„Brich mit dem Hungrigen dein Brot!“
Wort des Landesbischofs zu Erntedank 2019
Wir sind beschenkt und dankbar und bringen das auch zum Ausdruck: In Gottesdiensten, aber auch in dem wir etwas weitergeben, von dem was wir empfangen haben. „Brich dem Hungrigen dein Brot!“ ruft uns der Prophet Jesaja an Erntedank zu. Vergiss die anderen nicht! Die Freude wächst, wenn wir die Hungrigen unser Herz finden lassen. Wir werden reicher, wenn wir teilen!
Für viele in Deutschland ist es heute selbstverständlich, dass es genügend zu essen gibt. Wir haben Lebensmittel im Überfluss. Da tritt die Dankbarkeit in den Hintergrund. Aber Lebensmittel sind kostbar.
In Deutschland wirft jede Person im Jahr im Schnitt etwa 75 Kilo Lebensmittel in den Müll. Insgesamt werden allein in den Privathaushalten jährlich mehr als sechs Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Auch wenn das Geld, das dabei verloren geht, in einem wohlhabenden Land wie Deutschland für viele Menschen offenbar kein Grund ist, um genauer beim Einkauf zu planen, verbraucht dieser Lebensstil doch Ressourcen.
Bis ein Kilo Brot verkauft ist, fließen etwa 1.600 Liter Wasser. Für ein Kilo Rindfleisch sind es sogar rund 15.000 Liter Wasser. Das Ackerland, auf dem der Weizen wächst, wird unnötig bestellt, wenn ein Brot letztlich weggeworfen wird. Die Energie für den Transport oder die Kühlung von Lebensmitteln wird verschwendet, wenn sie in den Müll geworfen werden.
Die Ressourcen werden dort verbraucht, wo Lebensmittel produziert werden. Oft ist dies nicht in Deutschland. Menschen in ärmeren Ländern konkurrieren dadurch mit Käufern aus reicheren Ländern. Wenn Preise wegen größerer Nachfrage steigen, spüren dies Menschen in ärmeren Ländern sehr viel deutlicher – und das obwohl ein Teil der produzierten Lebensmittel letztlich nicht gebraucht wird und am Ende im Kompost landet.
Der Prophet Jesaja erinnert an diejenigen, die leer ausgehen. Er macht Mut, die Augen aufzumachen und etwas zu tun: „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, kleide ihn; und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“ Gott traut uns zu, der Welt ein gerechteres und friedlicheres Gesicht zu geben: „Was lange wüst gelegen hat, wirst du wiederaufrichten!“
Die Worte Jesajas weisen den Weg in eine menschlichere Welt. Einen ersten Schritt in diese Richtung können wir gehen, indem wir maßvoller mit dem eigenen Überfluss umgehen und darauf achten, weniger Lebensmittel zu verschwenden.
Jeder kann etwas dafür tun. Die kirchliche Homepage „Wir kaufen anders“ stellt zum diesjährigen Erntedankfest eine Reihe von Ideen online, wie Kirchengemeinden sich mit konkreten Projekten gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen können. Auch die Politik ist gefordert. Denn in der Produktion, in der Verarbeitung und im Handel landen ebenfalls große Mengen von Lebensmitteln auf dem Müll. Dies zu ändern liegt nicht in der Hand des Einzelnen, sondern braucht eine politische Rahmensetzung, die der Lebensmittelverschwendung wirksam entgegenwirkt.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Erntedankfest!
Was können Kirchengemeinden gegen Lebensmittelverschwendung tun?
Anregungen von der kirchlichen Homepage „Wir kaufen anders“
https://wir-kaufen-anders.de/anders-handeln/wertschaetzung-von-lebensmitteln/
• Schnippeldisko: Ein schönes Event für Konfirmanden. Fragen Sie beim nächsten Bauern nach „nicht perfektem“ Gemüse, es wird meistens aussortiert. Daraus lässt sich eine leckere Suppe kochen, die nach dem nächsten Gottesdienst für einen guten Zweck verkauft werden kann. Geschnippelt wird zu guter Musik (daher „Disko“).
• Gemeinsam ernten: Auf kirchlichen oder privaten Grundstücken stehen oft Obstbäume, deren Früchte nicht geerntet werden. Laden Sie Ihre Gemeinde zu einer gemeinsamen Ernteaktion ein. Der gepresste Apfelsaft kann in der Gemeinde verkauft werden.
• Das Mindesthaltbarkeitsdatum richtig lesen: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist eine Empfehlung des Herstellers und kein Wegwerfdatum. Ist dieses Datum überschritten, vertrauen Sie Ihren Sinnen, wenn Aussehen, Geschmack und Geruch in Ordnung sind, kann das Produkt noch verzehrt werden. Anders ist es beim Verbrauchsdatum, ist dieses überschritten (meist bei Hackfleisch oder Geflügel), hilft nur wegwerfen.
