Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Liebe Frau Hankel, liebe Frau Hanser, lieber Herr Gnädinger, lieber Herr Hosmann, lieber Herr Pacyna, lieber Herr Schneeweiß,
liebe Festgemeinde,
In unseren gemeinsamen Tagen auf der Ordinationsrüste haben wir sehr ernsthaft darüber nachgedacht, was dieser Schritt heute für Sie heißt – persönlich, theologisch, für die Kirche und Ihr Amt. Und wir haben mit einem Kleinod aus dem bischöflichen Regal auch heiter erlebt, wie das ist, wenn sich die verschiedenen spirituellen Geschmäcker in dem Mensch im Talar finden. [Luther]
Für alle, die nicht dabei waren: es handelt sich um ein Gefäß für Spirituosen, das mein Vorgänger einmal geschenkt bekommen hat – vermutlich zum Reformationsjubiläum.
Dass der Reformator kopflos werden muss, um ihm die Spirituosen zu entlocken, mag durchaus etwas aussagen über den Kern des evangelischen Kircheseins.
Wie kann das gehen, auf den Spuren Jesu zu gehen, in seinen Spuren Verantwortung zu übernehmen – als Christenmensch und allemal als ordinierte Pfarrperson? In seinem Evangelium bietet Lukas uns Stoff zum Nachdenken. Im 9. Kapitel heißt es: Als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm:
Liebe Frau Hankel, liebe Frau Hanser, lieber Herr Gnädinger, lieber Herr Hosmann, lieber Herr Pacyna, lieber Herr Schneeweiß,
liebe Festgemeinde,
In unseren gemeinsamen Tagen auf der Ordinationsrüste haben wir sehr ernsthaft darüber nachgedacht, was dieser Schritt heute für Sie heißt – persönlich, theologisch, für die Kirche und Ihr Amt. Und wir haben mit einem Kleinod aus dem bischöflichen Regal auch heiter erlebt, wie das ist, wenn sich die verschiedenen spirituellen Geschmäcker in dem Mensch im Talar finden. [Luther]
Für alle, die nicht dabei waren: es handelt sich um ein Gefäß für Spirituosen, das mein Vorgänger einmal geschenkt bekommen hat – vermutlich zum Reformationsjubiläum.
Dass der Reformator kopflos werden muss, um ihm die Spirituosen zu entlocken, mag durchaus etwas aussagen über den Kern des evangelischen Kircheseins.
Wie kann das gehen, auf den Spuren Jesu zu gehen, in seinen Spuren Verantwortung zu übernehmen – als Christenmensch und allemal als ordinierte Pfarrperson? In seinem Evangelium bietet Lukas uns Stoff zum Nachdenken. Im 9. Kapitel heißt es: Als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm:
Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: „Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege“.
Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach!
Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.
Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!
Und ein andrer sprach:
„Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind.“
Jesus aber sprach zu ihm:
„Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“
Bei aller gemeinsamen Entschiedenheit für das Pfarramt haben Sie alle doch einen unterschiedlichen Sound im Herzen und auf den Lippen. Und das ist gut so. Bei denen, die in unserem Text Jesus begegnen war das nicht anders.
Da ist einer, der entschieden, überzeugt und vollmundig sagt: „Ich will dir folgen, wohin du gehst.“
Das klingt nach Entschlossenheit. Nach Aufbruch. Nach Zukunft. Aber Jesus antwortet überraschend nüchtern, vielleicht sogar ernüchternd: „Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“
Das ist kein Pauken-und-Trompeten-Moment mit Fanfaren für den Weg in den Dienst der Kirche. Die Antwort Jesu ist eine Einladung zur Ehrlichkeit. Christin und Christ zu sein ist kein aalglatter Weg zur Seligkeit – Pfarrerin und Pfarrer sein erst recht nicht. Es ist ein Weg auf den Spuren dessen, der zwar voll und ganz, mit Haut und Haar und vollem Risiko in dieser Welt war – aber eben nicht von ihr. Und der am eigenen Leib erlebt hat, wie sich die Welt, die Meinungsmacher und die Wohlmeinenden gegen ihn verbündet haben.
Da ist einer, der entschieden, überzeugt und vollmundig sagt: „Ich will dir folgen, wohin du gehst.“
Das klingt nach Entschlossenheit. Nach Aufbruch. Nach Zukunft. Aber Jesus antwortet überraschend nüchtern, vielleicht sogar ernüchternd: „Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“
Das ist kein Pauken-und-Trompeten-Moment mit Fanfaren für den Weg in den Dienst der Kirche. Die Antwort Jesu ist eine Einladung zur Ehrlichkeit. Christin und Christ zu sein ist kein aalglatter Weg zur Seligkeit – Pfarrerin und Pfarrer sein erst recht nicht. Es ist ein Weg auf den Spuren dessen, der zwar voll und ganz, mit Haut und Haar und vollem Risiko in dieser Welt war – aber eben nicht von ihr. Und der am eigenen Leib erlebt hat, wie sich die Welt, die Meinungsmacher und die Wohlmeinenden gegen ihn verbündet haben.
