Die Legende vom wundertätigen Marienbild

Die Liebfrauenkirche in Neckarkatzenbach

An der Stelle, an der heute die Kirche steht, stand vordem eine mächtige Eiche, in deren Nähe man oftmals himmlische Lobgesänge gehört hat. Als der Baum gefällt war und entzwei gesägt wurde, fand man in dem hohlen Stamme ein Bild Marias mit dem Leichnam Jesu Christi auf dem Schoße.

Maria mit dem Leichnam Jesu Christi auf dem Schoß
Weil damals noch kein Gotteshaus in Neckarkatzenbach vorhanden war, so wurde das Bild mitten im Orte wo die Straßen sich teilen aufgestellt. Zu jedermanns Verwunderung kehrte aber das Bild während der Nacht an seinen früheren Standort zurück. Als gar die Wächter des Bildes der Behauptung ernsthaft widersprachen, dass das Bild von Menschenhänden zurückgetragen worden sei, steigerte sich der Andachtseifer des Volkes so sehr, dass man beschloss, über dem Baumstumpf, welcher als Altar dienen sollte, eine Wallfahrtskirche zu erbauen. (Pfarrer W. Reichwein)
 
Die Katzenbacher erlebten die Auffindung des Marienbildes so nah bei ihrem Dorf als ein Wunder. Den Baum haben sie auf eine Höhe von fünf Fuß (etwa 1 ½ m) abgesägt, darauf die Pieta gestellt und um dieses fromme Werk eine kleine Kapelle erbaut. Als Altar diente zunächst der Baumstumpf mit dem Vesperbild, später ein steinerner Altartisch mit der eingehauenen Jahreszahl 1519. Das kleine Kirchlein ist im spätgotischen Stil erbaut, der achteckige Chor enthält drei schöne zweigeteilte Maßwerkfenster. Die kleine Seitenpforte zeigt das Erbauungsjahr 1511 an. Weil das Heiligenbild als wundertätig verehrt wurde, setzte schon bald eine lebhafte Wallfahrt zu dem neuen Kirchlein ein. Aber nur 6 Jahre nach seiner Erbauung hat der Augustinermönch Martin Luther in Wittenberg seine Thesen zum Ablasshandel der Amtskirche veröffentlicht und ein Jahr später beim Heidelberger Religionsgespräch verteidigt.
 
Schon früh breitete sich in der Kurpfalz die Reformation aus, und der überwiegende Teil der Bevölkerung wandte sich der neuen Glaubensform zu. Auch in unserem Kirchlein wurde nun evangelisch gepredigt und das Marienbild in einer seitlichen Nische abgestellt. Die so vielversprechend begonnene Wallfahrt fand ein Ende, damit auch der Weiterbau an der Kirche, der durch die Einnahmen aus der Wallfahret finanziert werden sollte. Langhaus und Turm blieben unvollendet, der bereits gebaute Chor bekam einen einfachen Wandabschluss. (…) Als in Neckarkatzenbach der Anteil der Katholiken später wieder größer geworden war, bauten sie  1799 ein eigenes barockes Kirchlein in Sichtweite der gotischen Kapelle. In feierlicher Prozession hat man das Marienbild vom alten in das neue Kirchlein verbracht und hier in einen alten barocken Altar eingefügt, wo es wieder verehrt werden kann. Damit schließt sich der Kreis von der geheimnisvoll aufgefundenen Pieta in Neckarkatzenbach.

(Dr. Hans Herminghaus)