Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Liebe Christiane Glöckner-Lang, liebe Silke Dangel,
Ihr wagt es hier in diesem neuen Kirchenbezirk Neckar-Kraichgau, ungewohnte Wege zu gehen. Gemeinsam mit allen anderen, die hier in der Bezirkssynode seit Jahren um Zusammenwachsen und Neusortieren, Aufeinander zugehen und sich aneinander Gewöhnen ringen. Nirgends sonst in Baden gab es bisher den Titel einer „bezirksverbindenden Dekanin“, den Du, liebe Christiane in den zurückliegenden Monaten getragen hast. Jetzt sind die Bezirke verbunden, im Herzen schon längst, in den Strukturen auch und irgendwann dann auch rechtlich, wenn die allerletzten Fragen geklärt sind. Du bist aber schon gewählt – jetzt als Dekanin für den künftigen Kirchenbezirk Neckar-Kraichgau. So weit so klar.
Und die Schuldekanin? Du, liebe Silke, bist mit dem heutigen Tag auch ganz offiziell beauftragt für den kompletten Bezirk, zu dessen Zusammenwachsen Du so viel beigetragen hast. „Bis auf Weiteres“ heißt es auf der Urkunde. Als sie ausgestellt wurde, wusste noch niemand, dass das „Weitere“ schon bald kommt. Am letzten Mittwoch hat der Landeskirchenrat Dich als Oberkirchenrätin gewählt und Anfang des neuen Jahres wirst Du die Leitung des Referats „Bildung in Schule und Gemeinde“ übernehmen. Darüber freut sich die Landeskirche, der Oberkirchenrat und die Bischöfin. Und ich kann mir vorstellen, dass hier im Bezirk der ein oder andere darüber auch betrübt ist. Aber ich sage Ihnen: es ist großartig, dass ein Stück Neckar-Kraichgau bald am Tisch des Kollegiums sitzt. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Heute wirst Du beauftragt zur Schuldekanin in diesem Kirchenbezirk – bis auf Weiteres.
Und auch das ist ungewöhnlich: dass Dekanin und Schuldekanin gemeinsam eingeführt und beauftragt werden und gemeinsam predigen.
Ihr und Sie alle hier könnt einfach Verschiedenes zusammenbinden. Und seid damit ganz im Geist des Galaterbriefs unterwegs. Im dritten Kapitel schreibt der Apostel Paulus: „Da ist nicht jüdisch noch griechisch, da ist nicht versklavt noch frei, da ist nicht männlich und weiblich: denn alle seid ihr einzig-einig in Jesus Christus.“ Alle gehören wir zusammen, weil wir zu Jesus Christus gehören. Von ihm gerufen und berufen sind. Von ihm getröstet und getragen sind. Durch ihn erlöst von allem, was uns bindet und lähmt und kleinmacht. Das ist das Band, das uns alle zusammenhält. Ob Ehrenamtliche oder Hauptamtliche. Ob Dekanin oder Schuldekanin. Ob Sozialhilfe-Empfänger oder Hausbesitzerin. Ob glaubensgewiss oder zweifelnd. Ob Neckargemünd-Eberbach oder Kraichgau. Ob musikalisch oder sportlich. Ob jung oder alt. Alles das, was unsere Vielfalt ausmacht ist da und gibt es – aber es trennt uns nicht. Das ist das Wunderbare an der Kirche Jesu Christi. Dass die Verschiedenen zusammen kommen und zusammen gehören – und zusammen wachsen.
In dieser Gemeinschaft und für diese Gemeinschaft Leitungsverantwortung als Dekanin und als Schuldekanin zu übernehmen bedeutet in allererster Linie getragen zu sein von diesem Netz der Verschiedenen. Manchmal bedeutet es auch, zerrissen zu sein zwischen den verschiedenen Ansprüchen und dem Versuch, allen gerecht zu werden. Wer so leidenschaftlich leitet wie Ihr beide, bei der wird das nicht ausbleiben. Umso wichtiger ist es, dass auch die, die Leitungsverantwortung haben in der Kirche getragen sind – und zwar mitunter viel ertragen müssen, aber nicht alles allein auf den Schultern tragen.
Es ist der gemeinsame Glaube an Jesus Christus, der die Kirche trägt und aus dem auch Du, liebe Christiane in Deinem Amt als Dekanin und Du, liebe Silke in Deinem Amt als Schuldekanin lebst. Möge Gott Euren Dienst segnen. Und wir alle getragen sein von dem Glauben, den wir jetzt singend bekennen. Amen.
