Grußwort zum Fastenmonat Ramadan 2023
Liebe Musliminnen und Muslime in Baden und Württemberg, sehr geehrte Damen und Herren,
erst kürzlich haben wir einige von Ihnen kennengelernt – wir sind dankbar für dieses erste Treffen und den Austausch – nun grüßen wir, die Landesbischöfin von Baden und der Landesbischof von Württemberg, zum Ramadan und zum Fest des Fastenbrechens Sie ganz herzlich im Namen unserer Kirchen und aller ihrer Mitglieder. „Ramadan mubarak“ oder „Ramadan karim“ – gute Wünsche werden ausgesprochen, mögen Sie frohe und behütete Fastentage feiern.
Dieses Jahr können Sie den Fastenmonat frei von allen Einschränkungen begehen, die in der zurückliegenden Pandemiezeit diesen Höhepunkt im Leben der muslimischen Gemeinschaft überschattet und eingeengt haben. Das ist ein Grund zur Freude, die wir mit Ihnen teilen.
Unser Gruß gilt insbesondere allen Muslimen und Musliminnen hier, die durch familiäre, freundschaftliche oder berufliche Verbindungen in die Erdbebenregion persönlich betroffen sind von dieser schrecklichen Katastrophe und ihren Folgen; er gilt auch allen, die Familienangehörige aufgenommen haben oder auf vielfache andere Weise Hilfe geleistet haben und weiterhin leisten.
Die Jahreslosung – das Bibelwort, das für evangelische Christen und Christinnen über dem ganzen Jahr 2023 steht – heißt: „Du bist ein Gott, der mich sieht!“ (1. Mose 16,13) Es ist Hagar, die hier redet, die Mutter Ismaels, des Erstgeborenen Abrahams. In größter Not erfährt sie das rettende Eingreifen Gottes und sagt daraufhin diesen Satz. Diese Geschichte verbindet uns.
Möge die kommende Zeit Ihnen und uns allen Trost und Frieden spenden und die gute Erfahrung machen lassen, dass Gott uns auch in schwieriger Lage (an)sieht.
Mit großer Wertschätzung nehmen Christen wahr, wie muslimische Gläubige in der Übung des Fastens ihre ganzheitliche Hinwendung zu Gott körperlich, seelisch und spirituell vertiefen in Ehrfurcht und Dankbarkeit Gott gegenüber und im Mitgefühl für die Mitmenschen. Der Brauch der Einladung zum gemeinsamen Fastenbrechen mit Familien, Nachbarn und in der Moschee ist ein Zeichen des Teilens, das sich nicht allein auf die muslimische Gemeinschaft erstreckt, sondern auch viele Menschen anderer Religionen und Weltanschauungen teilhaben lässt. Wir wünschen Ihnen und uns, dass daraus positive und nachhaltige Impulse für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft ausgehen.
Im gemeinsamen Feiern kann mit der Freude auch Vertrauen wachsen, das im Alltag zu Kontakt und Zusammenarbeit bei gemeinsamen Anliegen führt. Nicht nur große Aktionen, auch kleine Gesten und Taten, die von Herzen kommen und mit Respekt und Empathie wahrgenommen werden, bewirken viel. Als christliche wie als muslimische Menschen können wir aus unserem jeweiligen Glauben heraus für das gemeinsame Wohl einen wichtigen Beitrag leisten – immer da, wo wir auf die Zukunft unserer Gesellschaft hoffnungsvoll schauen, wo wir für ein friedliches, faires und gerechtes Umgehen eintreten, wo wir angesichts des Klimawandels konkrete Schritte gehen für die Bewahrung der Schöpfung.
Möge das gemeinsame Fastenbrechen in Ihren Familien und Moscheen Ihnen allen Freude und Ermutigung schenken in dieser herausfordernden Zeit.
Mit herzlichem Gruß
Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart
(Evangelische Landeskirche in Baden)
Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl
(Evangelische Landeskirche in Württemberg)
Grußwort zum Ramadan als PDF-Dokument zum Download:

