Augsburger Bekenntnis (Confessio Augustana)

Quelle: Wikipedia.org /Oktober 2012
Kirchenfenster in der Speyrer Gedächtniskirche

Es wurde von Melanchthon zur Verantwortung vor dem Kaiser auf dem Augsburger Reichstag 1530 unter Verwendung von früheren Bekenntnistexten (Luther: vom Abendmahl Christi, Bekenntnis 1528; Schwabacher, Marburger und Torgauer Artikel) verfasst. Für die Unterzeichner der Konfession brachte jedoch erst der Augsburger Religionsfriede 1555 die reichsrechtliche Anerkennung und die Sicherung der konfessionellen Geschlossenheit ihrer Territorien. Schließlich wurden im Westfälischen Frieden 1648 die Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens auch auf die Reformierten ausgedehnt.

Weil der Kaiser die durch die Reformation aufgebrochene religiöse Frage zunächst auf dem Weg gütlicher Verhandlungen lösen wollte, bemühte sich Melanchthon zu beweisen, dass die Evangelischen keine neue Kirche gründen wollten, sondern auf dem Boden der allgemeinen christlichen Kirche standen. Er arbeitete vor allem das Gemeinsame heraus und ließ das Gegensätzliche zurücktreten. Dabei gelangen ihm im ersten Teil der Konfession klassische Formulierungen (vor allem Artikel IV bis X: Rechtfertigung, Predigtamt, neuer Gehorsam, Kirche, Taufe, Abendmahl), die bis heute das evangelische Selbstverständnis gültig und fassbar ausdrücken.

Auf die Betonung des Gemeinsamen folgen im zweiten Teil sieben Artikel, in denen sich die Evangelischen von kirchlichen Bräuchen und Missständen der mittelalterlichen Kirche abgrenzen. In diesen Punkten sahen sie die Notwendigkeit von Reformen. Die hier ausgedrückten Verurteilungen und Verwerfungen beziehen sich, wie im ersten Teil des Bekenntnisses, nicht auf Menschen, sondern auf die von diesen vertretenen Lehren. So sind diese Verurteilungen und Verwerfungen ihrer Form nach zeitbedingte und zum Erhalt, wie zur Neufassung der christlichen Überlieferung, notwendige Feststellungen. Die badische Landessynode hat sich dazu in dem Beschluss „Lehrverurteilungen – kirchentrennend?“ vom 26.4.1994 geäußert. Eine Interpretationshilfe zu Artikel XVI des Augsburger Bekenntnisses gab die Synode in einem Beschluss vom 25.10.1990.

Das Augsburger Bekenntnis hatte für die Union von 1821 weniger inhaltliche als rechtliche Bedeutung, weil seine Übernahme als Bekenntnisschrift eine reichsrechtliche Bestandsgarantie erwirkte. In der Gegenwart ist die ökumenische Absicht des Bekenntnisses, die im 16. Jahrhundert scheiterte, von neuem wahrgenommen und bedacht worden, und zwar sowohl im Blick auf die verschiedenen evangelischen Konfessionen als auch im Blick auf das Verhältnis zur katholischen Kirche. Schon Calvin äußerte 1556: "Es gibt im Augsburger Bekenntnis nichts, was mit unserer Lehre nicht übereinstimmte." Und ein katholischer Theologe hoffte 1978, dass das Augsburger Bekenntnis »zum Instrument der katholischen Einheit in evangelischer Freiheit und der evangelischen Freiheit in katholischer Einheit werden kann« (W. Kasper, Tübingen).

Das Augsburger Bekenntnis wurde in einer lateinischen und einer deutschen Fassung dem Kaiser vorgelegt. 

 
Philipp Melanchthon...

erstellte unter Verwendung früherer Bekenntnisschriften von Martin Luther, im Auftrag des Kurfürsten von Sachsen und der anderen evangelischen Stände, die "Confessio Augustana" als Verteidigungsschrift der reformatorischen Glaubensüberzeugung für den Reichstag in Augsburg.