Die Petruskirche in Kattenhorn

Auf der Halbinsel Höri

Quelle: Ulli Naefken / uLNaSTUDIOS.com
Mitten in der kargen Nachkriegszeit hatten evangelische Christinnen und Christen rund um Kattenhorn auf der Halbinsel Höri einen Traum: Sie wollten sich eine eigene Kirche bauen.
 
Vor allem Flüchtlinge und Vertriebene waren es, welche in der evangelischen Kirchengemeinde auf der Höri einen Neuanfang versuchten. Otto Dix wurde beauftragt, die Glasfenster der Petruskirche zu gestalten. Auch er hatte sich hierher zurückgezogen und kannte somit die Situation der, die ihn beauftragten.
 
Wie ein Fischer früh morgens auf dem Bodensee besuchen Menschen die Petruskirche, um etwas Stille einzufangen. Und etwas zu finden, dass ihnen im Alltag Halt und Orientierung gibt. Die Netze mit ihren Sorgen und Ängsten werden im Gebet ausgeworfen. Gott nimmt sich den Netzen mit der gefühlten Leere an und füllt sie mit neuer Zuversicht.
 

Eingangstür

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Den Eingang zur Petruskirche zieren zwei Fischgriffe. Der Fisch war das Erkennungszeichen der ersten Christen. Eine mächtige Pranke soll der Schlosser aus Wangen, der die beiden Fischgriffe fertigte, gehabt haben. Und somit sind sie etwas großartig ausgefallen. Treten auch Sie ein und ?schen Sie nach dem, was Ihr Leben stärkt.
 

In der Kirche

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Viele Künstler „entarteter Kunst“ lassen sich während der Zeit des Nationalsozialismus auf der Höri nieder, um gegebenenfalls in die nahe Schweiz ?üchten zu können. Unter ihnen Otto Dix. 1933 beenden die Nazis seine Hochschullaufbahn als Professor an der Kunstakademie Dresden und seine Mitgliedschaft in der Akademie der Künste. Seine Bilder werden aus den Ausstellungen entfernt, teilweise sogar verbrannt. 1936 lässt er sich in Hemmenhofen auf der Höri nieder und wendet sich u.a. religiösen Themen zu.
 
In den Nachkriegsjahren besucht ihn hin und wieder Pfarrer Dr. Sick. Dieser erzählt ihm bei einem Besuch von den geplanten Kirchenfenstern in der neuen Kirche. Otto Dix reicht auf Nachfrage von Pfarrer Dr. Sick schließlich einen Entwurf ein. Alle eingereichten Entwürfe werden ohne Namen an einer Wand aufgehängt und mit Nummern versehen. Die Jury-Mitglieder schreiben die Nummer ihrer Wahl auf einen Zettel und werfen ihn in eine Schachtel. Mit überwältigender Mehrheit wird der Entwurf von Otto Dix gewählt.
 

Glasfenster - Petrus und der Hahn

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Viele von Jesu Jünger sind Fischer am See Genezareth. Simon Petrus ist einer von ihnen. Er gehört zu den ersten Jüngern Jesu. Aus Petrus dem Fischer einen Fels zu machen, das kostet Jesus viel Geduld. Petrus macht Fehler. Er ist ein Mann, der mit Schwächen und Ängsten ausgestattet ist – wie jede und jeder von uns. Er macht Fehler, nur so kann sein Gottvertrauen stetig wachsen.
 
Die erste Szene, die Dix darstellt, ist dem 26. Kapitel des Matthäus-Evangeliums entnommen. Es ist die Geschichte, in der Petrus - ehe der Hahn kräht - Jesus dreimal verleugnet. Zunächst fallen die Proportionen des Bildes auf: Der riesige Hahn und der am Boden liegende Petrus. Die Proportionen entsprechen den Machtverhältnissen. Etwas, was eigentlich nur hörbar ist, hat Dix sichtbar gemacht. Der Hahn schreit Petrus nieder und ruft in ihn Gewissensbisse hervor. Petrus hält sich die Ohren zu. Die Selbstvorwürfe in ihm werden stärker. Er ist verzweifelt - über sich selbst. Dreimal hat er seinen Herren verleugnet, dreimal die Beziehung aufgekündigt.
 
Kennen auch Sie diese Momente, in der man sich am Liebsten hinter einer Mauer verstecken möchte? Gott hat Geduld mit uns und spricht uns frei. So brauchen wir uns nicht in der Schuld verlieren.
 

Glasfenster - Der Auferstandene und Petrus

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Da stehen sie nun - Christus, der Auferstandene, und neben ihm Simon Petrus. Jesus fasst Petrus an der Hand. Der, der eben noch auf dem Boden lag, vor Scham und Schuldbewusstsein im Erdboden versinken wollte, wird von Jesus aufgerichtet. Der Leugner wird an die Hand genommen. Das Verstecken hat ein Ende, denn der Gekreuzigte und Auferstandene richtet auf.
 
Dennoch hat die Geschichte aus dem 21. Kapitel des Johannes-Evangeliums etwas Merkwürdiges. Auch diesmal fragt der Herr Petrus dreimal dasselbe: „Hast Du mich lieb?“. Und Petrus bejaht dreimal dieselbe Frage. Damit ist die dreimalige Verleugnung aufgehoben. Petrus bekennt sich zu seinem Herrn. Der vorher am Boden Liegende steht jetzt neben Jesus auf gleicher Höhe. Mit der einen Hand stützt Jesus seinen Jünger, mit der anderen weist er ihn auf das Lamm hin - verbunden mit der Berufung Petrus in das Hirtenamt als Nachfolger Jesu und dem Auftrag, sich um die Schafe des Herrn zu kümmern.
 
Jesus hat weiterhin sehr viel Vertrauen in Petrus und seine Fähigkeiten. Er gibt ihn nicht voreilig auf, sondern betraut ihn mit dem, was ihm am Wichtigsten ist. Er gibt Petrus eine neue Chance. Und Petrus spürt, dass er seinen Herr weiterhin an seiner Seite hat. Es scheint als hätte Petrus diese Lektion gebraucht. Nur so konnte sein Glauben reifen. Nur so konnte aus Simon dem Fischer, Petrus der Fels werden.
 

Glasfenster - Die Berufung des Petrus

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In der Szene ist die Berufung des Fischers Petrus zum Jünger dargestellt. Erstaunlich ist, dass die Geschichte aus dem Evangelium und das Bild nicht übereinstimmen. Es ist nicht Petrus, der hier in der Petruskirche das Netz in den Händen hält. Es ist Jesus. Davon, dass Jesus ein Fischernetz gezogen hätte, steht in der Bibel nichts. Wohl aber davon, dass Jesus Petrus zu einem „Menschen?scher“ beruft. Zu jemandem, der Menschen mit in das Boot der Christengemeinde zieht. So sieht man im Glasfenster die Hände Petrus, die am Netz ziehen. Es ist aber der Kopf Jesu, also der Geist Christi, mit und durch den das geschieht. Otto Dix hat auch auf diesem Glasbild den wesentlichen Inhalt der Geschichte erfasst und diesem „inneren“ Vorgang äußere Gestalt gegeben.
 
Direkt vor dem Fenster steht das Taufbecken. Durch die Taufe werden Menschen in das Netz Gottes aufgenommen. Das Fischernetz ist nach vorne hin - in die Kirche hinein - offen. So umschließt das Netz nicht nur den Täu?ing, sondern die gesamte Gottesdienstgemeinde.
 
Wenn Sie sich das Glasfenster einmal im Querformat anschauen, werden Sie einen großen Fisch entdecken. Jesus Christus, Petrus und alle Fische im Netz bilden gemeinsam diesen Fisch.
 
Dix hält mit seinen drei Bildern eine einfache aber klare und kräftige Predigt: Der Mensch, der versagt und schuldig wird, sich aber von Jesus bei der Hand nehmen und aufheben lässt, der bildet mit anderen solchen Menschen und Jesus Christus zusammen einen großen Körper, eine Gemeinschaft - die Kirche.
 

Glocken

 
(Ulli Naefken)
 
 
 
 
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