Ob Sie das wissen, weiß ich nicht, ich jedenfalls … weiß es nicht; vielleicht weiß irgendwer sonst „wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt“? Das ist nicht einfach: An zehn Fingern lässt sich‘s wohl nicht abzählen, auch der Blick ins nächtliche Firmament liefert nur Ergebnisse „Pi mal Daumen“ und selbst die Riesenteleskope in lateinamerikanischen Wüsten oder in der Umlaufbahn erhaschen nur einen dürftigen Ausschnitt aus der Fülle. Wieviel Sternlein stehen? Viel zu viele, um sie zu überblicken. Da kommen sich die Menschen auf ihrem kleinen blauen Planeten doch ab und an ziemlich verloren vor.
Das sind sie aber nicht. Dafür steht … ein einziger Stern. Der Stern über Bethlehem. Gott macht es uns nicht allzu schwer. Ein einziger reicht, ein Stern, der aber über eine ganze – unsere – Welt strahlt und ihr ankündigt, dass nichts und niemand verloren ist. Ein einziger? Ist das nicht ein bisschen mickrig angesichts der Vielzahl der Sorgen, die wir uns mit gutem Recht machen? Es steht doch (sprichwörtlich jedenfalls) in den Sternen, ob die gespaltene Gesellschaft wieder zusammenfindet, ob die Zukunft des überhitzten Planeten noch etwas kühler wird, ob die um- und aufbrechende Kirche ihren Weg findet und relevant bleibt, ob es eine weniger krisenhafte Zeit gibt nach der Pandemie. Hätte Gott uns nicht ein paar tausend Sonnen mehr überlassen können, damit die Zukunft eine strahlende sei?
Wie auch immer, er hat es nicht getan. Ich glaube, das hat er nicht, weil ein einziger Satz genügt, gerade so wie ein einziger Stern. Dieser Satz, das Versprechen, dieses Wort, das Gott gibt: Ich bin da. Weiß ich das, nehme ich es für wahr, verlasse ich mich darauf, dann wächst mir Mut zu. Der Mut, an Zukunft zu glauben, der Mut, die Hände zu regen dafür, der Mut, mein Leben zu wagen und das der anderen zu achten.
An dem einen und einzigen Weihnachtsstern fasziniert mich, dass es ein Wandel-Stern ist, kein Fix-Stern. Er steht nicht bräsig am Himmelszeit und behauptet sein hehres Licht und seinen ewigen Platz, die ihm gehören seit Abermillionen von Jahren. Der Wandel-Stern geht seinen Weg und der Weihnachtsstern geht Gottes Weg, aus der Ferne in die Nähe, die Gegenwart, aus der Dunkelheit ins Licht, vom Thron zur Krippe, zu den Menschen. Zu uns. Gott macht es uns leicht, mit diesem einen Stern, aber sich selbst macht er’s nicht eben leicht. Sein Wunsch, uns nahe zu sein, seine Liebessehnsucht kostet ihn den Thron, die himmlischen Hallen, den Engelsgesang und am Ende das Kreuz. Das sagt der eine Stern auch: Wir sind es ihm wert. Die ganze Schöpfung ist ihm teuer.
Ich weiß nicht, wieviel Sternlein stehen; aber an den einen, den der Weihnacht, auf den vertraue ich. Gott hat ihn in die Nacht gesetzt, damit wir ein Zeichen haben: Ich bin da, hier, bei euch, in dieser Welt. Das ist großartig, einzigartig – und gilt für jede und jeden unter diesem guten Stern.
