Aktives Altern statt Kaffeekränzchen

Studie schafft Grundlage für Neuausrichtung der Angebote von Kirche und Diakonie für Ältere

Karlsruhe, (23.03.2012). In Baden leben immer mehr ältere Menschen, die sich aber länger jung fühlen und mit klassischen kirchlichen Angeboten wie Seniorenkreisen schwerer zu erreichen sind. Die Evangelische Landeskirche in Baden und das Diakonische Werk Baden haben deshalb mit einer EKD-weit einzigartigen Studie die Grundlagen für eine Neuausrichtung der Arbeit mit und für Ältere gelegt.

Eine vom Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung (zze) der Evangelischen Hochschule Freiburg durchgeführte Befragung ergab, dass viele der mehr als 1.000 Angebote für Ältere in der Landeskirche, den Kirchengemeinden und der Diakonie "Geselligkeit und Glauben" in den Mittelpunkt stellen. "Vom Leitbild des aktiven Alters sind sie weniger geprägt", bilanzierte Professor Thomas Klie vom zze bei der Vorstellung der Studie am Freitag.

In dem großen Angebot, mit dem Kirche und Diakonie in Baden laut Studie derzeit 30.000 Gemeindeglieder erreichen, finden sich aber auch zahlreiche innovative Ansätze. In Randbereichen gebe es eine "neue Vielfalt", erklärte Klie.

Beispiele sind die "Silberstreifen" in Offenburg - eine Plattform, auf der sich Gemeindeglieder im Alter von 55 bis etwa 75 Jahren begegnen, Interessengruppen bilden und Aktionen planen können. Diese Initiative belegte beim Wettbewerb zum Zukunftspreis Evangelisches Ehrenamt im vergangenen Herbst den zweiten Platz. Ein weiteres Projekt, "junge alte" in Karlsruhe-Durlach, bietet ein Bildungsprogramm für "ausgeschlafene Älterwerdende".

"Die Befragung hat gezeigt, dass sich die Angebote für ältere Menschen an Themen, Interessen und Bedarfen orientieren müssen und nicht am Lebensalter", betonte der Bildungsreferent der Landeskirche, Oberkirchenrat Christoph Schneider-Harpprecht. "Die meisten Deutschen bezeichnen sich erst ab 80 Jahren als alt. Wer mit der älteren Generation arbeiten will, muss sich an den einzelnen Menschen und ihren Bedürfnissen ausrichten. Es geht darum, die kirchliche Arbeit mit der älteren Generation 'strategisch' neu auszurichten."

Vorschläge für diese Neuausrichtung wurden am Freitag diskutiert. Im Rahmen des landeskirchlichen Projekts "Generation 59+" werden Konzepte entwickelt, wie die Leiterin der Erwachsenen- und Familienbildung, Kirchenrätin Franziska Gnändinger, erläutert. Ältere Menschen sollten Kirche und Diakonie als so attraktiv erleben, dass sie sich zu einem Engagement ermutigt fühlten. Darin liege eine große Chance.

Der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Baden, Urs Keller, wies darauf hin, dass die Diakonie schon seit langem innovative Konzepte verfolge wie etwa neue Wohnformen (Senioren-WG) oder Älterwerden im Quartier. "Wir reagieren mit unseren Angeboten auch darauf, dass Menschen in unterschiedlichen sozialen Lagen alt werden und bedürftig werden können", unterstrich der Oberkirchenrat. Künftig sollten die Angebote noch stärker miteinander vernetzt werden.

Die Studie zeigt zudem, dass Haupt- und Ehrenamtliche die vielfältigen Angebote für Ältere oft gemeinsam gestalten. Die hauptamtlichen Akteure in Kirche und Diakonie haben überwiegend positiv besetzte Altersbilder. "Kirche bietet damit gute Voraussetzungen für einen differenzierten und wertschätzenden Umgang mit dem Thema Alter und Älterwerden", erklärte Klie.


Uwe Gepp - Juli 2010 bis Dezember 2013 CVD im ZfK