Propst i.R. Karl-Heinz Ronecker verstorben
Der gebürtige Karlsruher studierte Evangelische Theologie in Bethel, Göttingen und Heidelberg und kam 1961 als Vikar nach Freiburg an die Ludwigskirche. Der damalige Dekan Katz war voll des Lobes über den jungen Geistlichen, der neben der intensiven Predigt- und Gemeindetätigkeit auch noch viel Religionsunterricht erteilte und sein pastorales Wirken aufmerksam theologisch reflektierte.
Es ist kennzeichnend für ihn, die Gemeinde Christi in einem weiten Horizont zu denken. So schreibt er in seinem allerersten Jahresbericht zum Schluss: „...Weit mehr als dies alles (die verschiedenen Aufgaben und Tätigkeiten) aber beschäftigt mich die Frage nach denen, die vom Gemeindeleben überhaupt nicht mehr erreicht werden...Sie gehören doch ebenfalls zur Gemeinde und Christi Auftrag bindet uns in gleicher Weise an treue Gemeindeglieder und Außenstehende.“
Der Religionsunterricht und die Jugendarbeit lagen ihm in besonderer Weise am Herzen und so folgte auf die Vikariatszeit in Freiburg die Abordnung als Religionslehrer an Karlsruher Gymnasien und bald darauf auch die Beauftragung zum hauptamtlichen Bezirksjugendpfarrer. Nur widerwillig ließ man ihn dort ziehen, als sein Weg ihn wieder nach Freiburg führte, wo ihm 1967 die Aufgabe der Studentenseelsorge übertragen wurde.
Sechs Jahre später wurde er dann 37jährig zum Pfarrer der Nordpfarrei an der Ludwigskirche und zum Dekan des damals flächenmäßig größten Kirchenbezirks Freiburg berufen, ein Amt, das er schließlich 18 Jahre ausfüllen würde. Er war leidenschaftlich Gemeindepfarrer und nur schweren Herzens konnte er sich dazu entschließen, diesen Teil aufzugeben, als die Leitungsverantwortung für die vielen Gemeinden und ihre Hauptamtlichen die ganze Kraft des Dekans forderte.
Es lag ihm daran, das Wort Christi in die Welt zu kommunizieren, Wege zu finden, wie Menschen die Wirklichkeit des Gotteswortes erfahren können und er war davon überzeugt, dass letztlich Gottes Geist selbst es ist, der dies wirkt und wir darin allenfalls Gehilfen sind.
Er war ein besonnener, humorvoller und gelegentlich auch streitbarer Zeuge dieses manchmal widerständigen Wortes, immer darum ringend was es zu sagen hat, ihm persönlich, den Menschen, mit denen er zu tun hatte, der Kirche mit ihren Strukturen und ihrem Auftrag in der Welt.
Dieser Welt- und Weitblick brachte ihm für die letzten 10 Jahre seines Dienstes noch eine besonderen Aufgabe. Die Evangelische Kirche in Deutschland vertraute ihm ihre renommierteste Auslandspfarrstelle an: Die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Jerusalem. Als Propst von Jerusalem war er auch für die Christinnen und Christen in Israel, dem Westjordanland und Jordanien zuständig. Zusammen mit seiner Frau Ingeborg führte er ein offenes Haus, ein Ort der Verständigung und der Versöhnung in konfliktreicher Zeit an konfliktreichem Ort. Auch dort haben er und seine Frau prägende Spuren hinterlassen.
Die Evangelische Landeskirche in Baden ist dankbar für den Menschen und Theologen Karls-Heinz Ronecker und seine Gaben, mit denen er unsere Kirche bereicherte. Wir werden ihn gern im Gedächtnis behalten.
