Von allen Seiten umgibst du mich!“

Andacht über Psalm 139 zur 2. KonfiNacht Baden-Württemberg in der Citykirche Konkordien in Mannheim am 19.10.2018

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

ich freue mich, heute Abend bei Euch zu sein und mit Euch den Abendsegen zu feiern.

Irgendwann geht auch eine Konfi-Nacht zu Ende und das Bett oder die Matratze ruft.

Wie geht das bei euch? Was macht Ihr, bevor Ihr das Licht ausmacht und einschlaft? Noch mal aufs Handy schauen? Noch etwas lesen oder Musik hören? Mir fallen oft noch einmal die Szenen und Begegnungen des Tages ein, die ich erlebt habe: Das, was wirklich schön war. Aber auch das, was mich gekränkt oder geärgert hat, wo ich nicht zufrieden war, auch nicht mit mir selber. Warum ist das so blöd gelaufen?

Abends im Bett ist für mich die Gelegenheit, um den Tag noch einmal mit Gott zu besprechen. Manche von euch kennen das; vielleicht habt ihr als Kinder erlebt, wie eure Eltern oder Großeltern sich zu euch ans Bett gesetzt haben und gesungen haben: Der Mond ist aufgegangen oder von den 14 Englein, die um euch stehen und euch behüten oder z.B. gebetet haben: „Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Augen zu: Vater, lass die Augen dein, über meinem Bette sein.“

Konfirmation heißt, erwachsen werden, auch im Glauben. Wege verbinden, um das eigene Leben mit Gott zu verbinden. Mir ist das Abendgebet deshalb auch als Erwachsener wichtig: Gott sage ich das, was mich erfreut hat, aber auch das, was ich normalerweise lieber für mich behalte, was kein gutes Licht auf mich wirft. Für beides ist im Abendgebet Platz: Denn Gott ist da und hält zu mir. Ich bin nicht alleine mit dem, was mich beschäftigt.

Drei Dinge sind mir dabei besonders wichtig:

  1. Gott geht mit mir, auch durch die Nacht.
    Gott, du erforschst mich und kennst mich! Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; ich gehe oder liege, so bist du um mich. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag.

    Gott lässt mich nicht los; nicht, wenn es mir ganz wunderbar geht und ich vor Freude in den Himmel springe, aber auch nicht, wenn es dunkel und unheimlich ist und ich mich ängstlich durch die Dunkelheit taste. Ich schlafe ein und weiß: Gott ist da.

    Und wenn ich aufwache, bin ich noch immer bei dir, Gott.

  2. In Gottes Augen bin ich wichtig und richtig, so wie ich bin!
    Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

    So groß, so stark und mutig macht mich Gott. Auch wenn andere über mich lachen, auch wenn es mal wieder Stress gibt: Gott hat seine ganze Liebe darein gelegt, mich so zu machen, wie ich bin. Das richtet mich auf, das stärkt mich, so kann ich getrost einschlafen und morgen wieder mutig und vergnügt in den Tag starten.

  3. Gott weist mir einen Weg ins Leben.
    Ja, wir sind Gott wichtig und richtig, so wie wir sind. Aber damit ist nicht alles egal, wie wir leben, wie wir andere behandeln und wofür wir uns einsetzen.

    Deshalb heißt die dritte Strophe des Nachtgebets: Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

    Ich schlafe getrost ein, weil Gott seine Hand über mir hält. Aber Gott will auch, dass wir unsere Hände so benutzen, wie Jesus das gemacht hat. Das es anderen besser geht. Dass denen geholfen wird, die Hilfe brauchen. Dass Menschen sich versöhnen und Frieden wächst. Dass es gerechter zugeht als bisher.

    Auch das gehört zum Erwachsenwerden im Glauben, dass die Verantwortung für die anderen wächst, für Eure Familie, für Eure Freundinnen und Freunde, aber mit Jesus gerade auch für die, die Ihr nicht so gut leiden könnt. Auf diesen Weg schickt uns Gott.