Feiern unter Sternen – Predigt im Festgottesdienst zu 50 Jahre Europapark, 05.06.2025

Ihr lieben großen und kleinen Kinder, 
liebe Freundinnen und Freunde des Europaparks,
 
so einmal im Jahr gab es geheimnisvolles Getuschel zwischen meinen Eltern. Manchmal auf Englisch, solange wir das als Kinder noch nicht verstanden haben. Später anders verklausuliert. 
 
Und dann wurde uns Kindern am Frühstückstisch mitgeteilt: wir machen heute einen Ausflug zum Hamburger Hafen! – Bis Hamburg sind wir an diesen Sonntagen auf der A5 nie in den Norden gefahren – sondern immer bis hierher in den Europapark. 
Beim Blättern in den Alben meiner Kindheit sehe ich mich erst auf der Märchenbahn und stolz wie Oskar den Oldtimer lenken. Und später auf der Wildwasserbahn und natürlich bei den Piraten von Batavia. 
Das Tor zur Welt war an diesen Kindheitswochenenden für mich nicht der Hamburger Hafen, sondern der Europapark. Bis heute liebe ich es, dass sich eine neue Welt eröffnet, wenn man durch das Eingangstor gegangen ist. Was für eine Weite ist da zu erleben. Europa an einem Tag. 
 
Stell‘ dich in die Weite! Wie in einem großen Zelt ist hier die Welt zu erleben. Bei den vielen Sprachen, die in der Schlange zum Fjordrafting zu hören sind. Und in Kroatien sind alle Stimmen zum begeistert-panischen Kreischen der Voltron-Fahrer vereint zu hören. Und alle, alle sind wieder Kinder. Gottes Kinder!
Stell dich in die Weite – und schau in die Sterne! 
 
Abraham steht unter dem Nachthimmel und sieht staunend die vielen, vielen Sterne. Jeder einzelne Stern steht für einen Nachkommen, den Gott ihm verspricht. 
Glitzernder und strahlender Segen und ein großes Versprechen Gottes. 
Du wirst eine Zukunft haben – eine, die weit über dich und dein Leben hinaus geht. Kinder und Kindeskinder. Ob es Nachkommen sind oder die Spuren, die du mit deinen Gedanken, deinen Geschichten und deinem Leben legst. 
 
Und du bist aufgehoben in einer Welt, die größer ist als das, was dich in deiner alltäglichen Welt festhält. Wir sind alle Teil einer Welt, in der es glitzerndes Glück und himmelsschreiendes Unglück gibt. Wir sind Teil von Europa, das im Zeichen seiner Sterne Versöhnungsgeschichten erzählen kann – und Teil einer Welt, in der unsägliche Kriege und Gewalt herrschen. Genau in dieser Welt hält der Blick an den Himmel die Hoffnung groß.
 
Abraham erfährt von Gott: 
Segen ist konkret und Segen hat Gesichter. Die Gesichter seiner Nachkommen. 
Der Segen ist so reich wie die unendlichen Sterne, die am Himmel zu sehen sind. 
Jeder einzelne Stern eröffnet eine neue Welt. 
 
Jede einzelne Idee und jedes Detail, das hier im Europapark Wirklichkeit wird und von so vielen Köpfen und Händen gestaltet wird und von Ihnen, liebe Familie Mack, mit so viel Herzblut inspiriert und betrieben wird – jeder einzelne Stern lässt das Dunkel zu einem bezaubernden Lichtermeer werden. 
Segen lässt sich nicht zählen. Glück lässt sich nicht messen. 
Egal, wie meine Lebensbilanz so aussieht oder auch nur die Liste dieses Tages – Gottes Segen geht darüber hinaus. Selbst da, wo ich vor allem Leere, enttäuschte Hoffnungen und gebrochene Sehnsucht sehe, öffnet der Blick in den Himmel eine neue Aussicht. 
Da kommt noch etwas. Manchmal nach sehr langer Zeit. Manchmal braucht Mut Zeit – ob zum Leben oder beim Achterbahnfahren. Ich musste erst 50 werden, um das erste Mal Poseidon zu fahren. Mehr Achterbahn hab ich mich noch nicht getraut. Es bleibt auch immer etwas offen im Leben. 
 
Und es gibt Melodien, die als Kinderlied daher kommen und ein Leben lang Halt geben. „Weißt du, wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt“ – das ist so ein Lied. 
Gott der Herr hat alle Sternlein am Himmel gezählt. Jedes einzelne. Dass ihm auch nicht eines fehlet. Wie er die Sterne kennt und die Mücken, die in dem Lied auch vorkommen – so kennt er jeden und jede seiner Menschenkinder. 
Jeder und jede von uns ein Stern an Gottes Himmel. Der Stern, den Ihr alle in der Hand habt – summt bei genauem Hinhören die Melodie … kennt auch dich und hat dich lieb, kennt auch dich und hat dich lieb.
 
Was für ein Fest unter Sternen – und unter Gottes weitem Himmel. Was für ein Segen. Amen.