

Das Märtyrerfenster

Quelle: Klara Herdeanu
Das rechte Fenster zeigt christliche Märtyrer aus unterschiedlichen Zeiten: Unten leidet Stephanus, der erste christliche Märtyrer, dessen Steinigung in der Apostelgeschichte erzählt wird (Apg. 7,58). In der Mitte wird der frühe tschechische Reformator Johannes Hus, der im 14./15. Jahrhundert wirkte, auf einem Scheiterhaufen in Konstanz verbrannt. Die drei Pfarrer im obersten Abschnitt stehen für die Neuzeit, in der es noch immer und immer wieder Märtyrer gibt. Herausgehoben aus dem kalten Blau und Grün des Hintergrundes stehen die Märtyrer vor einem hellen Strahlenblitz. Die Kälte der Farben und die scharfen Kanten der Bleiruten wie auch ihr Durcheinander betonen die Härte und Brutalität des Martyriums.

Über den Märtyrern leuchtet eine goldene Krone. Sie verweist auf die Offenbarung des Johannes, in der geschrieben steht: „Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben“ (Offb. 2,10).

Die Krone steht aber auch für die drei theologischen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Gerechtigkeit.

Das Diakoniefenster

Quelle: Klara Herdeanu
Einen ganz anderen Eindruck hingegen erweckt das „Diakoniefenster“: Grundformen hier sind weiche Kreise und Wellen, die das abgebildete Geschehen in drei Abschnitte einteilen. Die Form des Kreises symbolisiert Harmonie und Liebe und steht somit für die Diakonie, den Dienst am Nächsten.

Im unteren Abschnitt des Fensters eilt ein schwarzer Mann einem Mann zu Hilfe, der am Boden liegt. Es ist das Gleichnis des barmherzigen Samariters, was im Lukasevangelium von Jesus erzählt wird: Ein Fremder hilft einem Mann, der von Straßenräubern überfallen wurde. Davor eilten Priester an dem überfallenen Mann vorbei – ohne zu helfen. Jesus thematisiert mit diesem Gleichnis die Frage eines Schriftgelehrten, wer denn „der Nächster“ sei. Lukas schildert das wie folgt: „Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!“ (Lukas 10, 36-37).

Der mittlere Abschnitt des Fensters ist der Diakonie in der Reformationszeit gewidmet. Der zentrale Fokus dieses Abschnitts sind die Hände: Es sind betende, bittende, opfernde, gebende und empfangende Hände. Dies lässt an die Worte des evangelischen Theologen Jürgen Klepper denken, der sich unter dem Druck der Nationalsozialisten das Leben nahm:

„Die Hände, die zum Beten ruh‘n,
die macht er stark zur Tat.
Und was des Beters Hände tun,
geschieht nach seinem Rat.“

Als Übergang vom zweiten in den dritten Abschnitt fügte der Künstler Zeichen der zwei protestantischen Sakramente ein: Die Taube steht für den heiligen Geist und die Versöhnung mit Gott. Nach der Sintflut kündigte die Taube mit einem Olivenzweig im Schnabel Noah auf seiner Arche einen neuen Beginn an. Neben der Taube steht ein Kreuz, das von Ähren und Weintrauben umgeben ist: Brot und Wein des Abendmahls.

Der oberste Abschnitt zeigt die diakonische Arbeit der Neuzeit. Der Mann im Talar ist Theodor Fliedner, der 1836 die Diakonissenanstalt gründete und deshalb als „Vater der Diakonie“ angesehen wird. Die zwei abgebildeten Frauen stehen für die Arbeitsschwerpunkt der Diakonissinnen: Die Sorge um Kinder und um alte Menschen. Über diesem Geschehen strahlen Lichtblitze von oben in das Bild hinein. Sie scheinen von außerhalb des Fensters zu kommen und beleuchten als Versinnbildlichung Gottes Willens die zentralen Punkte des Bildes.

Eine Besonderheit sind die Kreuz und Grabmäler

Quelle: Klara Herdeanu
Zentraler Blickfang der Durlacher Stadtkirche ist die lebensgroße Kreuzesfigur, die aus einem einzigen Sandsteinblock gestaltet wurde. Sie steht mittig im Altarraum, vor Triumphbogen und Chor und zieht allein schon durch diese Positionierung die Blicke auf sich. Je nach Lichteinfall und Beleuchtung fallen die Schatten des Kruzifixes aus dem 16. Jahrhundert zwischen die drei zentralen Chorfenster. Dieses Licht- und Schattenspiel erinnert an die Verbrecher, die rechts und links von Jesus mitgekreuzigt wurden. Das rund 5m hohe Sandsteinkruzifix stammt aus dem 16. Jahrhundert. Es stand zunächst auf dem alten Friedhof von Durlach und fand 1967 seinen Weg in die Stadtkirche.

