Johann Peter Hebel

Dichter und erster Prälat

Er war der erste Prälat der badischen Landeskirche: Johann Peter Hebel, Theologe, alemannischer Mundartdichter und Wegbereiter der modernen Kurzgeschichte.

1819 wurde er vom badischen Großherzog zum Prälaten der evangelischen lutherischen Kirche ernannt – womit er zugleich auch Mitglied der Ersten Kammer des Badischen Landtags war. Zwei Jahre darauf schlossen sich die lutherische und die reformierte zur vereinigten badischen Landeskirche mit Hebel als oberstem Geistlichen zusammen. Für seine Verdienste um die Kirchenunion wurde dem Theologen und Schriftsteller von der Universität Heidelberg die theologische Ehrendoktorwürde verliehen.

Dass nach dem Sohn eines einfachen Dienstbotenpaares einmal Schulen, Straßen und Plätze benannt sein würden, ahnte am 10. Mai 1760, als Johann Peter Hebel in Basel zur Welt kam, wohl niemand. Erst recht nicht, als Hebels Vater, ein Leinweber aus dem Hunsrück, starb als Johann Peter erst ein Jahr alt war, und er im Alter von 13 auch die Mutter verlor.

Hebels Eltern hatten im Sommer in Basel, im Winter im baden-württembergischen Hausen gearbeitet, der Heimat der Mutter. Der frühe Verlust beider Eltern mag die Ursache dafür sein, dass die Suche nach Heimat Hebel Zeit seines Lebens begleitete und auch sein Werk durchzog. Durch die Erfahrung, mal in vornehmen Haushalten in einer Großstadt und dann wieder in einem einsamen Dorf zu leben, habe ihn schon früh gelehrt, sowohl arm zu sein, als auch reich zu sein, wie Hebel als 60jähriger schrieb.

Johann Peter Hebel hatte zuletzt die Lateinschule in Schopfheim besucht, als er zur Vollwaise wurde; die Lehrer rieten seinem Vormund, ihn studieren zu lassen. Durch dessen Förderung und dank einer kleinen Erbschaft konnte Hebel 1774 ins Karlsruher Gymnasium illustre eintreten. Vier Jahre später begann er in Erlangen Theologie zu studieren, bestand 1780 das Examen und arbeitete zunächst als Hauslehrer im südbadischen Hertingen. 1782 wurde er ordiniert und unterrichtete ab 1783 Latein, Griechisch, Geschichte, Geometrie, Deutsch, Geografie und Religion am Pädagogium in Lörrach. Daneben predigte er. 1791 wurde Hebel als Subdiakon an das Karlsruher Gymnasium berufen, erhielt ein Jahr später den Titel eines Hofdiakons und 1798 den eines Professor extraordinarius; ab 1806 war er Kirchenrat.

Von Goethe gelobt, vom Großherzog gefördert

In den Jahren 1799 bis 1802 entstanden die mundartlichen „Alemannischen Gedichte“, eine Sammlung von Gedichten und Liedern über die Natur und bäuerlichen Lebensalltag, die Hebels Ruhm als Erzähler für das deutsche Volk begründeten: U.a. Jean Paul und Goethe rezensierten die Dialekt-Gedichte lobend. Zu Hebels Lebzeiten wurden die „Alemannischen Gedichte“ sechsmal autorisiert und zehnmal unautorisiert wiederaufgelegt sowie ins Hochdeutsche und in andere deutsche Mundarten übertragen; im 19. Jahrhundert waren sie einer der am häufigsten aufgelegten Titel der deutschen Literatur.

Bis zum Jahr 1824 lehrte Johann Peter Hebel am Gymnasium in Karlsruhe. Am 22. September 1826 starb er auf der Reise von Mannheim nach Heidelberg in Schwetzingen – wo er auch begraben liegt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebten Hebels Schriften eine Renaissance, wurden u.a. von Kafka und Walter Benjamin hoch geschätzt und rückten – nun als Klassiker – wieder ins allgemeine literarische Interesse. Neben den „Alemannischen Gedichten“ sind heute in der Hauptsache seine „Biblischen Geschichten“ und vor allem das „Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes“ bekannt – eine Prosa-Sammlung von Hebel neu erzählter volkstümlicher Geschichten, Berichte und Anekdoten.

(Judith Weidermann, Redakteurin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit)