Taufe

 
Taufe eines Kindes

Quelle: © Peter Bongard / fundus-medien.de

Seit beinahe zweitausend Jahren werden Menschen getauft. Die von Jesus Christus eingesetzte zeichenhafte Handlung (Mt 28, 19) vermittelt in sinnlich wahrnehmbarer Weise die Gnade Gottes. 
 
Wer getauft ist, gehört zu Christus. Warum aber zu einer bestimmten Kirche? 
 
Nach den Aussagen des Neuen Testaments ist Glauben nicht ohne die Gemeinschaft mit anderen Glaubenden denkbar. Diese Gemeinschaften sind in der Regel in verbindlichen Strukturen (Mitgliedschaft) organisiert. 
 
Die durch die Taufe begründete Mitgliedschaft in einer Kirche wird – auch bei einem Wechsel der Konfession - von anderen Kirchen anerkannt, sofern sie mit Wasser und im Namen des dreieinigen Gottes vollzogen wurde. 
 
Durch einen Kirchenaustritt wird die Taufe nicht aufgehoben. Das wirft die Frage auf, inwiefern sich ein Mensch, der aus der Kirche ausgetreten aber getauft ist, als „Christ“ sehen kann. 
 

Seit dem Jahr 2000 bis 2019 sind die Kindertaufen in der EkiBa um 29 % zurückgegangen, im Verhältnis zur Gemeindegliederzahl um 16 %.
Vor allem alleinstehende Mütter verzichten häufiger auf die Taufe für ihre Kinder als verheiratete Paare. Da die Taufe bis heute als Familienfeier begangen wird, dürfte nicht selten auch der (finanzielle) Aufwand für die Tauffeier für Menschen in prekären Verhältnissen ein Hinderungsgrund sein, ihre Kinder taufen zu lassen.
 
Nur noch in gut jedem zweiten Fall ist der Täufling noch kein Jahr alt. Zugleich nimmt die Zahl der Personen zu, die bei ihrer Taufe 14 Jahre oder älter waren. Dabei spielt die Taufe im Umfeld der Konfirmation eine wachsende Rolle. Die Taufbegehren von Menschen, die in einem nicht-christlichen Umfeld aufgewachsen sind (in der großen Mehrheit Personen, die aus den neuen Bundesländern stammen) und von nichtchristlichen Asylsuchenden und Zuwanderern haben in den letzten Jahren auch die Erwachsenentaufe und deren Vorbereitung (Taufseminare) wieder in den Fokus gerückt. Da die Zahl der Kindertaufen seit etwa 10 Jahren unter die Hälfte der Geburten gesunken ist, wird in Zukunft die Zahl der ungetauften Erwachsenen und damit das Potential für Erwachsenentaufen deutlich anwachsen.
 

Wenn Eltern um die Taufe ihres Kindes bitten, steht der Wunsch im Vordergrund, das junge, schutzbedürftige Leben unter den Schutz Gottes zu stellen. Daneben ist die Taufe eine Gelegenheit, die Geburt im Familien- und Freundeskreis zu feiern. Die Taufe als Sakrament (Mt 28,19 und Mk 16,18) und die Aufnahme in die Gemeinschaft der Kirche tritt dagegen meistens in den Hintergrund.
 
In den meisten Fällen finden Taufen bisher im Sonntagsgottesdienst statt.
 
Liturgiegeschichtlich ist diese Praxis jedoch ein Sonderfall. Martin Luther hielt in seinem Taufbüchlein an der damals üblichen Praxis der Taufe als eigenständige Handlung fest. Erst Johannes Calvin und andere reformierte Theologen verlegten die Taufe in die gottesdienstliche Versammlung am Sonntagmorgen, um so die ganze Gemeinde an die eigene Taufe zu erinnern.
 
Dabei begegnen sich im Gemeindegottesdienst meist zwei einander fremde Welten. Nur noch wenige Tauffamilien sind mit der Gottesdienstgemeinde und der Liturgie vertraut . Dementsprechend fühlen sie sich fremd.
 
