Schöne Aussichten - Predigt im ZDF-Fernsehgottesdienst von der Insel Mainau, 30.06.2024

Liebe Gemeinde, 
Nie die Hoffnung aufgeben, dass mir das Glück einmal nah sein wird. Tage und Nächte darauf warten. Töne zum Wegträumen und Losgehen. Mitten in der Schönheit der Blumeninsel und im Bodensee. Und wissen, dass noch etwas auf uns wartet. Auf dich und auf mich. Gerade jetzt. 
 
Das Lied vom Weg zum Himmel, der hier und jetzt anfängt ist kein glattes Lied aus der Traumfabrik, das nichts wüsste von den Brüchen im Leben. Im Gegenteil. Als es geschrieben wurde, waren die Zeiten düster in unserem Land. Wirtschaftskrise, viele hatten von einem Tag auf den anderen alles verloren, es gab kaum Arbeit. 
Und wer Arbeit hatte, für den hat der Lohn kaum zum Leben und schon gar nicht für eine Wohnung gereicht. Anfang der 30er Jahre. 
Da träumen sich im Film zwei weg aus dem ausgemusterten Eisenbahnwaggon, der am Stadtrand ihre Wohnung war. Weg in die weite Ferne, dort wo Ruhm und Geld und Glück verheißen sind. In die schöne neue Welt. Ein schöner Traum. Aber im Traum erkennen sie auch, dass selbst dort die Schattenseiten des Lebens drohen: Neid und Missgunst, Spott und Menschen, die ihnen übel mitspielen. Das verändert den Blick auf das Leben hier und jetzt. Irgendwo auf der Welt. Hier an diesem Fleckchen – da fängt der Weg zum Himmel an. 
 
Ich kenne das gut. Gerade dann, wenn die Zeiten schwer sind. Gerade jetzt, wo die Bilder, die mir tagtäglich vor Augen stehen kaum auszuhalten sind. 
Nie die Hoffnung aufgeben, dass mir das Glück einmal nah sein wird. Tage und Nächte darauf warten. Töne zum Wegträumen und Losgehen. Mitten in der Schönheit der Blumeninsel und im Bodensee. Und wissen, dass noch etwas auf uns wartet. Auf dich und auf mich. Gerade jetzt. 
Das Lied vom Weg zum Himmel, der hier und jetzt anfängt ist kein glattes Lied aus der Traumfabrik, das nichts wüsste von den Brüchen im Leben. Im Gegenteil. Als es geschrieben wurde, waren die Zeiten düster in unserem Land. Wirtschaftskrise, viele hatten von einem Tag auf den anderen alles verloren, es gab kaum Arbeit. 
Und wer Arbeit hatte, für den hat der Lohn kaum zum Leben und schon gar nicht für eine Wohnung gereicht. Anfang der 30er Jahre. 
Da träumen sich im Film zwei weg aus dem ausgemusterten Eisenbahnwaggon, der am Stadtrand ihre Wohnung war. Weg in die weite Ferne, dort wo Ruhm und Geld und Glück verheißen sind. In die schöne neue Welt. Ein schöner Traum. Aber im Traum erkennen sie auch, dass selbst dort die Schattenseiten des Lebens drohen: Neid und Missgunst, Spott und Menschen, die ihnen übel mitspielen. Das verändert den Blick auf das Leben hier und jetzt. Irgendwo auf der Welt. Hier an diesem Fleckchen – da fängt der Weg zum Himmel an. 
Ich kenne das gut. Gerade dann, wenn die Zeiten schwer sind. Gerade jetzt, wo die Bilder, die mir tagtäglich vor Augen stehen kaum auszuhalten sind. 
Gewalt und Hass an den Kriegsschauplätzen weltweit und auf unseren Straßen. Entgleiste Hasskommentare in Social Media und im E-Mail-Postfach. Hochwasser. 
Und im ganz persönlichen Leben die Einbrüche, wenn Freundschaften ins Wanken geraten, wenn plötzlich Misstrauen herrscht, wo früher Vertrauen getragen hat. Wenn die Gesundheit schwindet und die Kraft nicht mehr reicht.
 
