BGH-Urteil zu Embryonenschutz problematisch

(06.07.2010). Die Evangelische Landeskirche in Baden hat das Urteil des Bundesgerichtshofs zum Embryonenschutz als "ausgesprochen problematisch" bezeichnet. Oberkirchenrat Matthias Kreplin erklärte zu der BGH-Entscheidung, Gentests an Embryonen bei Voruntersuchungen zur Erkennung von Gendefekten zu erlauben: "Die Präimplantationsdiagnostik verfolgt als primäres Ziel die Selektion ungewünschten Lebens. Hier wird menschliches Leben nicht um seiner selbst willen, sondern nur unter Vorbehalt des Bestehens der Qualitätskontrolle gewollt und erzeugt. Dies ist jedoch ein klarer Verstoß gegen die Menschenwürde. "

Der Rat der Evangelischen Kirche (EKD)  hatte 2003 seine Ablehnung gegen die Präimplantationsdiagnostik (PID) bekräftigt. Der damalige Ratsvorsitzende Manfred Kock kritisierte: "Die PID beruht auf Verbrauch und Vernichtung menschlicher Embryonen. Die Würde des menschlichen Lebens verbietet es jedoch, dass es bloß als Material und Mittel zu anderen Zwecken genutzt und – erst recht – gar nur erzeugt wird."

Mit Blick auf die Erfahrungen mit der Pränataldiagnostik befürchten die Kirchen einen Dammbruch. Wenn die Präimplantationsdiagnostik erst einmal zugelassen würde, bliebe sie nicht auf einen engen Anwendungsbereich beschränkt. Sie würde dann nicht nur zur Vermeidung schwerster Behinderungen, sondern auch zur Herbeiführung gewünschter Eigenschaften eingesetzt, warnte die EKD.


Marc Witzenbacher - Referent der Evangelischen Kirche in Deutschland und Referent für Öffentlichkeitsarbeit in der ACK