Es kommt selten was Besseres nach, aber mit der Zeit eben doch

Jörg Hirsch
„Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.“ Fast jede/r weiß, wie es weitergeht: „ein Birnbaum in seinem Garten stand“. Manche mussten die Ballade in der Schule auswendig lernen und können sie noch heute aufsagen. Die Geschichte ist rührend. Ein gütiger alter Adliger – ein Kinderfreund wie der Nikolaus – stopft in der Herbsteszeit goldgelbe Birnen in seine Taschen und verschenkt sie an den Jungen, der in Pantinen vorrübergeht und das Mädchen, das er des Weges kommen sieht. Irgendwann stirbt der Gutsherr. In weiser Vorausahnung verfügt er zuvor noch, mit einer Birne begraben zu werden. Denn sein Sohn „knausert und spart, hält Park und Birnbaum strenge verwahrt“, wie Fontane dichtete. Es kommt eben selten etwas Besseres nach.
Martin Luther hatte das auch schon festgestellt und von einer betagten Frau erzählt, die für das lange Leben ihres despotischen Fürsten betete. Warum tat sie das? Weil sie schon dessen Vorfahren kannte. Sie wurden von Generation zu Generation immer schlimmer. Deshalb wollte die alte Frau, dass der jetzige Tyrann lange lebt, weil sie damit rechnete, dass sein Nachfolger noch übler herrscht.
In Ribbeck im Havelland bohrt sich nach drei Jahren ein Birnbaumspössling durch die Erde. Auf dem Grab des alten Gutsherrn wächst ein prächtiger Birnbaum heran. Im Lauf der Zeit leuchten wieder die Birnen, wenn es Herbst wird. Aus dem Baum hören die Jungen und Mädchen, die vorbeikommen, die Einladung flüstern: „Wiste ne Beer?“
„So spendet Segen noch immer die Hand des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“, endet Fontanes Ballade.
Merke auf diese drei Dinge:
Zwar kommt oft was Schlechteres nach, aber unterschätze nicht Kraft der Geduld.
Gute Menschen hinterlassen Spuren.
Und die Zeit, sie heilt eben doch.
Pfarrer Jörg Hirsch