Dann ist es verlockend, sich einfach in eine andere Welt zu träumen. Auszubrechen, wenigstens für einen Tag und ein paar Stunden. Das kann wohltuend sein. Manchmal braucht auch die Seele eine Auszeit – zum Beispiel hier auf der Mainau. Aber ganz so einfach ist es natürlich nicht. 
 
So einfach war es noch nie. 
Der Komponist des Liedes, Werner Richard Heymann, verlässt Deutschland nur ein halbes Jahr, nachdem sein Lied das erste Mal die Herzen erfreut hat. Kaum an die Macht gekommen, haben die Nazis begonnen, jüdisches Leben zu vernichten. Die UfA hatte von einem Tag auf den anderen, alle jüdischen Mitarbeiter zu entlassen. Bei Werner Richard Heymann wollten sie eine Ausnahme machten. Sie wollten sich einsetzen für ihn bei der neuen Regierung, schließlich sei er Frontsoldat gewesen und evangelisch getauft. Als Heymann das erfährt, verlässt er über Nacht Deutschland, mit zwei Koffern in den Händen und 600 Mark in der Tasche. 
 
In so einem Land konnte und wollte er nicht mehr leben. Es begann schleichend. 
Auch heute ist jüdisches Leben gefährdet. Wieder höre ich von den jüdischen Freundinnen und Freunden, dass sie sich hier nicht mehr sicher fühlen, dass ihre Söhne die Kippa nicht mehr öffentlich tragen und ihre Töchter die Kette mit Davidstern unter dem T-Shirt verstecken. Die Angst ist mit Händen zu greifen. Nie wieder darf es passieren, dass Nachbarinnen und Nachbarn wegschauen, wenn jüdischen Menschen ihr Zuhause genommen wird. Das Ringen um schöne Aussichten inmitten von düsteren Zeiten ist so alt wie unser Glaube. 
 
Ich stehe mit beiden Beinen hier auf der Mainau, in diesem Paradiesgarten. Ich sehe den Himmel aufblitzen, hier und da. Hier fängt es an, aber die schönen Aussichten bleiben Aussichten, auf das, was noch kommt. 
Im letzten Buch der Bibel lässt uns der Seher Johannes an seinen Visionen teilhaben. Visionen von der Welt, auf die er hofft. Visionen von dem, was meinen Glauben ausrichtet nach vorn. Visionen davon, wie es sein wird, wenn die schönen Aussichten Wirklichkeit geworden sind.
 
Was für Aussichten: lebendiges, sprudelndes und kristallklares Wasser. Seine Quelle ist Gott selbst. In diesem besonderen Garten, den der Seher Johannes in seiner Vision gesehen hat, steht ein ganzer Wald von Bäumen des Lebens. Sie tragen Früchte nicht nur im Spätsommer, sondern 12 Mal im Jahr, jeden Monat. Dann wird es nichts mehr geben, bei dem die Macht des Bösen mit Händen zu greifen ist. Nichts Verfluchtes mehr. Dann tun die Wunden und Schrammen nicht mehr weh, die so viele Geschundene an sich tragen. Dann werden die Nächte der Fragen und der Verzweiflung ein Ende haben. Ja, sogar alle Lichtquellen von Lampe bis Sonne werden nicht mehr nötig sein, weil das Leuchten Gottes über allem strahlt. 
Das ist kein billiges Vertröstungsbild einer besseren Zukunft. Das, was wir hier und heute sehen und erkennen, ist – sei es gut, sei es schlecht – ist Stückwerk. Es ist nicht das vollkommene und ganze Bild, aber es sind Bruchstücke von jenem Ganzen, das alles zusammenführt, was ich heute noch nicht sehen und verstehen kann. Und auch die Brüche in meinem Leben haben nicht das letzte Wort. Davon hat schon der Apostel Paulus geredet in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth. 
Das Beste liegt noch vor mir, die Aussichten sind gut. Trotz allem. 
Das wirft ein anderes Licht auf meine Gegenwart. 
 
