"Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein"

Brief an die Gemeinden zu 100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs

Liebe Schwestern und Brüder,
am 11. November 2018 jährt sich das Ende des 1. Weltkriegs zum 100. Mal. Der Waffenstillstand von Compiègne beendete die Kampfhandlungen. Die Bilanz der Kriegsjahre von 1914-1918 war verheerend. Schätzungsweise 40 Millionen Menschen haben unter den Folgen des Krieges gelitten: 20 Millionen sind gestorben, davon ca. 10 Millionen Zivilisten, und 21 Millionen wurden verletzt. Der 1. Weltkrieg hat die Weltordnung des Kolonialismus und die Ordnung Europas nachhaltig verändert. In Deutschland entstand die Demokratie der Weimarer Republik, die aber von vielen wichtigen gesellschaftlichen Gruppen abgelehnt wurde. Der Nationalismus und der Militarismus, die den 1. Weltkrieg erst möglich gemacht hatten, blieben lebendig und bildeten den Nährboden für den Nationalsozialismus, der Europa 21 Jahre später in den Zweiten Weltkrieg stürzte.


Die Erinnerung an die Schrecken der beiden Weltkriege ist in Europa noch lebendig, aber sie verblasst zunehmend. Nationalistische Parolen in vielen europäischen Ländern und steigende Militärausgaben zeigen: Der Krieg ist wieder zu einem zentralen Mittel der Politik geworden, obwohl er in keinem der zahlreichen aktuellen Konflikte in Afghanistan, Syrien, der Ukraine, dem Jemen, dem Südsudan, in Nigeria und anderen Ländern bisher zu nachhaltigen politischen Lösungen geführt hat. Umso wichtiger ist es, die Erinnerung an die Opfer der Kriege zu bewahren. Sie bleiben eine Mahnung an uns Nachfolgende, sich für einen gerechten Frieden, zivile Konfliktlösungen und Gewaltfreiheit einzusetzen.


„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“ – die klare Botschaft der 1. Vollversammlung des Weltkirchenrates in Amsterdam 1948 hat nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Sie wird durch den ökumenischen Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens erneuert und von den im ökumenischen Rat vertretenen Kirchen der Welt mit Nachdruck als christliches Friedenszeugnis öffentlich kundgetan. Statt den Weg der militärischen Sicherung des Friedens durch immer mehr Waffen, Rüstung, Rüstungsexporte und die vermeintlich abschreckende Wirkung des Militärs zu gehen, erinnern sie an Jesu Weg der Gewaltlosigkeit und des gewaltfreien Widerstands als Weg hin zu einem gerechten Frieden. Das Leitbild des gerechten Friedens verbindet die Einsicht, dass Frieden durch Gewaltverzicht am besten befördert wird, mit der Erkenntnis, dass Frieden nur erreichbar ist, wenn die großen Probleme von Armut, wirtschaftlicher und sozialer Benachteiligung, Klimawandel und Unterdrückung der Menschenrechte nachhaltig bearbeitet werden.

Unsere Landeskirche geht mit auf diesem ökumenischen Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens. Wir wollen konkrete Schritte hin zu einer Kirche des gerechten Friedens tun. Vielen Christinnen und Christen in unseren Gemeinden und vielen anderen in unserer Gesellschaft ist das ein besonderes Anliegen. Der Beschluss der Landessynode zur Friedensethik vom Herbst 2013 hat dafür die Weichen gestellt. 

Deshalb richten wir unser Gedenken an 100 Jahre 1. Weltkrieg in den Gemeinden und Einrichtungen der Landeskirche gemeinsam mit unseren Geschwistern und Partnern in der EKD, in Europa und weltweit auf den ökumenischen Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens aus: Wir gedenken der Opfer; wir danken für Versöhnung, Frieden und die Freundschaft zwischen den Völkern der europäischen Gemeinschaft; wir fassen die aktuellen Gefährdungen des Friedens ins Auge und benennen die Schrecken und den Skandal der weltweiten Kriege; wir bringen konkrete Friedensaktionen auf den Weg.
Alle Gemeinden und Kirchenbezirke der Evangelischen Landeskirche in Baden sind eingeladen, sich durch Friedensgottesdienste und Veranstaltungen aktiv an diesem Gedenken aus Anlass des Endes des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren zu beteiligen.
Dazu bieten sich die folgenden Daten an:

21.9.2018,18.00 Uhr Europaweites Glockenläuten, Friedensgebete zum Internationalen Friedenstag.
9.11.2018: 80 Jahre Pogrom und Zerstörung der Synagogen in Deutschland
 11.11.2018: Friedenskundgebung der Kirchen am Rhein auf der Passerelle in Kehl
11.11. – 21.11.2018: Friedensdekade
21.11.2018: Buß- und Bettag
Zu allen Terminen finden Sie unten Hinweise auf Materialien und Gestaltungsvorschläge. Ich freue mich, wenn Sie sich auf die eine oder andere Weise beteiligen.

