Die Bergkirche in Kadelburg

Ein geschichtlich geprägter Ort

Quelle: Ulli Naefken / uLNaSTUDIOS.com
Seit der Reformation ist Kadelburg evangelisch. Durch die enge Bindung an die über dem Rhein gelegene reformierte Gemeinde Zurzach kann sich Kadelburg frei für die Reformation entscheiden. Unter dem Schutz der Schweizer ist es möglich, sich gegen die katholischen Landesherren am Hochrhein als evangelische Enklave zu behaupten. Für fast 300 Jahre bleibt Kadelburg die einzige evangelische Gemeinde am Hochrhein.
 
Gegen Mitte des 19 Jahrhunderts entsendet der Großherzog von Baden Beamte in die Region. Amtmänner, Richter und ebenso Ärzte und Apotheker kommen in die Region. Viele der Familien sind evangelisch. Durch den Zuzug entstehen neue evangelische Gemeinden rund um Waldshut. Als erste - und somit älteste Kirche am Hochrhein - wird am 9. September 1832 die Bergkirche feierlich eingeweiht.
 

Bergkirche

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Die Bergkirche ist ein geschichtlich geprägter Ort. Sie ist ein offener Raum der Begegnung, in Gottesdiensten und darüber hinaus: Offen für die Fragen der Gäste nach Lebenssinn, offen für Künstlerinnen und Musiker und ihre Werke, offen für kulturelle Veranstaltungen unterschiedlichster Art.
 
Die Bergkirche ist für viele Gemeindeglieder ein besonderer Ort ihres Lebens. Hier wurden sie nicht nur getauft oder konfirmiert, viele haben auch in der Bergkirche geheiratet. Da die Kirche direkt am Friedhof liegt, finden auch hier Trauerfeiern für verstorbene Gemeindeglieder statt. Dies macht die Bergkirche zu einem Ort des Lebens - mit all seinen Facetten.
 

Altarraum

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Der Altarraum hat über die Jahrzehnte viele Veränderungen durchlebt. Seine jetzige quadratische Gestalt orientiert sich am ursprünglichen Bau und erhielt er im Rahmen einer umfassenden Renovierung im Jahr 2001. Die Mitte des Quadrats bildet der Altar mit der offenen Bibel. Um ihn wird nicht nur das Abendmahl gefeiert, sondern auch - in Anlegung an die reformierte Tradition - die Taufe. Der Altar ist an drei Seiten von Stühlen umgeben und so in die Mitte der Gemeinde gerückt. Er nimmt symbolisch das Jesuswort aus dem Matthäus-Evangelium auf: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“
 
In der Bergkirche befindet sich keine Kanzel mehr. Neben dem Altar steht zum Verkündigen des Evangeliums nun ein Redepult. Die reformatorische Erkenntnis vom Priestertum aller Glaubenden wird damit unterstrichen. Die Predigerin / der Prediger steht somit nicht auf einer erhöhten Kanzel, sondern ist mit der Gemeinde auf Augenhöhe.
 

Altarbild "Lebenslinien"

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Das große Altarbild fängt den Blick jeden Besuchers in dieser Kirche ein. Ruhig wirkt es, leicht, dahin geschwungene Linien, sattes Purpur - oder ist es Pink - oder Magenta?
 
Jugendliche erkennen auf den ersten Blick ein Handy. Der direkte Draht zu Gott. Wie wenn einer sagt: „ Setz Dich hin, nimm Kontakt auf.“ In Psalm 50 heißt es: „Ruf mich an in der Not so will ich dich erretten!“
 
Mancher Erwachsener sieht einen Embryo, die Menschwerdung als Thema des Kunstwerks. Der Künstler, Bernd Salfner, war Kinderarzt. Er meint zu seinem Werk: „Diese Farbe ist die erste Farbe, mit der wir als Menschen in Kontakt kommen; die Farbe im Mutterleib. Die Linie habe ich aus meinem Inneren heraus gemalt.“
 
Viele können ihr Leben in dieser Linie erkennen. Sie ähnelt unseren Lebenswegen, steht für das Leben selbst. Der Schimmer an den Seiten weist daraufhin, dass über dem - woher wir kommen und wohin wir gehen - ein Schleier liegt; verbunden mit Ahnungen, Hoffnung, Vertrauen, Glauben. Die Linie selbst verläuft nicht immer gerade, nimmt überraschende Biegungen und Wendungen und manchmal geht es auch rückwärts oder im Kreis. Das sind wir. Und so wie wir sind, stehen wir vor Gott.
 