Ich muss und ich kann hier nicht das perfekte Leben leben. Das Leben ist kostbar und ich kann jede Menge gestalten, kann mich entscheiden, wie ich durchs Leben gehe. Und doch bleibt das Entscheidende meinen Händen entzogen. Ob mein Leben gelingt. Ob ich die große Liebe treffe und sie dann auch ein Leben lang trägt. Ob mir Gesundheit vergönnt ist und ein waches und ein weiches Herz. Zu all dem tragen wir bei durch den Schatz, der in uns liegt. Aber am Ende bleibt immer noch etwas offen. Am Ende bleibt auch das wunderbarste Leben unvollkommen. Gott fügt die Bruchstücke zusammen. Gott sieht weiter und tiefer als wir es je können. Das ist manchmal ganz schön schwer auszuhalten. Und manchmal ist es auch einfach wunderbar. 
In den Gärten lässt sich das mit Händen greifen. Hier auf der Mainau in den kunstvoll angelegten Gärten und in den Ecken mit Wildwuchs und alten Bäumen. Und zwischendrin öffnet sich der Blick auf den See. 
 
Auch in der Bibel passieren die wesentlichen Dinge im Garten. Ganz am Anfang der Schöpfung setzt Gott den Menschen in den Garten Eden. Mitten hinein. Zum Baum des Lebens und zum Baum der Erkenntnis. Und am Abend jenes Tages, an dem Adam und Eva mehr und das Ganze sehen wollten und ihnen die Augen aufgetan wurden, da ging Gott in der Abendkühle im Garten Eden spazieren. 
 
Er sucht die beiden, er stellt sie zur Rede, aber er beschämt sie nicht. Sie verlieren nicht ihr Gesicht und ihre Würde. Denn Gott selbst stattet sie mit Schurzen aus. Wir sind nicht ausgeliefert. Nie dürfen Menschen ausgeliefert sein. Nicht an Hunger und Armut, erst recht nicht an andere, die ihre Würde verletzen und die sie beschämen durch Gewalt und Missbrauch. 
 
Der Garten Eden, das Paradies und die Sehnsuchtsorte, die wir im Herzen tragen, sie ziehen ihre Spur bis hin in einen anderen - Garten – den Garten Gethsemane. Dort hat Jesus in den letzten Tagen seines Lebens mit dem Vater gerechtet und gebetet: „Wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorüberziehen.“ Auch die Verzweiflung angesichts von Beschämung und Tod ist Gott nicht fern. Er ist für uns durch alles hindurchgegangen. Zu den Gärten, in denen wir uns bewegen, gehört auch immer wieder der Garten Gethsemane. Der Garten, in dem die verzweifelte Suche nach Trost ihren Platz hat – und die Hoffnung, dass etwas gut ausgehen möge, auch wenn es gar nicht gut aussieht. 
 
Im Garten des Lebens unter Gottes Himmel sind auch die bitteren Erfahrungen aufgehoben. Sie können manchmal wie ein Joch sein, das mich niederdrückt und mir das aufrecht gehen und stehen schwer machen. Aber auch in den verwinkelten Wegen der Gärten Gethsemane rechne ich mit Gott. Damit, dass er mein Seufzen hört. 
Aber am Ende, am Ende wird das Wasser sprudeln und das Unvollkommene vollkommen sein. Am Ende wird alles neu. Das macht mir schon heute Mut, auf das Neue zu setzen. Neu loszugehen. Irgendwo auf der Welt. Wo ich eben gerade bin. Denn hier und jetzt und an meinem Ort auf der Welt fängt der Himmel an. Darauf baue ich.
 
Und auf den Frieden Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft. Er bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.