Trialog-Predigt mit Erzbischof Stephan Burger, katholische Kirche, Freiburg und Bischof Emmanuel von Christoupolis (Sfiatkos), Vikarbischof der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland
Manchmal sind die Augen größer als der Hunger. Das war bei den Israeliten in der Wüste nicht anders als an Familientischen. Vor allem aber gehört es zu den großen Herausforderungen für ein gerechtes und gutes Leben für alle. Wie können wir mit dem, was da ist, so umgehen, dass es für alle gut ist? Dass alle satt werden und nichts umkommt. Die Ansage Gottes in den Wüsten ist klar: „Sammelt jeder so viel, wie jeder zu essen braucht. Einen Krug pro Kopf.“ Soviel wie es braucht, um den Hunger zu stillen.
Gottes Auftrag lautet: „Nimm, so viel du brauchst. Du sollst nicht hungern. Du sollst aber auch nicht horten oder verschwenden.“ Nicht erst seit den Klopapierhamsterkäufen dank Corona ist klar, dass darin eine ziemliche Zumutung steckt. Gerade wenn die Zeiten unsicher sind, versuchen wir langfristig zu planen, uns abzusichern, die Vorratsräume zu füllen. Zeitlebens hatten meine Großeltern Unmengen von Kartoffeln im Keller. Weil sie wussten: es können auch Hungerzeiten kommen, Krieg und Flucht. Sie hätten nie etwas verschwendet. Aber die Angst vor erneutem Mangel hat sie durchaus Kartoffeln horten lassen.
Es braucht viel Gottvertrauen und Vertrauen ins Leben, um sich zu begrenzen. Darauf zu setzen, dass es reicht – das Brot im Schrank, die Liebe, die andere für mich im Herzen tragen, die Zeit, die sie mir schenken. Dass es reicht und dass alle gut leben können.
Manna, das Brot, das wir zum Leben brauchen reicht über das täglich Brot hinaus. Es ist Himmelsbrot. Gottes Zuwendung zu uns. Meine Lebenszeit und Zeit für andere. Offen geht. Der Himmel ist offen für uns. Halten wir unsere Herzen offen – für das, was Gott uns schenkt. Sein Wort, seine Liebe und den Mut und die Kraft zum Leben.
Gott versorgt uns alle, die Seinen mit Brot für den Leib und für die Seele. Im Krieg und bei täglichen Ausgrenzungen ist das wie Himmelsbrot. Wir erleben den offenen Himmel, wenn wir mit anderen das teilen, was wir zum Leben brauchen – unabhängig davon, woher sie kommen. Dann schmecken und sehen wir die Fülle von Gottes Segen. Und schmecken und sehen, dass wir Vielen und Vielfältigen eins werden.
Offen geht. Und offen muss gehen. Auch in unserem Land. Wir müssen unsere Städte und Kommunen, unser Land offen dafür halten, dass Menschen Aufnahme finden, die Schutz suchen und Schutz brauchen.
Offen sein heißt auch Menschen ein Bleiberecht zu ermöglichen, die schon lange hier mit uns und unter uns leben. Menschen, die als Pfleger in Kliniken arbeiten, die in Lohn und Brot stehen, die gut integriert sind. Menschen, die auch dann nicht zurück in ihre Herkunftsländer können, wenn ihr Asylantrag abgelehnt wurde. Sie müssen ein Bleiberecht haben und behalten. Dass wir diese Menschen abschieben, ist ein Skandal.
Offen geht. Eine offene Gesellschaft geht. Als Christinnen und Christen in der Gemeinschaft der Kirchen halten wir den Himmel offen. Halten wir auch die Herzen offen! Für Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit. Damit alle unter Gottes offenem Himmel leben können. Frei und versorgt mit dem, was es zum Leben braucht.
