Grußwort zur Seligsprechung von Max Josef Metzger am 17.11.2024 im Freiburger Münster

Verehrter Erzbischof Stephan,
Eminenzen und Exzellenzen,
liebe Schwestern und Brüder,
 
es ist für mich sehr bewegend und eine große Ehre und Freude, an der Seligsprechung Max Josef Metzgers teilnehmen zu können. Es berührt mich umso mehr, als ich selbst Teile meiner Kindheit in Schopfheim verbracht habe und nun dank seiner Seligsprechung diesen Sohn des kleinen südbadischen Städtchens besser kennengelernt habe. Heute am Volkstrauertag stehen uns die Opfer von Gewalt und die Sinnlosigkeit der Kriege in besonderer Weise vor Augen. 
 
Wie passend und wie angemessen, dass wir gerade heute die Seligsprechung von Max Josef Metzger feiern, dieses Mannes, der sich unermüdlich für Frieden, Versöhnung und die Einheit der Christen einsetzte, der sein Leben „Gott angeboten hat für den Friedender Welt und die Einheit der Kirche“ – in Zeiten, die von Hass und Gewalt gezeichnet waren und in denen das Gespräch über Konfessionsgrenzen hinweg alles andere als selbstverständlich war. 
 
In Max Josef Metzger begegnen wir einem Glaubenszeugen, der zu der Wolke von Zeugen gehört, von denen der Hebräerbrief spricht. Er gehört zu der Wolke von Zeugen, die uns den Weg des Friedens weisen und uns auch heute zurufen: Habt Mut, bleibt in der Hoffnung und lebt den Frieden Christi.
Als Christinnen und Christen leben wir im Horizont der Wolke und im Miteinander der Zeuginnen und Zeugen. Wir brauchen den Blick auf die vor uns, die durch den Glauben an Christus auch da aufrecht und stark waren, wo die Welt und die Zeit ihnen die Hände gebunden hatte. 
 
Was für ein Glaubenszeugnis, dass Max Josef Metzger an Ostern 1944 in der Einsamkeit der Gefängniszelle mit seit Monaten gefesselten Händen ein Lied schreibt, das von der Auferstehung Christi singt! Er hatte die Worte im Herzen, die über dem heutigen Tag als Losung aus dem Herrnhuter Losungsbucht stehen: „Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ Max Josef Metzger lebte aus dieser Verheißung des Propheten Jeremia (Jer 29,11) und vertraute unerschütterlich und kompromisslos darauf, dass Gott für diese Welt Gedanken des Friedens hat und dem Leid eine klare Absage erteilt – selbst in den finstersten Zeiten von Zertrennung, Krieg und Glaubensarmut. 
 
Diese Hoffnung, die Gott selbst schenkt, war für ihn die Kraftquelle, aus der er die Vision einer friedlichen, geeinten Christenheit schöpfte. Selbst in der bedrängenden Kälte der Gefängniszelle konnte er schreiben: „In der Sicherheit der Gnade des Herrn, seines Ewigen Lebens, ist mein Alltag nun so ruhig und fröhlich geborgen, dass ich kaum mehr einen zagen Gedanken habe, der mich stärker bewegen kann.“
Er lebte in der „herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“, von der Paulus, den er als seinen Bruder empfand im Römerbrief und im Lehrtext des heutigen Tages spricht. Max Josef Metzger wusste, dass diese herrliche Freiheit bereits in Christus angebrochen ist, dass sie uns befreit und vereint. 
 
In Jesus Christus, dem König des Friedens, gibt es keine Trennung mehr, in ihm sind alle Unterschiede aufgehoben. Max Josef Metzger war davon überzeugt und hat mit seinem Leben dafür Zeugnis abgegeben, dass Jesus Christus größer ist als alle Differenzen. Als Teil der Wolke der Friedenszeugen hat er erkannt, dass wahre Einheit und Freiheit nur in Christus zu finden sind. Für diese Vision hat er bis in den Tod gelebt – mit dieser Hoffnung vor Augen ist er für den Henker eindrücklich mit „frohleuchtenden Augen“ in den Tod gegangen.
 
Als Kirche Jesu Christi sind wir verbunden durch den einen Herrn der Kirche. Als unterschiedliche Glieder an seinem Leib bereichern wir einander, stützen einander und gehen im engen Gespräch miteinander Wege in die Zukunft – als Erzdiözese und als Landeskirche in Baden. In diesen von Polarisierung und Verwerfungen gezeichneten Tagen steht es uns gut an, dass wir als katholische und evangelische Christinnen und Christen unser Leben, Beten und Arbeiten Gott anbieten für den Frieden der Welt und die Einheit der Kirche. Zugleich spüren wir die Sehnsucht danach, dass unser gemeinsames Zeugnis auch sichtbar und spürbar wird am Tisch des Herrn.
 
Angesichts der tiefen Gräben und des Bombenhagels in Gaza, im Libanon und in der Ukraine, angesichts der bedrängenden Polarisierung in unserem Land, in den USA, in Argentinien und in Europa ist die Sehnsucht nach Frieden und Einheit drängender denn je. Wir brauchen Max Josef Metzgers Botschaft von Frieden und Einheit auch in unseren Tagen so dringend. 
 
Ich bin dankbar, dass wir als katholische und evangelische Christinnen und Christen gemeinsam im Geist von Max Josef Metzger unterwegs sind: mit einer klaren Stimme für den Frieden, getragen von dem Band der Einheit in Jesus Christus. 
Möge das Leben und das Zeugnis von Max Josef Metzger uns dabei bestärken, in die Wolke der Zeuginnen und Zeugen einzutreten und weiter auf den Spuren des Geistes in Christi zu gehen, um Brücken zu bauen, Frieden zu leben und über Trennungen hinweg das Gemeinsame zu suchen. 
Gottes Gedanken des Friedens über uns und seine herrliche Freiheit in Christus geben uns Zukunft und Hoffnung – und die Kraft, zu Friedensstiftern zu werden. 
 
 
 
Denn: Selig sind die Frieden stiften – denn sie werden Kinder Gottes heißen.