
Einen Einblick in die großen theologischen Unterschiede zwischen der lutherischen und reformierten Kirche erhalten Sie unter: Theologische Unterschiede.
Lebensstationen
Bretten, Pforzheim, Heidelberg, Tübingen, Wittenberg
Herkunft
Sohn des Rüstmeisters Georg Schwarzerdt und seiner Ehefrau Barbara, geb. Reuter.
Sein Großvater war Bürgermeister in Bretten, später sein Bruder Georg.
Ausbildung
Schulbesuch in Bretten, Hauslehrer Johann Unger, Lateinschule Pforzheim, Studium in Heidelberg (Bakkalaureus), Studium in Tübingen (Magister Artium). Durch Reuchlins Empfehlung wurde er 1518 Professor für Griechisch in Wittenberg.
Lehre
Durch seinen Unterricht in Pforzheim und vor allem durch seinen Verwandten und väterlichen Mentor Johannes Reuchlin war er humanistisch geprägt. Durch die Begegnung mit Luther in Wittenberg von dessen Theologie und Programm ergriffen wurde er der wichtigste Mitstreiter Luthers. Eine erste systematische Darstellung reformatorischer Theologie gelang ihm in den Loci Communes von 1521. Sein Bemühen um eine Einigung mit den römisch-katholischen Theologen bewies er durch das Augsburger Bekenntnis 1530 und seine Verteidigung (Apologie). Im Unterschied zu Luther ist bei ihm eine stärker pädagogische Ausrichtung der Rechtfertigungslehre erkennbar. Ziel seines Wirkens und Lehrens war die Verbindung von Bildung und Frömmigkeit.
Kirche
Im Augsburger Bekenntnis definiert er Kirche als Versammlung aller Gläubigen, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden. Denn das genügt zur wahren Einheit der christlichen Kirche. Einerseits findet sich bei ihm klare Ablehnung von Lehre und Praxis der römischen Kirche (Messe, Anrufung der Heiligen, Priesterzölibat etc.) andererseits ist auch das Bemühen um einen Grundkonsens und eine Kompromissbereitschaft in Fragen der Verfassung deutlich.
Verhältnis zum Staat
Klare Ablehnung der politischen Forderungen der Bauern und alternativer Modelle von Staat und Gesellschaft.
Betonung der Verantwortung der Fürsten auch für die Kirche und die rechte Lehre.
Sakramente
Taufe, Abendmahl und Beichte. In der Lehre vom Abendmahl kämpft er für eine Verständigung mit den oberdeutschen Theologen. Die Konsensformel in der Wittenberger Konkordie von 1536 war wichtig für die Weiterentwicklung der Abendmahlslehre innerhalb der protestantischen Kirchen bis zur Leuenberger Konkordie 1970.
Kulturelle Leistung
Melanchthons Leistung für und seine Wirkung auf die Kultur sind bekanntermaßen gewaltig. Vor allem das Bildungswesen wurde durch ihn beeinflusst. Als Universalgelehrter hat er auf fast allen Gebieten durch seine Vorlesungen, Reden und Bücher gewirkt. Sein Ehrentitel Praeceptor Germaniae (Lehrer Deutschlands) unterstreicht dies.
Gegner
Als Mitstreiter Luthers wurde er zunächst von katholischen Theologen angegriffen. Seine Kompromissbereitschaft wurde ihm als Hinterlist ausgelegt. Von so genannten Lutheranern, vor allem von seinem ehemaligen Schüler Matthias Flacius, wurde ihm Verrat an Luther vorgeworfen.
Melanchthons Wirkung in ganz Europa ist kaum zu überschätzen. Durch seine Schriften und seine Briefe war er in Verbindung mit Theologen und Gelehrten aller Fachrichtungen, mit humanistisch geprägten Freunden und Staatsmännern in Frankreich, England, Italien, Polen und Ungarn.
