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Wirkungen deutscher Waffenexporte auf Krisengebiete

Bericht von der Podiumsdiskussion
Der Gesprächskreis Frieden der Kirchengemeinde Kollnau lud zu einer Podiumsdiskussion ins Evangelische Gemeindehaus Kollnau ein. Lesen Sie den Bericht "Wunsch nach mehr ziviler Konfliktbearbeitung" der Badischen Zeitung über den Vortrag von EKiBa-Mitarbeiter Kiflemariam Gebreworld: hier
Disclaimer:
Badische Zeitung, Emmendinger Ausgabe, veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der BZ am Freitag, 06. Mai 2016.
 

Pilgerweg für Klimagerechtigkeit

Im Rahmen des ökumenischen Pilgerwegs für Klimagerechtigkeit hat sich eine Delegation von Kirchenleitenden und "Klimazeugen" auf den Weg zur Klimakonferenz nach Paris gemacht.
Eindrücke gibt der folgende Film wieder:
 
 
Lesen Sie auch die Pressemeldung:
 
 
und die Predigt von Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh:
 
 
 

Blog aus Genf

Quelle: Microsoft Word - ClipArt
Quelle: Johannes Minkus / Evangelische Landeskirche Bayern
Fototermin nach der Wahl in den Zentralausschuss am 6.11.2013
DER NEUE ZENTRALAUSSCHUSS DES ÖKUMENISCHEN RATES DER KIRCHEN TAGTE AB 2.7.2014 IN GENF.
 
Die Delegierte Anne Heitmann berichtet.
 
 
 
Die Delegierten der EKD bei der 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Busan:
v.l.n.r.: Schulamit Kriener, Pfarrerin Anne Heitmann, Bischöfin Petra Bosse-Huber, Judith Königsdörfer, Bischof Martin Hein

Mittwoch, 2. Juli 2014

Quelle: Peter Williams WCC

Beim Eröffnungsgottesdienst werden Kerzen angezündet zum Gedenken an Menschen, die der ökumenischen Bewegung eng verbunden waren.

Quelle: Peter Williams WCC

Generalsekretär Dr. Olav Fykse Tveit (Norwegen) und Moderatorin Dr. Agnes Aboum (Kenia)

150 Menschen aus gefühlt 100 verschiedenen Ländern in einem Raum, das klingt nach Pfingsten – zumindest wenn alle gleichzeitig das Vaterunser beten.

Mit einem Gottesdienst in der Kapelle des „ökumenischen Zentrums“ in Genf begann die Sitzung des Zentralausschusses – dem Gremium, das zwischen den Vollversammlungen des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) über die Arbeit berät und entscheidet. Die große Mehrheit der Delegierten ist neu in diesem Gremium – und dennoch kommen mir viele Gesichter bekannt vor. Ja, wir waren alle in Busan bei der Vollversamm-lung und diese gemeinsame Geschichte ist ein guter Anknüpfungspunkt: Wie soll es jetzt weiter gehen, mit dem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens, zu dem die Vollversammlung aufgerufen hat? Darum wird es gehen, wenn in den nächsten Tagen das strategische Konzept für die Arbeit des ÖRK der nächsten Jahre auf den Weg gebracht werden soll.

Beim Gottesdienst in der Kapelle des Ökumenischen Zentrums in Genf wird aber auch deutlich, dass dieser Ort auch für einen viel längeren ökumenischen Weg steht. Nicht nur mich berührt es, als die beiden „Jugenddelegierten“ aus Deutschland, Judith Königsdörfer und Schulamit Kriener eine lange Liste von Namen verlesen: Namen von Menschen, die mit dem ÖRK eng verbunden waren und seit der letzten Sitzung verstorben sind. Für jeden und jede zündet ein Steward eine Kerze an. Oft fremde Namen, aber auch Vertraute – Emilio Castro, Ulrich Kühn und Karl Ernst Nipkow.

Später, im Plenarsaal, schaut Dr. Agnes Aboum, die Moderatorin, nach vorne. Die ökumenische Bewegung ist für sie ein großer Schatz, eine Gabe, ein Raum für eine neue, prophetische Spiritualität – angesichts von Armut, schwachen Regierungen und Bürgerkriegen. Ein Raum vor allem aber, zu dem auch die junge Generation Zugang haben müsse und den sie mitgestalten soll.

Für Generalsekretär Olaf Fykse-Tveit kann der “Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“ helfen über unsere eigenen Grenzen hinauszugehen, das Kreisen um uns selbst in unserem persönlichen Leben oder in unseren Kirchen zu überwinden und einzutreten in die Mission Gottes in dieser Welt.“ Und dann erzählt er konkret vom Einsatz des ÖRK für Friedensbemühungen in Sudan, im Kongo, in Syrien, auf der koreanischen Halbinsel.