Mit Blick auf Jesus wird die Welt offenbar als eine, in der es oft keinen Raum gibt für den Gottessohn und für Gott selbst. Weil Türen verschlossen bleiben. Weil Augen blind bleiben für das, was es in dieser Welt an himmelschreiendem Leid gibt und Ohren taub für die, die davon erzählen.
Die erste Antwort Jesu klingt nach: „Hast Du Dir das gut überlegt?“ Gewiss haben Sie diese Frage in den letzten Monaten und Jahren auch immer mal wieder gehört. Von anderen und von sich selbst. Trotz aller absichernden Strukturen, in der Pfarramt bei uns verankert ist, sagen Sie heute Ja zu einem Amt, das gerade auch darauf verzichtet, alles im Voraus zu wissen und zu kennen, das darauf verzichtet, in gleichförmig durchgetakteten Tagen Erwartbares zu tun.
Heute ist ein Tag zwischen Rückschau und Aufbruch – dem Predigttext zum Trotz. Beim Blick zurück sehen Sie lange Wege. Wege des Lernens an der Uni, in den Gemeinden, im Petersstift. Wege des Zweifelns und des Hoffens. Wege, auf denen Sie nicht allein waren.
Freund*innen und Kommiliton*innen, die Ausbildungsgruppe und die Lehrpfarrer*innen, akademische Lehrer*innen und die Dozierenden im Petersstift – und die, die Sie im Ausbildungsreferat im Oberkirchenrat begleitet haben. Ihre Familien, Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter. Hier und da werden Ihnen auch Menschen vor Augen stehen, denen Sie vielleicht nur ein einziges Mal begegnet sind, die aber mit einem einzigen Satz oder einer einzigen Frage ein neues Fenster aufgemacht haben.
Zum Blick zurück heute am internationalen Frauentag gehört auch der Blick dafür, dass es nicht vom Himmel gefallen ist, dass wir heute ganz selbstverständlich Menschen in all ihrer Verschiedenheit ordinieren: Frauen und Männer, queere Menschen und solche, die auch als Familienmütter und Familienväter im Pfarramt arbeiten wollen. Erledigt ist das Thema einer wirklich diversen und bunten Kirche noch lange nicht, da haben wir noch viel zu tun – aber auf den Schultern derer vor uns, die dafür gekämpft haben, gehen wir diesen Weg weiter. Bunt und mit einem klaren Blick dafür, dass die Vielfalt menschlichen Lebens und Liebens auch die Kirche reich macht.
Und dann hören wir wieder das Evangelium.
Jesus sagt zu einem anderen: „Folge mir nach.“ Der aber antwortet: „Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.“ Und Jesus sagt schroff und sperrig: Lass die Toten ihre Toten begraben! Du aber geh hin – und geh los. Subito! Ohne zögern. Nicht noch alles Mögliche erledigen – und dann… Die Zeit zu gestalten und zu verkündigen ist jetzt.
Diese Sequenz sagt viel darüber aus, wie es so ist im Pfarramt, in der Kirche und im Leben eines Christenmenschen. Da kommen die entscheidenden Situationen, in denen wir gerufen sind, meist ungelegen, oft ungeplant und immer unvermutet. Wenn die Konfirmandin nach dem Konfi-Unterricht sich noch im Gemeindehaus rumdruckst und sich dann anvertraut mit dem, was ihr schwer auf der Seele lastet. Wenn die Weltlage so ist, dass alle schön geplanten Gottesdienste noch ein anderes Thema haben. Wenn in einer Spontanaktion gemeinsam mit anderen aus dem Ort oder dem Sozialraum alle miteinander aufstehen und Gesicht zeigen gegen Hass und Hetze.
Manchmal muss es schnell und subito! gehen. Wenn es ums Wesentliche geht.
Sie, liebe Ordinandi*nnen treten heute in einen Dienst ein, der schöner ist, als viele denken – und anspruchsvoller, als viele ahnen.
Sie werden Menschen taufen und segnen.
Sie werden mit jungen Menschen entdecken, was es auf sich hat mit dem christlichen Glauben – in der KiTa, in der Schule und im Konfiunterricht.
Sie werden trösten.
Sie werden predigen – manchmal mit klarem Herzen, manchmal auch mit zitternder Stimme.
Sie werden trösten.
Sie werden predigen – manchmal mit klarem Herzen, manchmal auch mit zitternder Stimme.
Sie werden mit Menschen glauben und beten. Und manchmal auch für sie glauben, wenn ihnen selbst die Worte fehlen.
Sie werden mit darüber nachdenken und daran bauen, wie unsere Kirche gut in die Zukunft gehen kann.
Immer wieder werden sie dabei die Bewegung von Rückschau und Aufbruch erleben.
Rückschau – auf das, was trägt.
Auf die Tradition der Kirche.
Auf die Geschichten der Bibel.
Auf die Erfahrungen der Menschen.
