Historiker Martin Ruch erhält Hermann-Maas-Medaille in Gengenbach

Laudatio des Landesbischofs

Quelle: privat
Der Historiker Martin Ruch erhält die Hermann-Maas-Medaille
Gengenbach/Karlsruhe, (21.01.2019). Die Gengenbacher Hermann-Maas-Medaille geht im Jahr 2019 an den Historiker Martin Ruch aus Willstätt. Die Medaille wird am Sonntag, 27. Januar 2019, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, um 17 Uhr in der evangelischen Kirche in Gengenbach verliehen. Die Laudatio hält der Landesbischof der evangelischen Landeskirche in Baden, Jochen Cornelius-Bundschuh. Schülerinnen und Schüler der Klasse 9a des Martha-Schanzenbach-Gymnasiums werden unter der Leitung von Andreas Liebl in einem Anspiel einige Schicksale deportierter Gengenbacher Juden verdeutlichen.
 

Die evangelische Kirchengemeinde Gengenbach würdige mit dieser Auszeichnung die Wirkung der historischen Arbeit des Willstätters Ruch für Versöhnung und Verständigung insbesondere zwischen Juden und Christen. Nur wenige hätten es damals unter dem Nationalsozialismus gewagt, aufrecht zu gehen und für die Menschenwürde einzutreten, so wie Hermann Maas, erinnert Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh. „Das Gedenken an die Opfer und an diejenigen, die sich getraut haben ihnen beizustehen, macht uns heute Mut, aufrecht zu gehen und dort zu widerstehen, wo anderen ihre Würde bestritten wird“, so der Landesbischof. Dazu trage der Preisträger mit Forschen und Schreiben und mit seinem Engagement bei.

„Unermüdlich und mit großer Sorgfalt recherchiert Dr. Martin Ruch über das jüdische Leben in der Region und sichert die Berichte der letzten Zeitzeugen aus der Zeit des Nazi-Regimes“, erläutert Moritz Martiny, der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, die Entscheidung der Jury. In ihr sind sieben Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde Gengenbach, einer der katholischen Kirchengemeinde, der Stadt sowie der landeskirchliche Beauftragte für das christlich-jüdische Gespräch und die beiden Bezirksbeauftragten für Ökumene und christlich-jüdisches Gespräch versammelt.

Mit der Verleihung der Medaille an den Historiker betone die Jury die Bedeutung der Arbeit des Gedenkens, die „ohne die mühsame und oft langwierige Arbeit der Quellensicherung und der Befragung von Zeitzeugen kaum gelingen kann“, so Martiny. Die lokalen und regionalen Schicksale, die Geschichte und Geschichten zu erfassen, zu sichern und wissenschaftlich aufzubereiten, schaffe erst die Grundlage für das Gedenken und trage Früchte, auch unter jungen Menschen. So hat eine 9. Klasse des Gengenbacher Martha-Schanzenbach-Gymnasiums auf Grundlage des Buches „700 Jahre Geschichte der Juden in Gengenbach 1308-2008“ von Martin Ruch intensiv zu den Schicksalen der deportierten Gengenbacher Juden gearbeitet. Mit Hilfe der Biographien aus der eigenen Heimatstadt hätten die Jugendlichen eine persönliche Beziehung zu den Opfern aufbauen können, erläutert der Gengenbacher Pfarrer. Darum sehe die Jury der Hermann-Maas-Medaille in Martin Ruch einen Preisträger, der sich mit seinem Einsatz auch ganz aktuell für die Versöhnung und Verständigung zwischen Religionen und Völkern verdient gemacht habe.

Mit der Verleihung einer Medaille in Erinnerung an Prälat Hermann Maas würdigt die Evangelische Kirchengemeinde Gengenbach seit 1994 das Wirken von Einzelpersonen, Gruppen oder Institutionen, die sich im Sinne von Hermann Maas in einem ökumenischen Geist um den Dienst am Nächsten und um Verständigung und Versöhnung zwischen Religionen und Völkern – insbesondere zwischen Deutschen und Israelis beziehungsweise Juden und Christen verdienst gemacht haben. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird alle vier Jahre in Kooperation mit der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Hermann-Maas-Stiftung in Heidelberg verliehen.

Hermann Maas wurde 1877 als Sohn des damaligen evangelischen Pfarrers in Gengenbach geboren. Als einer der Pioniere der ökumenischen Bewegung hat sich Maas seit 1913 für den Frieden zwischen Religionen und Völkern eingesetzt. In seiner Zeit als Pfarrer an der Heiliggeist-Kirche in Heidelberg wurde er zwischen 1933 und 1945 unter großem persönlichen Einsatz zum Helfer und Retter für zahllose Juden. Dafür wurde er 1950 als erster Deutscher nach dem Krieg vom Staat Israel eingeladen. Bis zu seinem Tod 1970 engagierte er sich in seiner theologischen Arbeit für die Versöhnung zwischen Juden und Christen. In der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem erinnert der erste Baum in der „Allee der Gerechten“ an das mutige Eintreten des badischen Pfarrers für die Menschlichkeit. 1988 benannte die evangelische Kirchengemeinde seiner Geburtsstadt ihr Gemeindezentrum nach Hermann Maas.

Die diesjährige Verleihung der Medaille wird musikalisch von Felix Bauert und Dominik Bökenkamp umrahmt, die als Jugendliche bei der Gengenbacher Musikschule ausgebildet wurden und 2014 als Teil des Saxophonquartetts „Sax4Sound“ gestartet den ersten Preis beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Braunschweig erhielten.

 
Doris Banzhaf - Chefin vom Dienst im Zentrum für Kommunikation (ZfK) der Landeskirche
 

 

 
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