In der Pause komme ich mit Frau Roma Ann Nisha aus Nordindien ins Gespräch. Sie arbeitet für ihre Kirche an der Grenze zu Bangladesch und versucht vor allem Frauen und Kinder davor zu bewahren, Menschenhändlern in die Hände zu fallen. „Wir haben von so vielen wichtigen Anliegen gehört“, meint sie. „Wir in Indien kämpfen vor allem mit der großen Ungleichheit zwischen arm und reich und der Menschenwürde für Frauen und Kinder – aber das kam hier noch gar nicht vor.“…
Kann man bei so vielen schwerwiegenden Problemen in den Kirchen weltweit Prioritäten setzen? Das wird vielleicht die schwierigste Aufgabe in den nächsten Tagen sein.

Freitag, 4. Juli 2014

Quelle: Peter Williams WCC
Fürbitte für die Schöpfung
Quelle: Peter Williams WCC

Eine bunte Gruppe: der Zentralausschuss mit seinen 150 Mitgliedern

Beim Morgengebet werden Kerzen angezündet:

Eine Kerze für alle, die vom Klimawandel betroffen sind: Für die Inuit in der Arktis, für die Gemeinschaften auf den Pazifischen Inseln, für Völker in Afrika, die Aufgrund von Dürre aus ihrer Heimat vertrieben werden. Eine Kerze für Einsichten, die Veränderungen bewirken können, eine Kerze für die Bereitschaft zum Handeln.

All das ist präsent im anschließenden Plenum zum Thema Klimagerech-tigkeit. Die großen Aktionen, so scheint es, liegen fest in der Hand des „Nordens“. Als Menschenrechtsfrage geht eine englische Initiative die Problematik an: Es geht um das Recht auf Leben, auf Nahrung, Wohnung, Gesundheit und Wasser. Eine der weitreichendsten Folgen ist, dass viele Menschen durch Überschwemmungen und Dürre vertrieben werden – mehr als 30 Millionen Menschen in einem Jahr. Den Ausdruck „Klimaflüchtlinge“ kennt das internationale Recht aber noch nicht. Und die Betroffenen? Auch Bischöfin Sofie Petersen, die in Grönland aufge-wachsen ist und heute auch dort arbeitet, kann lange über die Hinter-gründe des Klimawandels reden. Lieber aber erzählt sie davon, was das alles für ihre Gemeinden bedeutet: Gerade haben sie beispielsweise wieder zwei Kirchen aufgeben müssen, deren Fundamente wegbrechen, weil der Permafrost auftaucht. Viele ihrer Gemeindeglieder sind Fischer, deren Arbeit durch die Wetterextreme viel gefährlicher geworden ist. Auch dass die Lebensräume der Tiere verloren gehen, betrifft alle: „Eisbären kommen in Städte und bewohnte Gebiete auf der Suche nach Nahrung.“ Hier in Genf tauscht sie sich mit anderen Betroffenen aus: Aus Kanada und Alaska kommen die gleichen Erfahrungen. Ein Delegierter aus Sri Lanka merkt an: „Wir haben ständig Katastrophen: Tsunami, Überflutungen, Stürme; es ist Alltag. Die Betroffenen Gruppen und Gemeinden entwickeln Strategien mit den Folgen umzugehen, erhalten aber kaum Unterstützung von ihren Regierungen.“ Und dann: „Wir müssen Gott um Vergebung bitten.“ Ich frage mich, wer dieses „wir“ ist.

Wie das Thema Eingang in die Arbeit des ÖRK finden wird, muss nun der Programmausschuss formulieren. Schon gestern hat die Arbeit in den Ausschüssen begonnen. Am Nachmittag im Ausschuss für Grundsatzfragen stehen „Mitgliedschaftsangelegenheiten“ auf dem Programm. Es ist spannend, den Vertretern der Kirchen zuzuhören, die um Aufnahme in den ÖRK bitten. Besonders bewegend sind die Beratungen über die Wiederaufnahme der niederländisch reformierten Kirche in Südafrika, die in der Apartheidzeit mit dem ÖRK gebrochen hatte. Doch davon später mehr.

Samstag, 5. Juli 2014

Quelle: Annegret Kapp WCC

Beim gemeinsamen Abendessen der Frauen bekommt Moderatorin Dr. Agnes Aboum aus Kenia einen Schal aus Indien überreicht. Sie ist die erste Frau an der Spitze des Zentralauschusses.  

