Wenn Künstliche Intelligenzen entscheiden: Unternehmer fordert ethische Parameter

Quelle: geralt CC0 via pixabay
Karlsruhe, (17.10.2017). Angesichts der ungebremsten Technologieentwicklung autonomer Systeme bietet der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU) am morgigen Mittwoch, 18. Oktober, ein Forum in der Technologiefabrik Karlsruhe. Zu „Wann fragt die erste Künstliche Intelligenz nach ihrem Schöpfer“ wird Dr. Jörg Kopecz den Einführungsvortrag halten. Aus diesem Anlass äußert sich Kopecz als Sprecher der regionalen Arbeitsgruppe des AEU in der Metropolregion Rhein-Neckar-Pfalz und Dozent der FOM Hochschule Mannheim im Vorfeld im Interview.
 

Die Digitalisierung durchdringe längst alle Bereiche unseres Lebens, so Kopecz im Gespräch. Autonomen Systemen am Grünen Tisch Grenzen zu setzen, hält er für unrealistisch, meint aber, wir müssten die Entscheidungsparameter „ethisch so gestalten, dass sie kompatibel sind zu uns Menschen und zu unseren Werten“. Mitveranstalter des Unternehmergesprächs am 18. Oktober von 18 bis 21 Uhr sind der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt Baden und die Technologiefabrik Karlsruhe GmbH.

 
Doris Banzhaf - Chefin vom Dienst im Zentrum für Kommunikation (ZfK) der Landeskirche

Weitere Informationen finden Sie unter www.aeu-online.de/regionale-arbeitsgruppen/karlsruhemittelbaden.html.

Das Interview mit Dr. Jörg Kopecz im Wortlaut:

Warum beschäftigen sich evangelische Unternehmer mit künstlicher Intelligenz?
Dr. Jörg Kopecz:
Künstliche Intelligenz ist eine konsequente Fortsetzung von Digitalisierung, die wir zurzeit erleben. Dies ist erstmal ein Thema, mit dem sich alle Unternehmer befassen. Der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer möchte die unternehmerisch-protestantische Perspektive in aktuelle Fragen der Gesellschaft einbringen – und tut dies seit vielen Jahren. Das bei einem Thema wie künstliche Intelligenz nicht zu tun, wäre fahrlässig. Künstliche Intelligenz ist eine der größten Herausforderungen, vor denen wir in den nächsten Jahren und Jahrzehnten stehen werden.

Die Diskussion zu Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung ist momentan von vielen Ängsten und Schwarzmalerei geprägt, die zum einen nachvollziehbar sind, zum anderen fehlen aber auch Informationen. Es ist nicht klar, wie Unternehmen damit umgehen wollen. Unser Abend soll einen Beitrag zu mehr Klarheit leisten.

Braucht künstliche Intelligenz eine Ethik?
Dr. Jörg Kopecz:
Sobald Sie mit autonomen Systemen zu tun haben, die Entscheidungen treffen: Ja. Einheiten, die Entscheidungen treffen, sind automatisch Subjekt einer Ethik. Wir müssen uns überlegen: Welche Parameter, außer rein logischen oder mathematischen, sollen an deren Entscheidungen angelegt werden? Wollen wir als Gesellschaft akzeptieren, dass künstliche Intelligenzen Entscheidungen treffen? Autonomes Fahren ist ein Beispiel dafür. Wenn ja, muss dazu auch eine Ethik gehören, die akzeptiert wird. So dass auch die Entscheidungen akzeptiert werden. Ja, künstliche Intelligenz benötigt eine Ethik.

Was ist das Ziel der Veranstaltung?
Dr. Jörg Kopecz: Dieser Abend will einen Beitrag im Sinne möglicher Szenarien leisten. Die Frage „Wann fragt die erste KI nach ihrem Schöpfer?“ ist bewusst provokant gestellt. Wie wollen wir damit umgehen, wenn wir ein Gegenüber haben, das sich seiner selbst bewusst ist? Und mit welchen Werten soll diese künstliche Intelligenz ausgestattet sein? Was bedeutet es für das Miteinander in unserer Gesellschaft, wenn wir mit KI hantieren, was wir zweifellos tun werden. Denn die Geschwindigkeit, mit der sich diese Technologie entwickelt, ist enorm.

Wo liegt für Sie die Grenze, was künstliche Intelligenz können sollte? Kann sie eingehalten werden?
Dr. Jörg Kopecz: Ich glaube nicht, dass wir über eine Grenze reden können. Mittel- und langfristig werden wir uns damit auseinandersetzen müssen, dass wir ein künstliches Gegenüber bekommen, das in allen Bereichen unseres Lebens aktiv ist. Daher glaube ich nicht, dass wir am grünen Tisch willkürlich Limits definieren können, um dann zu erwarten, dass sie eingehalten werden. Es ist bereits jetzt so, dass die Digitalisierung alle Bereiche unseres Lebens durchdringt. Wir müssen diese Bereiche auch ethisch so gestalten, dass sie kompatibel sind zu uns Menschen und zu unseren Werten.

(Das Interview führte Carolin Lackus, Mitarbeiterin im Zentrum für Kommunikation der Evangelischen Landeskirche in Baden)