In der Corona-Pandemie sind viele Gemeinden wieder dazu übergegangen, separate Taufgottesdienste zu feiern. Hier kann der Taufgottesdienst zeitlich flexibel und individuell auf die Wünsche (insbesondere bei der Musik und den Liedern s. u.) und Bedürfnisse der Tauffamilien abgestimmt gestaltet werden.
 
Ein übergemeindlich abgestimmtes Konzept von Tauf-Gottesdiensten und Terminen (im Sonntagsgottesdienst, am Samstag, an Feiertagen oder bei Tauffesten s. u.) entlastet die Liturgen und Liturginnen und kommt den Wünschen und Bedürfnissen der Familien entgegen.
 

Tauffeste (auch außerhalb von Kirchen, am Fluss, im Garten, am Brunnen …) erhöhen den Ereignischarakter der Taufe. Sie bieten Taufeltern, die vor dem Aufwand eines Familienfestes zurückschrecken,  einen finanziell unaufwendigen und doch festlichen Rahmen für die Feier der Taufe.
 
  • Tauffeste erfordern jedoch größere Vorbereitungen:
  • Eltern ungetaufter Kinder müssen gezielt (brieflich eingeladen werden.
  • Daneben ist eine Einladung in der Öffentlichkeit (Homepage, Presse) hilfreich.
  • Die Taufen sind in ein Fest mit Essen und Trinken eingebettet.
  • Sie sind ohne die Zusammenarbeit in (regionalen) Teams kaum zu „stemmen“.
 
Tauffeste stehen im Mittelpunkt der  EKD-Kampagne „viele Gründe.ein Segen.deine Taufe“ rund um den Johannistag 2023. Die EKD stellt dafür Werbematerialien (Einladungskarten, Plakate, Banner) kostenlos zur Verfügung. Dazu gibt es Anregungen die Vielfalt der Taufe zu feiern z. B. mit einem Tauffest am See oder im Garten, einem Gottesdienst zur Tauferinnerung, einem Projekttag in der Kita, einer „Entdeckungsreise“ zum Thema Taufe mit Kindern und deren Eltern …
 
Diese und viele weitere Ideen finden Sie auf der Webseite der EKD www.deinetaufe.de. Dort gibt es auch Materialien, die heruntergeladen oder bestellt werden können. Die EKD stellt den Gemeinden kostenlos Einladungskarten, Plakate, Fahnen und Banner zur Verfügung. Zum Austausch von Ideen und zum Vernetzen gibt es regelmäßig einen Zoom-Stammtisch. 
 
Aus Skandinavien kommend werden inzwischen auch in Deutschland Taufen als „Taufe to go“ bzw. „Drop-in-Taufe“ gefeiert. Sie sind der Versuch, die Taufpraxis an Kommunikationsformen der Gegenwart anzupassen. Biblisch bezieht sich diese neue Taufform auf die Taufe des Kämmerers aus Äthiopien (Apg 8,38). Vorbereitet durch breite Öffentlichkeitsarbeit und sorgfältig inszeniert wird die Gelegenheit eröffnet, an einem bestimmten Tag „spontan“ die Taufe zu begehren und zu empfangen (M. Barnahl / E. Handke, Taufe to go  - Erfahrungen aus Dänemark, in: feinschwarz.net vom 5. Januar 2022).
 

Traditioneller Bezugsrahmen für die Taufe ist die Ortsgemeinde. Wo aber die Beziehung zur Ortsgemeinde mehr oder weniger bedeutungslos wird, werden auch andere Orte und Pfarrpersonen, zu denen eine persönliche lebensgeschichtliche Beziehung besteht, gewählt. Bisher bedarf es hierzu eines Entlassscheines der „Heimatgemeinde“.
 

Das Taufgespräch dient der Vorbereitung der Taufe. Bei Erwachsenentaufen kann diese Vorbereitung in ein Taufseminar integriert werden. Die Eltern von Kleinkindern sind im vorbereitenden Gespräch vor allem daran interessiert, wie die Taufe abläuft. Dabei kann es hilfreich sein, beim Taufgespräch auf die Arbeit mit der Agende zu verzichten. Ein Blatt mit dem Ablauf der Taufe kann durch seine offene Struktur (Lücken) deutlich machen, dass eine Mitwirkung im Taufgottesdienst (s. u.) nicht nur möglich, sondern sogar erwünscht ist.
 