 

Erläuterungen und Materialhinweise:
Erstmals in der Geschichte Europas findet am 21. September um 18.00 Uhr ein vom Läuten aller kirchlichen und kommunalen Glocken eingeleitetes gemeinsames Friedensgebet statt. Dazu lädt im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres „Sharing Heritage“ die EU-Kommission ein. In Deutschland wird das Anliegen u.a. vom Kulturbeauftragten der EKD, vom Bonifatiuswerk und vom Deutschen Städtetag unterstützt und beworben. Sie sind eingeladen sich auch mit Andachten zu diesem Anlass zu beteiligen.
https://sharingheritage.de/veranstaltungen/europaweites-glockenlaeuten-am-weltfriedenstag/


Zum Gedenktag am 9. November 2018 an 80 Jahre Pogrom und Zerstörung der Synagogen in Deutschland hat die ACK Baden Württemberg eine Arbeitshilfe mit Gottesdienstentwurf vorgelegt: Erinnerung und Verantwortung: Gottesdienstentwurf der ACK Baden Württemberg. Bestellbar unter ackbw[at]t-online[dot]bw

Den Gemeinden wird vorgeschlagen, am Sonntag, 11. November 2018, Gedenkgottesdienste zu feiern. Im Rahmen des Gedenkgottesdienstes kann eine ökumenische Erklärung verlesen werden, die an diesem Tag bei einer gemeinsamen Friedenskundgebung der Kirchen aus Baden-Württemberg, Frankreich und der Schweiz an der Passarelle in Kehl veröffentlicht wird.

Die Ökumenische Friedensdekade findet vom 11. – 21.November statt. Sie endet mit dem Buß- und Bettag. Mit dem Motto „Krieg 3.0“ möchte der ökumenische Trägerkreis angesichts der Gefahr der Eskalation vorhandener Konflikte weltweit auf die potenziellen Gefahren eines dritten Weltkriegs aufmerksam machen. www.Friedensdekade.de

Texte, Materialien und Links für die verschiedenen genannten Anlässe Gottesdienstgestaltung stellt Ihnen auch der Evangelische Oberkirchenrat zur Verfügung auf:
www.ekiba.de/html/content/frieden_gerechtigkeit.html
Darüber hinaus gibt es zum weiten Themenbereich Frieden und Gerechtigkeit eine neue Website der Fachgruppe „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens/Große Transformation“. Dort finden Sie viele Materialien, die das Thema Frieden mit angrenzenden Themen – Klimaschutz, Energie, Wirtschaft u.a.m. – vernetzen. www.gemeinsam-fair-wandeln.de


Besonders aufmerksam machen dürfen wir Sie auf einen Beitrag zur zivilen Sicherheitspolitik, der im Auftrag der Landessynode erstellt wurde: Sicherheit neu denken. Von der militärischen zur zivilen Sicherheitspolitik – Ein Szenario bis zum Jahr 2040.
Die Kurzfassung erhalten Sie kostenlos und finden Sie im Internet unter https://www.ekiba.de/html/content/szenario_sicherheit_neu_denken.html?t=36b80109701693c0ee9ce71a4f97331a&tto=aa5ae2fe

Die Druckversion der Kurzfassung und die Langfassung des Szenarios als Buch erhalten Sie gegen eine Schutzgebühr von 9,95 Euro.

Bestellungen bitte an:
Evangelischer Oberkirchenrat, Arbeitsstelle Frieden, Blumenstr. 1-7, Postfach 2269, 76133 Karlsruhe

 
Kontakt

Wenn Sie ein Anliegen haben: der Kontakt zum Bischofsbüro
Evangelische Landeskirche Baden
Landesbischof
Postfach 2260
76010 Karlsruhe

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