„Suche Frieden und jage ihm nach"

Die Jahreslosung 2019 als Kirchturmfahne in Langensteinbach gestaltet

Quelle: Emanuel Spiecker, https://www.instagram.com/emanuel.spckr.art/
Barfuß ist er. In abenteuerlicher Weise, so wie Kinder es machen, und gewiss mit viel Mühe, auch verbunden mit manchem Scheitern - man sieht einen umgekippten Stuhl am Boden liegen - hat der Junge Stühle übereinander gestapelt. Geschickt ist er hinaufgeklettert; er ist noch ganz in Bewegung. Ganz oben auf diesem wackeligen Stuhlturm steht er auf einem Bein und schafft es, über eine Mauer zu sehen. Und seine Mühe wird belohnt. Er sieht die hell strahlende Sonne, die auch ihn selbst in ein gleißendes Licht hüllt.

Dieses Licht ist durchaus auch im übertragenen Sinn gemeint: Christus, das Licht unseres Lebens, will gesucht und gefunden werden. Sein Licht will uns umhüllen und froh machen.

„Suche Frieden und jage ihm nach.“

Frieden, Schalom, ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg. Schalom meint den allumfassenden Frieden. Er ist nicht einfach verfügbar. Er ist zerbrechlich und wir dürfen ihn nicht als eine Selbstverständlichkeit nehmen, sondern müssen ihn immer wieder, täglich, stündlich, neu suchen, ihm hinterher laufen und versuchen, ihn zu bewahren.

Der Junge auf dem Bild hat den Schalom gefunden; die Mauer verdeckt nicht mehr den Blick auf die Sonne. Er hat die Quelle des Lichtes gefunden. Durch hartnäckiges Suchen und Probieren. Der Junge ist jetzt selbst ganz ins Licht getaucht – und doch ist klar, dass dieser Zustand ein sehr vergänglicher ist. Die Sonne wird bald nicht mehr zu sehen sein, es wird wieder dunkel werden. Vielleicht kippt auch der wackelige Stuhlturm um. Und am nächsten Tag wird der Junge die Stühle wieder stapeln müssen, oder sich einen anderen Weg suchen, um über die Mauer zu sehen und teilzuhaben an den Sonnenstrahlen. Wer weiß, vielleicht machen es ihm andere am nächsten Tag nach, weil sie neugierig sind, was dort oben zu sehen ist.

„Suche Frieden und jage ihm nach.“

Auf jeden Fall wird mit diesem Psalmvers und in dem Bild deutlich, dass es nicht mit Passivität getan ist, sondern wir aktiv werden müssen: suchen, nachjagen. Im Großen wie im Kleinen. Wenn gesagt wird: Da kann man ja sowieso nichts machen“, ist dem entgegen zu setzen: doch. Im Kleinen können wir beginnen. Es macht einen Unterschied, wie wir uns verhalten. Viele Menschen, die im Kleinen etwas anstoßen, bewirken zusammen genommen etwas Großes.

Ganz bewusst ist in diesem Bild auch eine Mauer aufgenommen worden: Vor 30 Jahren ist in Berlin die Mauer gefallen. Unglaublich, was damals passiert ist. Eine Mauer, die politische Systeme klar voneinander abgegrenzt hat, die Familien getrennt hat, eine Mauer, die viel Leid und auch Tod gebracht hat, eine Mauer die als unüberwindlich galt: plötzlich war sie offen. Durch das beharrliche Aufbegehren von vielen Menschen in der DDR, auch durch viel Gebet, ist damals etwas in Bewegung gekommen. Wir sind sehr dankbar dafür, dass unser Land heute nicht mehr durch diese Mauer getrennt ist.
Aber an vielen Orten der Welt sieht es anders aus: Als die Berliner Mauer 1989 fiel, gab es noch 16 vergleichbare Mauern und Zäune weltweit. Inzwischen sind etwa 75 Sperranlagen in 45 Ländern weltweit gebaut oder befinden sich im Bau. «Würden heute alle Grenzzäune und -mauern zu einem riesigen Grenzwall aneinandergereiht, wäre er 40 000 Kilometer lang. Er würde einmal rund um die Erde führen», sagt Elisabeth Vallet, die an der Universität Quebec in Kanada erforscht, was an den Grenzen dieser Welt passiert.

Das zeigt uns, wie zerbrechlich, Frieden ist. Und abgesehen von den sichtbaren Sperrmauern und Grenzzäunen dieser Welt gibt es auch viele Grenzen in unseren Köpfen, die darauf warten, eingerissen zu werden!

„Suche Frieden und jage ihm nach.“ - Reinhild Prautzsch, Pfarrerin im Ehrenamt, Langensteinbach


Über den Künstler Emanuel Spiecker

Unübersehbar für alle, die durch Langensteinbach kommen, hängt vom Turm der Ludwigskirche am Doppelkreisel jedes Jahr eine 3x9 Meter große Fahne herab, auf der die aktuelle Jahreslosung zu lesen ist.
Für 2019 ist sie von dem 20 jährigen Studenten Emanuel Spiecker gestaltet worden. Nach seinem Abitur 2017 war er einige Monate lang mit „Jugend mit einer Mission“ in Asien unterwegs - in einem Programm mit künstlerischem Schwerpunkt. 2018 war er mit seinen Werken auf der SCHØN-Konferenz in Augsburg vertreten, bei „Jugend Creativ“ erhielt er mehrere Preise. Im Oktober 2018 begann der gebürtige Bielefelder ein Kunstgeschichtsstudium in Heidelberg und gleichzeitig online an der Bibelschule Chrischona. Auf Instagram und bei www.emanuelspiecker.de sind weitere Werke zu sehen.

 
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