"Nie wieder dürfen wir zulassen, dass die Menschlichkeit dermaßen mit Füßen getreten wird"

Landesbischöfin Heike Springhart zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2025

Landesbischöfin Heike Springhart

Quelle: ekiba / Hornung

Nie werde ich die Berge von Schuhen und Koffern vergessen, die ich in Auschwitz gesehen habe. Eine schier unendliche Menge und doch nur ein Bruchteil. Kinderschuhe, Damenschuhe, Herrenschuhe. Sie haben Menschen gehört, die auf unmenschlichste Weise ermordet wurden in Auschwitz. Erst hatten hasserfüllte Reden den Nationalsozialismus groß werden lassen und dann wurden Menschen gehetzt, gejagt, deportiert und ermordet. Nachbarn haben weggesehen, als Jüdinnen und Juden, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, Sinti und Roma und solche, die sich dem System entgegengestellt haben einfach verschwunden sind. In einem perfiden Vernichtungssystem.
 
Heute gedenken wir den Millionen, die im Holocaust ermordet wurden. Es begann schleichend und endete grausam und unmenschlich. Es ist nicht hinnehmbar, dass heute Jüdinnen und Juden wieder Angst um ihr Leben in unserem Land haben, dass sich queere Menschen Diskriminierung ausgesetzt sehen und dass offen von „Remigration“ und Deportation von Menschen aus unserer Gesellschaft gesprochen wird und damit Politik gemacht. Nie wieder dürfen wir zulassen, dass die Menschlichkeit dermaßen mit Füßen getreten wird. Seid Menschen! Dazu ermahnen uns die, die das Grauen überlebt haben, wie Margot Friedländer. Seid Menschen! Und vergesst nie, dass jeder Mensch Gottes geliebtes Kind ist. Mit unverlierbarer Würde.