Quelle: Annegret Kapp WCC

Rev. Dr Mele’ana Puloka, Free Wesleyan Church of Tonga, ist Präsidentin des Weltkirchenrats für die pazifische Region. Sie fasst in wenigen Worten zusammen, was für die Menschen in Tonga wichtig ist: Essen, Beten, Rugby, Schule - in dieser Reihenfolge, wie sie betont.

Leider hat es in der thematischen Plenumssitzung auch heute nicht funktioniert, das Thema „economy of life“ zu verbinden mit den Fragen des Klimawandels und der Konflikte, die an den Vortagen verhandelt wurden.

Dann wurden die ersten Berichte aus den Kommissionen vorgetragen. Ein Motiv, das sich durchzieht ist die „Pilgrimage of Justice and Peace“ – auch wenn deutlich zu spüren ist, wie unterschiedlich Konzepte und Vorstel-lungen sind. Viele Dokumente – unter anderem die „Erklärung über eine nuklearfreie Welt“ werden noch einmal in die Ausschüsse verwiesen, um Änderungen vorzunehmen.

Lebendig wird es abends beim „women‘s dinner“ – die vielen Frauen, die es in den Leitungsgremien inzwischen gibt, berichten bewegend. Es wird etwas vom „Erbe“ der ökumenischen Mütter sichtbar, die dazu beigetragen haben, dass die Türen für jüngere Frauen heute an vielen Stellen offen stehen.

Sonntag, 6. Juli 2014

Quelle: Anne Heitmann

"Auf dem Pilgerweg"

            
Quelle: Anne Heitmann

Pause am Wegesrand - auch die "Stewards", die für einen reibungslosen Ablauf der Tagung sorgen, sind mit unterwegs.

 
Durch Sonnenblumenfelder und schmale Waldpfade führt der Weg von der alten Abtei Bonmont zum Ökumenischen Institut in Bossey – einer Station auf dem Jakobsweg. Es tut gut, einfach mal wieder draußen zu sein und miteinander unterwegs. Die Temperaturen sind durchaus tropisch, die Gespräche dafür erfrischend. Von Dr. Fransina Yoteni aus der Christlichen Kirche in Tanah Papua erfahre ich eine Menge über die bedrückende Situation in Westpapua. Sie hofft darauf, dass wir im Zentralausschuss am Montag noch eine Erklärung dazu verabschieden. Sie erzählt mir aber auch von ihrer Arbeit als Dozentin für „Religionspädagogik“ – und die Bedeutung des Heidelberger Katechismus für ihre Kirche und wie sie ihn für ihren Kontext umzusetzen versuchen. Ich kann sie neugierig machen auf das ökumenische Ausbildungsprogramm, das Bossey anbietet. Der Park vom Chateau de Bossey ist an diesem Nachmittag der ideale Rahmen um einfach das zu tun, was auf dem Programm steht: „Enjoy being together“ und den Tag mit einem „Gebet im Grünen“ abzuschließen.
 
 

Montag, 7. Juli 2014

Quelle: Anne Heitmann

Gespräch zwischen den Genera-
tionen: Metropolit Prof. Dr Bishoy of Damietta im Gespräch mit Stewards

Die Sitzungstage gehen in die letzte Runde. Ausschussberichte werden entge-gengenommen. Es ist gar nicht so einfach, immer gleich das richtige Dokument aus dem Papierstapel zu fischen, um mitdenken zu können. Dennoch: Beschlüsse sind gereift. Mehrfach zeigt sich an diesem Tag, dass beim gemeinsamen Arbeiten an den Papieren unterschiedliche Positionen zusammenkommen können. Aller-dings funktioniert das nur durch eine große Bereitschaft der Ausschussmitglieder in Extrasitzungen und Nachtarbeit, immer wieder Anregungen aufzunehmen. Eine „Einladung zum Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“ wird entgegen-genommen. Und nach einem längeren Beratungsprozess wird auch die in Busan vertagte Erklärung zu einer „nuklearfreien Welt“ verabschiedet.

Große Diskussionen gibt es immer, wenn es um die Besetzung von Ausschüssen geht - um Repräsentanz und Teilhabe innerhalb der Strukturen des ÖRK. Manch-mal werde ich den Verdacht nicht los, dass es noch um anderes geht als um die schlichte Frage, wer eine Kirche in der „Kommission für Glaube und Kirchenver-fassung“ oder in der „Kommission für Weltmission und Evangelisation“ vertreten wird. Ein weiteres Problem ist, dass es viel zu wenige Nominierungen von Ju-genddelegierten (bis 30 Jahre) für diese kontinuierliche Arbeit gibt. Die ange-strebten „Quoten“, die bei weitem nicht erreicht werden, machen das wenigstens sichtbar. Ein Weg zu wirklicher Partizipation ist so aber noch nicht gefunden.