Wir hoffen und vertrauen darauf, dass er uns einhüllt in sein Erbarmen. Erbarmen heißt hebräisch Rachamim - das kommt vom Wort „Mutterleib“. Man kann das Bild als Taufbild sehen. Ob am Anfang des Lebens, ganz klein, oder irgendwo in der Mitte auf dem Weg, ob in einer Sackgasse steckend oder die letzte Strecke in den Blick nehmend - Gott spricht uns sein Erbarmen zu. Er segnet uns und traut uns zu, dass wir anderen am Wegesrand zum Segen werden.
 

Kerze anzünden

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Es steht oder hängt kein Kreuz im Altarraum. Etwas Abseits unter einer Seitenempore finden sie eins. Zwischen den Streben kann man einen schmalen hellen Streifen erkennen. Die weiße Wand scheint durch das Kreuz. Das dunkle Kreuz wird so durchbrochen von etwas, das die Dunkelheit des Todes stört. Es entsteht ein Kontrast von hell und dunkel - von Leben und Tod.
 
Dieses Kreuz ist ein Auferstehungskreuz und kein Kruzifix. Das Kreuz ist leer: Der gekreuzigte Jesus hängt nicht mehr am Kreuz, sondern hat den Tod überwunden. Mit diesem Kreuz soll uns Lebenden die Angst vor dem genommen werden, was da irgendwann einmal auf uns zukommen mag.
Direkt unter dem Kreuz haben Sie die Möglichkeit, eine Kerze anzünden. Das Licht steht für das Leben und die Zusage Jesus: „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wir das Licht des Lebens haben.“ Jesus, das Licht der Welt, triumphiert über die Dunkelheit.
 
Meist zünden wir in Gotteshäusern eine Kerze für einen verstorbenen Angehörigen an. Auch Sie haben die Möglichkeit dies jetzt gleich zu tun: Nehmen Sie sich eine Kerze, zünden Sie diese an, stellen Sie sie neben eine andere brennende Kerze und halten Sie kurz inne. Wenn Sie möchten, können Sie ein kurzes Gebet sprechen. Setzen Sie mit einer Kerze ein lichtstarkes Zeichen gegen die Dunkelheit des Todes.
 

Wer bin ich?

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Direkt neben dem Kreuz und den Kerzen steht eine Figur. Sie stammt vom Holzbildhauer Gunter Schmidt-Riedig aus Blönried am Bodensee. Gunter Schmidt-Riedig verwandelt Holz in Figuren. Seine Figuren sind versunken in nachdenkliche Stille. Und sie laden die Betrachterin / den Betrachter ein, selbst innezuhalten. Viele seiner über 100 Figuren haben in Kirchen eine Bleibe gefunden. Erst im 50. Lebensjahr hat der gelernte Modelltischler mit den Kunstwerken begonnen. Eine seiner Holzfiguren steht seit einigen Jahren hier in der Kadelburger Bergkirche.
 
Wenn Sie sich die Figur ganz genau anschauen, wen erkennen Sie in dieser Figur? Wer ist dieser Mann, der ins Gebet versunken ist? Wie nah trauen Sie sich an ihn heran, bis sich in Ihnen das Gefühl der Ruhestörerin / des Ruhestörers breit macht? Wenn er jetzt plötzlich seine Augen öffnen würde, würde er Sie dann erwartungsvoll anschauen? Wen würde er vor sich sehen? Was würde er in ihren Augen erkennen? Über was würden Sie mit ihm ins Gespräch kommen? Wie würden Sie sich von ihm verabschieden?
 
Kirchen sind Räume der Begegnung. Wer eine Kirche aufsucht und offen ist, die Atmosphäre darin zu spüren, macht sich frei für unerwartete Begegnungen. Hierzu muss man lediglich seine Augen öffnen und mit allen Sinnen angekommen sein.
 

Glocken

 
(Ulli Naefken)
 
 
 
 
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Quelle: ekd_kirchen-app.de

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