Auf die Tradition der Kirche.
Auf die Geschichten der Bibel.
Auf die Erfahrungen der Menschen.
Auf manches, was aus guten Gründen schon immer so war.
Und Aufbruch – weil Gottes Geist immer weiterführt.
Weil Kirche nie fertig ist und schon gar nicht perfekt – egal, wie gut oder wie schlecht die Prozesse hin zu einer zukünftig aufgestellten ekiba2032 laufen.
Weil das Evangelium immer wieder neu gesagt werden muss, in die Gegenwart hinein.
Und dann kommt der dritte Mensch im Evangelium.
„Ich will dir folgen, Herr; aber zuvor erlaube mir, Abschied zu nehmen von denen, die in meinem Haus sind.“
Einer, der bewusst über die Schwelle gehen will. Der bewusst Altes und Bisheriges hinter sich lassen will und Abschied nehmen, damit Neues beginnen kann. Auch er handelt sich eine deutliche Ansage von Jesus ein:
„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“
Pflügen kann man nur mit dem Blick nach vorn. Sonst wird die Furche krumm. Aber der Boden, den wir beackern, den haben andere vor uns beackert und den werden andere nach uns beackern.
Bei allem Bewusstsein für das, was Sie heute hierher gebracht hat – der entscheidende Blick der Ordination ist der Blick nach vorn. Ordination ist nicht der krönende Abschluss der Ausbildung – sondern die Segnung und Beauftragung für das, was jetzt vor Ihnen liegt.
Ich wünsche Ihnen, dass sich beim Blick nach vorn ein weiter Freiheitsraum eröffnet. Mit der eigenen Verantwortung geht auch die eigene Freiheit einher. Sie gestalten als die, die Sie sind Ihr Pfarrer*in Sein. Sie müssen und Sie sollen nicht irgendeinem Pfarr-Klischee entsprechen – das haben die Menschen von ganz allein.
Aber wenn sie merken, dass Ihnen eine Person begegnet mit Leidenschaft für die Theologie und das Leben, mit einem Glauben, der seinen Grund hat und weiß, wo die Risse sind, vor allem eine Person, die nicht nur von der Gnade redet, sondern mit anderen und mit sich selbst gnädig unterwegs ist – dann wird etwas spürbar vom weiten Horizont des Ackers, den wir als Menschen im Pfarramt gemeinsam mit all den anderen, die hauptamtlich und ehrenamtlich Kirchen gestalten, pflügen.
Nicht zurück schauen, sondern getrost nach vorn, das heißt auch: Sie dürfen und müssen auch mit Blick auf das, was Sie gelernt haben immer wieder fragen: stimmt das für mich? Stimmt das für hier? Ist das noch das, was der Glaube und diese Zeit von mir verlangen? Braucht es nochmal einen neuen theologischen Blick? Ganz andere Ideen für die Gestaltung des kirchlichen Lebens als die bisher im Raum waren?
Je länger Sie Ihre Furche auf dem Feld ziehen, umso mehr werden sich diese Fragen immer wieder stellen.
Sie beginnen heute keinen Weg ins Ungewisse. Sie beginnen einen Weg, auf dem Christus längst unterwegs ist. Der, der ruft: „Folge mir nach“, geht selbst voraus – und ist schon längst da.
Er ist da in den kleinen Gesprächen im Pfarrhausflur.
In der stillen Kirche am Dienstagmorgen.
Am Krankenbett.
Am Taufstein.
In der stillen Kirche am Dienstagmorgen.
Am Krankenbett.
Am Taufstein.
Im Klasssenzimmer.
Am Grab.
Am Grab.
Und manchmal auch mitten in der Predigt, wenn plötzlich ein Satz mehr sagt, als wir selbst hineingelegt haben.
Der Tag Ihrer Ordination auch ein Tag der Hoffnung für unsere Kirche.
Weil heute spürbar und sichtbar wird: Die Geschichte Gottes mit den Menschen und mit seiner Kirche geht weiter.
Mit neuen Stimmen.
Mit neuen Fragen.
Mit neuer Hoffnung.
Mit neuen Fragen.
Mit neuer Hoffnung.
Sechs Menschen legen hier und heute ihre Hand an den Pflug.
Nicht perfekt.
Nicht ohne Zweifel.
Aber im Vertrauen darauf, dass Gott selbst die Spur hält. Die Zukunft der Kirche liegt nicht in unserer Sicherheit. Sie liegt in Gottes Treue. Darum gehen wir – rückblickend dankbar. Und aufbrechend mutig. Wir lassen den lieben Gott walten – und Sie gestalten.
Nicht ohne Zweifel.
Aber im Vertrauen darauf, dass Gott selbst die Spur hält. Die Zukunft der Kirche liegt nicht in unserer Sicherheit. Sie liegt in Gottes Treue. Darum gehen wir – rückblickend dankbar. Und aufbrechend mutig. Wir lassen den lieben Gott walten – und Sie gestalten.
Getragen vom Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft. Er bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.