Das vorbereitende Gespräch bietet die Gelegenheit, die lebensweltliche Situation der Eltern und ihre Gedanken zur Taufe ihres Kindes kennenzulernen. Pfarrer Peter Krech (Peter.Krech@kbz.ekiba.de) hat dazu ein kleines Sortiment an Gesprächsimpuls-Karten entwickelt.
 

Wer getauft wird, bekommt einen Satz aus der Bibel zugesprochen. Dieses Bibelwort wird meistens von den Eltern ausgewählt. Wird die Taufe im Umfeld der Konfirmation oder im Erwachsenenalter gefeiert, wählen die Täuflinge ihren Taufspruch meistens selbst aus. Als Hilfestellung für die Wahl können Listen mit Sprüchen (www. taufspruch.de) zur Verfügung gestellt werden. Im Internet finden sich auch sehr freie Übersetzungen von Bibelsprüchen. Treffen sie die biblische Aussage, bestehen keine Einwände gegen ihre Verwendung. Der Wunsch, ein Zitat aus der Literatur zum Taufspruch zu machen, kann zum Anlass genommen werden, sich gemeinsam auf die Suche nach einem Bibelwort zu machen, das die Aussage des Zitates aufnimmt. Dann kann das Literaturzitat zusammen mit dem Taufspruch in der Taufpredigt aufgenommen werden.
 

Eine Taufe bietet viele Gelegenheiten zur aktiven Mitwirkung. Familienangehörige und Gäste beteiligen sich mit Lesungen, Gebeten,weiteren Texten oder musikalischen Beiträgen. Sie gestalten die Taufkerze. Anwesende Kinder gießen das Wasser ins Taufbecken…. Auch dies kann sich in einem eigenständigen Taufgottesdienst breiter entfalten als in einem Gemeindegottesdienst am Sonntagmorgen.
 
Weil Gesangbuch-Lieder zur Taufe oft nicht mehr bekannt sind, kann es hilfreich sein, für die Eltern eine Liste von Liedern zur Taufe mit den entsprechenden Verweisen auf Youtube-Videos bereitzustellen. Wünsche, ein bestimmtes Musikstück einzuspielen, bieten eine gute Gelegenheit, etwas über die lebensgeschichtliche Verortung dieses Wunsches zu erfahren und darauf bei der Taufe einzugehen.
 
Das Spannungsfeld von geprägten kirchlichen Ritualen und subjektiven Gestaltungswünschen birgt die Chance, Gestaltungsfragen als inhaltliche Fragen ernst zu nehmen, zu deuten und fruchtbar zu machen, um den religiösen Sinngehalt der kirchlichen Handlung zu verdeutlichen.
 

Für die Tauferinnerung ist den Familien eine fotografische bzw. filmische Dokumentation der Taufe wichtig. Sie sollte von einer eigens dafür beauftragten Person in Absprache mit den liturgisch Handelnden übernommen werden.
 

Das Patenamt wird von den angefragten Personen hoch geschätzt (Es ist eine „Ehre“) und ist deshalb auch emotional hoch besetzt. Patinnen und Paten werden zumeist deshalb gewählt, um eine persönliche Beziehung zur Familie zu stabilisieren oder zu intensivieren. Damit verbindet sich der Wunsch, die Paten mögen vertrauensvolle Bezugspersonen außerhalb der Kernfamilie sein.
 
Spricht man Patinnen und Paten darauf an, dass sie auch für die „Erziehung des Kindes im christlichen Glauben zu sorgen“ hätten (Kirchliche Lebensordnung Taufe, Artikel 5(3)), erzeugt dies meist Ratlosigkeit. Im Gespräch wird (wenn überhaupt darauf eingegangen wird) darauf verwiesen, dass für Religion schließlich der kirchliche Kindergarten, der Religionsunterricht und der KU da sind.
 
