Gemeindevisitation
Visitation ist der offizielle Besuch kirchenleitender Organe bei Ortsgemeinden oder Kirchenbezirken - im Sinn von Apostelgeschichte 15 Vers 36, wo Paulus und Barnabas sich auf den Weg machen, um wiederum "nach den Brüdern und Schwestern zu sehen, wie es um sie steht". Es geht dabei sowohl um kollegiale Wahrnehmung des bischöflichen Aufsichtsamtes als auch darum, "die Gemeinden im Glauben zu stärken" (Apg. 15,41-16,5).
Die Kirchenleitung auf Bezirks- und Landesebene behält durch das Visitationsgeschehen enge Verbindung zum Gemeindeleben in Stadt und Land, während die Visitation den besuchten Gemeinden und ihren Mitarbeitenden hilft, die örtlichen Probleme in einem gesamtkirchlichen Horizont zu sehen und das eigene Gemeindeschiff als Teil eines größeren Flottenverbandes zu erfahren. Miteinander unterwegs zu sein und voneinander lernen zu können, ermutigt und stärkt.
Wozu dient Visitation?
- Vom Rückblick zum Ausblick;
- von der Bestandsaufnahme zur Bedarfserhebung;
- von der Selbstbetrachtung zur Fremdwahrnehmung;
- von der Aufgabenerledigung zur Zielorientierung;
- von der Kontrolle zur Beratung/Zielvereinbarung.
Es geht weniger um das Erreichen eines für alle gleichen kirchlichen Standards, sondern eher um einen kommunikativen Prozess zur Gewinnung eines geistlichen Profils der einzelnen Gemeinden im Rahmen der Gesamtkirche.
Kam es bei früheren Visitationen darauf an, Rücklick zu halten und sich die Ereignisse, Erfahrungen und Entwicklungen der letzten sechs Jahre zu vergegenwärtigen, so liegt nun ein Schwerpunkt darauf, nach vorne zu blicken und die Ziele der nächsten sieben Jahre ins Auge zu fassen. Damit wird das Bestehende nicht über Bord geworfen, sondern auf seine Zukunftstauglichkeit überprüft.Im Mittelpunkt der Visitationsvorbereitung steht die "vorlaufende Berichterstattung". Sie umfasst neben den beizufügenden Zielvereinbarungen der jeweils letzten Visitation und dem Protokoll eines vier bis sechs Jahre zurückliegenden "Zwischenbesuchs" lediglich ein knappe Zusammenstellung der Gemeindedaten sowie die Auswertung von Fragebögen, die als Hilfsmittel zur Bestandsaufnahme und vor allem zur Ermittlung von Erwartungen eingesetzt werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse, sowie die Beratungsergebnisse der Gemeindegremien bilden die Vorarbeit zur Formulierung der Gemeindeziele für die kommenden Jahre.
Mit der Fragebogenaktion soll es gelingen, nicht nur die Kerngemeinde an der Visitation zu beteiligen, sondern auch bei unbekannten Gemeindegliedern anzuklopfen und vermehrt Anliegen von Getauften einzubeziehen, die bislang eher weniger Kontakt zu den Aktivitäten der Kirchengemeinde hatten oder ihnen kritisch-distanziert gegenüber stehen.
Außerdem will Visitation dazu verhelfen, die Kirche im Sinn eines Perspektivenwechsels auch mit den Augen von Menschen zu sehen, die oft wenig beachtet werden, wie z.B. Kinder, Jugendliche, Aussiedler, Neuzugezogene.
