Gebärden 1-3

Die Füße stehen etwa hüftbreit, die Fußspitzen zeigen nur leicht nach außen, die Knie sind durchlässig, im Beckenbereich gebe ich mich frei, der Kopf richtet sich auf über der Wirbelsäule, die Fingerkuppen zeigen zum Boden. Ich nehme mit meinen Füßen Kontakt auf zum Boden, zum Grund, der mich trägt, zur Erde, die mich nährt, verwurzle mich in ihr. Ich richte mich auf und werde in der Aufrichtung auf - richtig. Die Schädeldecke hat Kontakt zum Raum über mir, in die Welt des Kosmos und darüber hinaus.

Ich lasse den Atem ruhig fließen, nehme wahr, wie mein Brustkorb sich hebt und senkt und wie mein Atem die Körperräume weitet.
Ich bin verwurzelt auf der Erde, aufgerichtet zum Himmel, hineingestellt in diese Welt.

Biblische Bezüge:

  • Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn. (Gen.1,27)
  • Mein Fuß steht fest auf rechtem Grund. Ich will den Herrn loben in den Versammlungen. (Psalm 26,12) (aber Psalm 69,13: Ich versinke im tiefen Schlamm, wo kein Wasser ist.)
  • Du stellst meine Füße auf weiten Raum. (Psalm 31,9)
  • So seid ihr nun… Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf dem Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist. (Eph. 2,19+20)
  • Der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen; und: Es lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt. (2. Tim. 2,19)
  • Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, … dass Christus durch den Glauben in eueren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid. (Eph. 3,14+17)

2. Ausfalten

Die Arme heben sich, bis zur Schulterhöhe, die Hände weisen zunächst nach unten. Ich nehme den Raum wahr, der sich weitet unter meinen Armen. Ich beschreibe mit den Fingerkuppen das Maß des mir zugemessenen Raumes.

Ich öffne die Hände nach vorne, spüre mit meinen Händen und Armen, Schultern und Brust den Raum vor mir und den Raum hinter mir, Spüre in die Welt und zu den Menschen um mich.

Diese Haltung ist auch die Haltung des Christus am Kreuz: „Am Kreuz breitet er die Arme für mich aus.“1 Es ist die Haltung, die alle Christen miteinander verbindet: „Also vereinigen wir uns mit der ganzen heiligen Kirche und gedenken vor Dir, Herr, himmlischer Vater, des heilbringenden Leidens und Sterbens Deines Sohnes Jesu Christi, unseres Herrn.“2 Das Hineinspüren in die Haltung des Gekreuzigten bedarf einer besonderen Diskretion. „Der Beschreibung dieser Gebetsweise merkt man eine gewisse Zurückhaltung an.“3

Ich empfinde das Ausgespanntsein zwischen den Gegensätzen, zwischen den Gegensatzpaaren, zwischen dem, was von allen Seiten an mir zieht, und was dazu beitragen könnte, dass ich mich an die Ansprüche dieser Welt verliere.

Ich öffne die Hände nach oben und spüre hinein in die weite Schale, die sich durch meine ausgebreiteten Arme bildet. Ich bin bereit zu tragen.

Biblische Bezüge:

  • Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir. (Psalm 18,20)
  • Von allen Seiten umgibst Du mich und hältst Deine Hand über mir. (Psalm 139,5)
  • In seiner Hand ist die Seele von allem, was lebt, und der Lebensodem aller Menschen. (Hiob 12,10)
  • Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, ich will ihm eine Hilfe schaffen als sein Gegenüber. (Gen. 2,18)
  • So blieben seine Hände erhoben, bis die Sonne unterging. (Ex.17,12)
    Herr, ich rufe zu dir täglich; ich breite meine Hände aus zu dir. (Palm 88,10)
    Ich breite meine Hände aus zu dir, meine Seele dürstet nach dir, wie ein dürres Land. (Psa1m 43,6)

Anmerkungen:

1) A.M. Cocagnac / M.Oeß Songs junger Christen Nr. 13
2) Ritter 234
3) Rotzetter 171

3. Zusammenführen

Ich führe meine nach oben geöffneten und zum Empfang bereiten Hände über meinem Scheitel zusammen. Dabei durchlaufe ich die Diagonale, die Form des Andreaskreuzes, die Form, in der sich für den Apostel Andreas die Nachfolge des Gekreuzigten vollendet. Aus der Schale wird der Kelch. Der kelchförmigen Handhaltung ist in der Liturgie die Bitte um den Heiligen Geist zugeordnet: „Herr, allmächtiger Gott, sende herab auf uns deinen heiligen Geist… “1) Aus dem Kelch wird der zum Himmel weisende Pfeil und die Feuerflamme, die sich an Pfingsten auf die Apostel herabsenkt.

Ich kann hineinspüren in das Einssein und Einswerden in Gott.

Ich kann hineinspüren in das Kommen des Heiligen Geistes bei der Taufe Jesu und in die Gabe des Heiligen Geistes am Pfingsttag.2)

Biblische Bezüge:

  • Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich zu dir schreie, wenn ich meine Hände aufhebe zu deinem heiligen Tempel. (Psalm 28,2)
  • Hebt eure Hände auf im Heiligtum und lobet den Herrn! (Psalm 133,2)
  • Mein Gebet möge vor dir gelten als ein Räucheropfer, das Aufheben meiner Hände als ein Abendopfer. (Psalm 141,2)
  • Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einzig! (Dtn. 6,4 Übers. R. Gradwohl 3 – vgl. Midrasch: Die Weisen sagten: Der Heilige, gelobt sei Er, sprach zu Israel: Meine Kinder, alles, was ich schuf, schuf ich in Paaren (Himmel/Erde; Sonne/Mond; Adam, Eva; Diesseits/Jenseits), doch MEINE EHRE (= ich selbst )ist einzig und einzigartig in der Welt 4).
  • Gott aber ist einer. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. (Gal. 3,20. 28)
  • Er ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht hat und den Zaun abgebrochen hat…damit er in sich selber aus den zweien einen neuen Menschen schaffe und Frieden mache. (Eph. 2,14 u. 15)
  • Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, um ihn auszuführen, wenn die Zeit erfüllt wäre, dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist. (Eph. 1, 9+10)
  • Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. (Mt. 3,16.17)
  • Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist. (Apg. 2,3. 4)

Anmerkurngen:
1) Vgl. Ritter 235
2) Bei Dominikus wird diese Gebetsweise als „Aufgipfelung des Gebetes“ verstanden. Dominikus ist hier nicht mehr eigentlich auf der Erde, sondern im Himmel. Er erscheint wie ein Pfeil, der in den Himmel abschnellt. (Rotzetter 172)
3) Gradwohl 120
4) Gradwohl 123f

 
Beten kann man lernen

Die Bibel stellt uns Gott als einen lebendigen, persönlichen Gott vor. Er sucht die Verbindung mit den Menschen. Im Gebet erlaubt er uns, sich ihm zu öffnen, mit ihm zu reden. Dabei sieht er „in unser Herz“. Er weiß, was hinter den Worten steht. Deshalb können wir mit ihm reden, wie es uns ums Herz ist.

Gebetsportal

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Die großen Gebetsgebärden

„Körper und Seele sind eine Einheit. Darum muss der Christ ganzheitlich beten lernen.“ Ein Beitrag zu ganzheitlichem Beten ist die so genannte Große Gebetsgebärde. Hier finden Sie Gedanken und Anregungen zu den großen Gebetsgebärden.