Liebe Bärbel Schäfer,
ein kluger Mensch hat einmal gesagt: „Wer eine Mitte hat, kann weite Kreise ziehen.“ Beides passt zu Dir als Theologin, als Pfarrerin und als Dekanin. Du hast eine besondere Liebe zum Labyrinth. Es ist für Dich ein zentrales geistliches Symbol. Wer auf einem Labyrinth unterwegs ist, ist auf dem Weg zur Mitte. Langsam, schreitend, gelegentlich stößt man an Grenzen, manchmal sieht man den Wald vor Bäumen und das Ziel vor Hecken nicht, wenn es ein hochgewachsenes Labyrinth ist. Ganz so wie im Leben und wie im Leitungsamt in der Kirche allemal. Am Eingang eines Labyrinths, das Du einmal in Freiburg mit Konfi-Eltern gebaut hast, hast Du Worte des Propheten Jeremia gesetzt: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht Gott.“ Von ganzem Herzen neugierig und auf der Suche bleiben – und darauf bauen, dass Gott sich finden lässt. Mit dieser geistlichen Haltung bist Du Pfarrerin und warst Du 15 Jahre lang Dekanin.
Weite Kreise und ein weiter Geist haben Dein Berufsleben geprägt. An den vielen verschiedenen Stationen in Landeskirche hast Du ziemlich viel von dem gestaltet und erlebt, was man so als Pfarrerin erleben kann. Du warst Pfarrerin auf dem Dorf und in der Stadt, Du hast Dir mit Deinem damaligen Mann und Vater Eurer Kinder eine Stelle geteilt, warst Mitarbeiterin in der Frauenarbeit im Oberkirchenrat und jetzt seit 15 Jahren Dekanin hier im Markgräflerland. Hier, wo alles zusammenkommt: Dörfer und Stadt, die internationale Weite des Dreiländerecks und eine lebendige Ökumene über den Rhein hinweg. Und zu allen Deinen beruflichen Stationen sagst Du: „So richtig alleine war ich nie.“ Auch damit warst Du wegweisend unterwegs, auch schon zu Zeiten, in denen Teams im Pfarramt noch nicht so selbstverständlich waren wie heute.
Seit Deinem Konfirmandenunterricht vor 53 Jahren hast Du verinnerlicht, was es heißt, dass in der Unionsurkunde, sozusagen der Präambel zur Verfassung unserer badischen Landeskirche festgeschrieben ist, dass wir befreundet sind mit den Christen und Christinnen in aller Welt. Deine Leidenschaft für die weltweite Ökumene hast Du in Studienreisen auch anderen weitergegeben und Du bist auch in diesen Tagen, in denen an so vielen Stellen der Blick und das Kreisen um das Eigene die Weite einschränkt, eine beharrliche und gewinnende Mahnerin, dass wir als Kirche immer in einem weiten Horizont unterwegs sind, Freundinnen und Freunde der weltweiten Christenheit und dass der Blick über den Tellerrand mehr als ein gelegentliches Spickeln sein muss.
Deine geistlich inspirierte Neugier hat Dein Wirken als Dekanin geprägt – auch hier wieder nicht allein, sondern mit drei Stellvertretern und mit den vielen Haupt- und Ehrenamtlichen im Team. In all deinem Engagement hast Du auch ausgestrahlt und gelebt, dass es nicht die Dekanin ist – ja, dass es kein Mensch in einem Leitungsamt ist – der oder die die Kirche retten muss. Aber Du hast mit langem Atem und weitem Horizont dazu beigetragen, dass sich auch hier im Markgräflerland die Kirche für die Zukunft gut aufstellt und weiter unterwegs bleibt dabei, von ganzem Herzen nach Gott zu suchen und die Hoffnung nicht aufzugeben, dass Gott sich finden lassen wird.
Nach 15 Jahren nimmst Du jetzt Abschied vom Amt als Dekanin und 40 Jahre nach deiner Ordination Abschied aus dem aktiven Dienst als Pfarrerin. Das ist kein leichter Schritt. Aber auch das Abschiednehmen hast Du in den letzten Jahren gelernt und lernen müssen.
Gott wird sich weiter finden lassen von Dir – und das Leben jenseits von allen Abschieden, ganz gewiss. Du bist auch künftig nicht allein. Und bei den vielen Hobbies mit Musik und Tanz und Reisen hast du eines mit einem Ausrufezeichen versehen: „Enkelkinder genießen!“
Ob im Labyrinth im Sortieren dabei wie das gehen kann im neuen Lebensabschnitt oder in der großen Weite, in der Du auch weiter unterwegs sein wirst – ökumenisch, mit Deinen Söhnen und Töchtern und den Enkelkindern – vergiss die Zusage nicht, die auch über dem Eingang in deinen Ruhestand steht: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich finden lassen, spricht Gott.“
Und geh getrost über die Schwelle. Gesegnet und getragen von Gottes Geist. Amen.
