Ansprache bei der Einführung von Pfarrer Dirk Schmid-Hornisch als Dekan (15.09.2023)

Lieber Herr Schmid-Hornisch, lieber Festgemeinde,
 
schon auf dem Weg hin zur Wahl haben Sie einen langen Atem bewiesen. Manchmal dauern Verfahren lang. Langer Atem – das ist eine wichtige Voraussetzung für das Amt des Dekans. 
Wie schön, dass wir Sie heute mit der Einführung unter den weiten Segen Gottes stellen können – in den Windstrom des Heiligen Geistes. In den ersten Wochen hier im Kirchenbezirk und in der Vorbereitung auf ihr Amt haben Sie schon viel gehört von dem, was die Menschen hier im Kirchenbezirk bewegt. 
Erwartungen und Wünschen, gute Ratschlägen und sicher auch hier und da Sorgen darüber, wie es gehen wird mit dem Weg unserer Kirche und hier im Kirchenbezirk.
Anpacken, losgehen mit dazu beitragen, dass das Evangelium strahlt im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald – und dass die Kirchen sich füllen mit Menschen und Mut, mit Gesang und Gelassenheit, mit Hoffnung und Heiterkeit. 
Viele Erwartungen an den neuen Dekan! Umso wichtiger die Ausrichtung, die uns mit dem Wochenspruch für die kommende Woche in den Mund und ins Herz gelegt worden ist:
 
All eure Sorgen werft auf ihn – denn er sorgt für euch. – so ermutigt uns der 1. Petrusbrief. (1Petr 5,7)
 
Nun sollten Sorgen nicht das Erste sein, was Ihnen mit Blick auf Ihr Amt einfällt. Aber dass es einen gibt, dem wir mit Schwung und Schmackes das hinwerfen können, was uns bewegt und manchmal auch sorgt – das schon! 
Als Dekan werden Sie viel mit Strukturfragen zu tun haben, damit, wie Abläufe runder laufen, wie Kirche sich frisch und attraktiv zeigt, wie Gemeinden gut im Blick sind und sich gesehen wissen. 
Und dazwischen immer wieder der ein oder andere frustrierte Brief, manche vielleicht auch wütend – und immer voller Erwartungen. Wir machen uns Sorgen! Richten Sie es, lieber Dekan!

Die großen Erwartungen und die unzähligen Aufgaben können auch und gerade Menschen in Leitungsämtern auslaugen – ob sie nun hauptamtlich oder ehrenamtlich unterwegs sind. Und es ist eine Verführung für uns alle, die wir Leitungsverantwortung haben, dass wir die Sorgen aller Welt meinen lösen zu müssen. Dass wir sie auf der Seele behalten, nachdem wir sie uns zu Herzen genommen haben. 
Dabei gilt die Ermutigung zum Sorgen Werfen aus dem Wochenspruch auch Ihnen als Dekan. 
Alle Sorgen – alle Last des Leitungsamtes – haben einen Ort: wir können und wir sollen sie dem hinwerfen, der für uns sorgt. Christus selbst. Er trägt die Not der Mühseligen und Beladenen und der Blick auf ihn stärkt auch Dekane in ihrem Amt. 

Ein Dekan hat es gut in so einem vielfältigen Bezirk wie Breisgau-Hochschwarzwald mit seinen Gemeinden und Einrichtungen, mit seiner Diakonie und Jugendarbeit, mit seinen vielfältigen und vielseitigen Frömmigkeitsstilen – und mit der Weite des Rheintals wie mit den Höhen des Schwarzwalds.

Sie werden als Dekan das kirchliche Leben stärken, achtsam umgehen mit Traditionen und Erwartungen ernst nehmen. Sie werden ein offenes Ohr haben für unterschiedliche Interessen und spüren, was hinter Anfragen steckt. Sie werden manches, was auseinanderstrebt, zusammenhalten – und Sorgen ernstnehmen, aber sie nicht zum Berg aufhäufen. Sie werden neue Initiativen unterstützen, Kooperationen stärken und den Blick weiten. Sie werden Prozesse strukturieren, eingeschlagene Wege mutig und visionär mit weitergehen und in Konflikten den verschiedenen Seiten deutlich machen, dass die Anderen und Anderes auch ein Recht haben. Manches werden Sie entscheiden, manchmal auch unbequeme Nachrichten überbringen. 

All das tun Sie als einer, der wie alle anderen vom Ruf Jesu lebt: Werft Eure Sorgen auf mich – ich sorge für Euch!
 
Wenn Sie selbst einmal Hilfe brauchen oder unsicher sind, werden andere da sein: Synodale, Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakoninnen und Diakone, Menschen in Verwaltung und Sekretariat, Ehrenamtliche, Gemeindeglieder – und auch Kolleginnen und Kollegen im Dekansamt. Der Anfang vom Sorgen wegwerfen ist manchmal, sie mit anderen zu teilen.
Wir leben in einer Zeit der Umbrüche. Schon immer. Anders ist Kirche gar nicht zu denken. 

Sie, lieber Herr Schmid-Hornisch werden gefragt werden, wohin Sie wollen, im Großen und im Kleinen. Nicht nur in unserer Kirche werden Sie das gefragt, sondern auch von Kommunen und Vereinen, von Schulen und Betrieben. Was trägt uns? Woran sollen wir uns orientieren? Wohin sollen wir gehen?
Auch als Dekan leben Sie aus der Kraft des Gebetes. Ich glaube, wir brauchen eine Haltung in unserer Kirche, die auf Empfang gestellt ist. Offene Hände, Ohren und Herzen für das, was Gott an uns tut. 

Wir freuen uns auf Sie, lieber Herr Schmid-Hornisch: Auf Ihre Klarheit und Ihre Gelassenheit, auf Ihren langen Atem und auf Ihre geistliche Kraft! 
Auch als Dekan müssen Sie die Kirche nicht retten. Niemand von uns muss das. Die Rettung der Kirche ist nicht unsere Sache. 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich immer mal Zeit nehmen können für einen Moment des Gebets, vielleicht in einer der Kirchen hier im Bezirk. Oder für einen Kaffee bei der Silberlilly. Dass Sie sich getrost und gelassen Zeit nehmen für Freundschaften und für die Familie - und für Pausen. 
Auch Ihnen als Dekan gilt die Zusage Gottes: All eure Sorgen werft auf ihn – er sorgt für euch.
So sei es. So ist es. Auch in Ihrer Zeit als Dekan. 
Amen.