Paten sind keine Laienreligionslehrer. Vielmehr geht es darum, dass etwas spürbar werden kann vom Gottvertrauen und von den Lebensauseinandersetzungen, etwa auch von Zweifeln, die nach Martin Luther zum Glauben dazugehören. …. Das Patenamt ist nicht darauf ausgelegt, etwas zu vermitteln, was man schon weiß. Es ist eher eine persönliche Übungsaufgabe, an der Patenkinder – meist didaktisch absichtslos – dann und wann teilhaben.“ (K. Fechtner, Kirche von Fall zu Fall, Gütersloh 20112, S. 102)
 
Die Lebensordnung Taufe (Artikel 5 (4) u. (5)) setzt für das Patenamt folgende Rahmenregelungen: Das Patenamt ist ein kirchliches Amt, zu dem die Kirche Menschen beruft. Mindestens eine Patin / ein Pate soll konfirmiertes Mitglied der evangelischen Kirche sein. Daneben können auch Mitglieder eine ACK-Kirche oder des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) zum Patenamt gebeten werden. Durch Kirchenaustritt erlischt das Patenamt.
 
Diese Bedingungen kollidieren zunehmend mit der Erfahrung, dass Eltern Verwandte und Freundinnen/Freunde als Paten anfragen, die nicht (mehr) Kirchenmitglieder sind oder einer nichtchristlichen Religion angehören. Sie definieren das Patenamt als weitere Begleitperson und Ansprechpartnerin / Mentor für ihr Kind. Die Ablehnung dieser Personen vonseiten der Kirche ist schwer nachvollziehbar.
 
Nicht-Kirchenmitglieder können bisher keine kirchlichen Paten sein und damit auch nicht in die Kirchenbücher aufgenommen werden. Ihr Versprechen den Täufling als Lebenspatin / Lebenspate zu begleiten, sollte gewürdigt werden und kann Raum im Taufgottesdienst finden. Sie können mit um das Taufbecken stehen, werden gefragt, antworten und können gesegnet werden – wenn sie das möchten.
 
Es kann entlasten, dass eine Taufe nicht daran scheitern wird, wenn Patinnen fehlen. Paten sind nach theologischem Verständnis nicht zwingend für eine Taufe geboten. Dem trägt die Lebensordnung in Artikel 5 (2) mit der Formulierung („… werden in der Regel … bestellt“) Rechnung.
 

Längst kann nicht mehr selbstverständlich davon ausgegangen werden, dass ein getauftes Kind in den christlichen Glauben hineinwächst. Es wird deshalb umso wichtiger, die Getauften zu begleiten und ihnen einen Weg in den Glauben zu öffnen. Martin Luther meint, dass „jeder Christ sein Leben lang genug an der Taufe zu lernen und zu üben“ habe (Großer Katechismus, Von der Taufe, Zum Dritten).
 
Stationen auf diesem Weg des Lernens und Übens können sein:
 
  • Segensfeiern für Schwangere und werdende Eltern
  • Gruß der Gemeinde zur Geburt
  • (regionale) Taufvorbereitungskurse (besonders bei Erwachsenentaufen)
  • Anregungen für Eltern, den Tauftag ihres Kindes (mit Entzünden der Taufkerze) zu feiern
  • Briefe (und kleine Geschenke wie Bilderbücher oder eine Kinderbibel) der Gemeinde zum Tauftag bis zur Einschulung der Täuflinge
  • Krabbelgruppen mit religionspädagogischen Angeboten
  • Religionspädagogische Angebote in Kindertagesstätten
  • Kirche mit Kindern
  • Besonders hervorgehobene jährliche Tauferinnerungsgottesdienste am 6. S. n. Trinitatis für alle Getauften mit besonderer Einladung an Täuflinge, die fünf Jahre zuvor getauft wurden.
 
 

Die Agende II „Taufe, Konfirmation, Aufnahme in die Kirche“ (einzelne Liturgien) sowohl als pdf als auch als (bearbeitbare) Word-Datei ist eingestellt unter https://godi.ekiba.org/GuG/index.php
 
  • C. Grethlein, Taufen, Reihe Praktische Theologie konkret Bd 1, Göttingen 2020
  • P. Barz u. B. Schlüter, Werkbuch Taufe, Gütersloh 2009
  • D. Knecht, Arbeitsbuch Kasualien, Taufe (S. 14 – S. 62), Bausteine für klassische und neue liturgische Anlässe, Gütersloh 2022