Das Kreuz erinnert an die Auferstehung Christi von den Toten. Daran bekommen Glaubende Anteil. Sie werden ebenso ein neuartiges Leben bekommen und befreit sein vom Tod. Es ist Zeichen des Beginns und des Endes und ist zum wichtigsten Zeichen des Christentums geworden. In sich vereint es das menschliche Leiden und mit dem Verweis auf die Auferstehung Jesu auch die christliche Hoffnung. Der Tod am Kreuz war eine im Altertum häufig verwendete Methode zur Hinrichtung von Verbrechern – auch deshalb, weil es zu einem sehr grausamen und langsamen Tod führte. Das Kruzifix erinnert an die Kreuzigung und den schmerzvollen Tod Jesu. Es steht sinnbildlich auch für menschliches Leiden und Sterben im Allgemeinen, aber auch für menschliche Grausamkeit und Ungerechtigkeit. Das Kreuz symbolisiert zugleich die Befreiung und das ewige Heil, da es an die Auferstehung Jesu erinnert.

Der Tod wird in der Stadtkirche auch noch an anderer Stelle thematisiert: den historischen Grabmälern. Die ältesten Grabmäler, die bei den Renovierungsarbeiten der Kirche Ende der 1990 Jahre entdeckt wurden, stammen noch aus dem 14. Jahrhundert. Ein großer Teil der Grabmäler stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Einige besonders gut erhaltene Exemplare wurden an der Westwand der Kirche direkt unter der Orgelempore angebracht. Im Chorraum wurden die Grabplatten der Durlacher Markgrafen Karl August Johann Reinhard und Christoph angebracht, die als Söhne des Markgrafen Karl Wilhelm im 18. Jahrhundert verstorben sind. Die Südseite der Kirche schmückt außerdem ein kunstvoll dekoriertes Epitaph der Freifrau Dorothea von Pelcke, ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert.

Leben und Sterben stehen in der Durlacher Stadtkirche mit ihrem lebensgroßen Kruzifix und der Vielzahl an Grabmälern im Mittelpunkt. Die Grabmäler betonen die Vergänglichkeit des Menschen im Angesicht Gottes und der Ewigkeit. Trost und Hoffnung bietet der Blick zu Jesus am Kreuz, dessen Tod bereits die Auferstehung Christi ankündigt. Martin Luthers Osterlied „Christ lag in Todesbanden“ findet dafür eindrucksvolle Worte:

„Christ lag in Todesbanden,
für unser Sünd gegeben,
der ist wieder erstanden
und hat uns bracht das Leben.
Des wir sollen fröhlich sein,
Gott loben und dankbar sein
und singen Halleluja.“

Die Orgel

Quelle: Klara Herdeanu
Auf der Westempore thront die Orgel, die „Königin der Instrumente“. Die Brüder Johann Philipp und Johann Heinrich Stumm bauten im 18. Jahrhundert die Orgel, die auch heute noch für Gottesdienstbegleitung und Kirchenkonzerte rege genutzt wird. Das Gehäuse und die von außen sichtbaren Pfeifen stammen aus dem Jahr 1759, der Großteil der Pfeifen innen sowie die ganze Mechanik wurden 1999 von der Schweizer Orgelbaufirma Goll aus Luzern erneuert.

Die Orgel und die Kirchenmusik im Allgemeinen spielen im Protestantismus eine bedeutende Rolle und verfügen über eine lange Tradition. Martin Luther schätzte die Musik als Schwester der Theologie, die die Beziehung zu Gott und den Menschen stärkt und uns Menschen den Blick für die Welt als klingende Schöpfung Gottes eröffnet. Er selbst hat zahlreiche Liedtexte und Melodien geschrieben, mit denen die Lehren der Reformation vielen Menschen zugänglich wurden. Der wohl berühmteste Kirchenmusiker und -komponist des Protestantismus ist aber Johann Sebastian Bach. In seinen Kompositionen verarbeitete er auch das Liedgut von Luther und anderen protestantischen Theologen. So hat Bach z.B. in seinem weltberühmten Weihnachtsoratorium Lieder in das harmonische Ganze einer musikalischen Weihnachtsgeschichte eingefügt. Eines dieser Lieder ist ein Text von Paul Gerhardt, einem der wichtigsten protestantischen Kirchenlieddichter.

„Wie soll ich dich empfangen
Und wie begegn' ich dir?
O aller Welt Verlangen,
O meiner Seelen Zier!
O Jesu, Jesu, setze
Mir selbst die Fackel bei,
Damit, was dich ergötze,
Mir kund und wissend sei.“

Die Glocken

 

www.stadtkirche-durlach.org
www.de.wikipedia.org/wiki/Stadtkirche_Durlach


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Quelle: ekd_kirchen-app.de

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