Und dann sind da die Momente, in denen es ganz still im Saal wird: Zur Diskussion steht eine Erklärung zur Menschen-rechtslage in Eritrea. Immer wieder werden Geistliche verhaftet. Der orthodoxe Patriarch steht seit Jahren unter Hausarrest. Informationen sind schwer zu bekommen. Soll also die Beschlussfassung auf den Exekutivausschuss vertagt werden? Da steht der koptische Metropolit Prof. Bishoy aus Ägypten auf. Der alte Mann hält eine Erklärung der römisch-katholischen eritreischen Bischofskonferenz vom Mai in der Hand. Die Bischöfe haben öffentlich auf die Menschen-rechtsverletzungen aufmerksam gemacht und sich damit selbst in Gefahr begeben. Sie brauchen jetzt auch die Soli-darität der in Genf versammelten Kirchenleute. Ein junger äthiopischer Delegierter berichtet von der Situation in den Flüchtlingslagern, in denen er arbeitet. Der Vertreter des „Global Christian Forums“ ergänzt, dass sich in den Gefäng-nissen auch viele evangelische und pentacostale Christen inhaftiert sind. Es fällt das Stichwort von der “ökumenischen Solidarität im Leiden“, das Papst Franziskus geprägt haben soll. Gegen die ursprüngliche Empfehlung beschließt der Zentralausschuss die Erklärung umgehend anzunehmen. Hoffentlich kann diese „ökumenische Solidarität mit den Leidenden“ eine Wirkung entfalten.

Dienstag, 8. Juli 2014

Quelle: Peter Williams WCC
Pilgrimage of Justice and Peace
Quelle: Peter Williams WCC

Dekan Mark MacDonald - Anglikanische Kirche in Kanada bringt seine Erfahrungen als Seelsorger für Angehörige der "First Nations" ein.

Wo wird der Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens Euch und Eure Gemeinden hinführen? Wie werdet ihr eure Pilgerreise voranbringen? Was werden die Ergebnisse sein?

Diese Fragen stehen auf einer Art „Tischset“, die wir am Morgen an unseren Plätzen finden. Bei den Tischgesprächen wird wieder einmal deutlich: Die Antworten werden in den unterschiedlichen Weltgegenden unterschiedlich aussehen, aber wenn die verschiedenen Perspektiven zusammenkommen, ist das für alle eine Bereicherung und Ermutigung.

Für mich besonders eindrücklich erinnert Mark MacDonald noch einmal daran, dass es auch kulturelle Stolpersteine auf dem Weg gibt. Eine „Pilgrimage“, so der kanadische Dekan mit der bunten Kette um den Hals, kann er so in seinen „indigenen“ Gemeinden nicht einbringen. Für seine Gemeindeglieder, die zu den „first nations“ in Nordamerika zählen, sind die „Pilgrims“ unvermeidlich mit den Kolonisatoren verbunden. Für ihn ist ein „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“ ein Weg, wie ihn der Navajo Häuptling „Manuel“ 1867/68 ging. Er entkam, während sein Volk über tausende von Kilometern deportiert wurde. Aber der Entkommene ging seinen versklavten Mitmenschen nach, verhandelte und bekam sie frei. Solche Wege - solidarische Wege mit den leidenden Menschen, mit der verwundeten Schöpfung, sind für ihn die Wege, auf denen ein Vorgeschmack auf Gottes neue Schöpfung aufleuchtet. Für mich hat der „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“ da wieder eine neue, tiefere Kontur bekommen.

Fast am Ende gibt es noch einen fast „historischen“ Moment, der sich am Freitag schon angedeutet hatte: Bei der beschließenden Sitzung wird die niederländisch reformierte Kirche in Südafrika mit Freude wieder in den ökumenischen Rat der Kirchen aufgenommen. Es ist bewegend zu sehen, wie die Vertreter und Vertreterinnen anderer südafrikanischer Kirchen ans Mikrophon gehen und bestätigen, welche fundamentalen Veränderungen diese Kirche in den letzten Jahren durchgemacht hat, wie der Versöhnungsprozess in Gang gekommen ist und welche wichtige Rolle diese Kirche nun für die Ökumene in Südafrika spielt. Solch ein Weg der Umkehr und der Versöhnung gehört sicher auch zur „Pilgrimage of Justice and Peace.“

Grafik der Pilgrimage of Justice and Peace

Auf der Website des ÖRK unter http://www.oikoumene.org/en/central-committee-2014 finden sich schon viele der angesprochenen Dokumente, Nachrichten und Bilder. Einfach mal reinschauen!