„Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lukas 21,28)
Klare Ansage!
Aufsehen.
Nicht nur auf die Füße starren, den halben Meter vor mir.
Sondern aufrichten. Das Haupt erheben.
Weil Erlösung kommt. Unsere Erlösung.
Klare Ansage!
Und wir?
Kaum dass wir ja den halben Meter vor den Füßen überblicken.
Heute so, morgen anders. So stolpern wir vor uns hin.
Der Herbst war noch golden, die Ernte reif. Aber zu wohlgemut ging es wohl zu, die Stimmen der Mahner verhallten. Und dann stiegen die Zahlen, kaum dass ich noch hinhören mag.
Dazu die Bilder aus den Kliniken, die müden Gesichter der Pflegenden.
Und die Debatten: Impfpflicht Ja oder Nein? Booster jetzt oder die Alten zuerst?
Und das Haupt will sich nicht heben.
Ja, am eigenen Schopf schaffen wir es nicht, unser Haupt zu heben.
Dabei redet der Text anders. Spricht von Erlösung. Die sich naht:
Ein Neues kommt.
Ein Neues, von dem wir schon gehört haben.
Alt ist die Nachricht – und doch immer wieder neu.
Im Kopf wissen wir, dass da einer kommt, ja, dass da einer gekommen ist.
In einer Krippe, seltsame Geburt, von Stern und Weisen wissen wir. Und dass er groß geworden ist und von etwas Neuem gesprochen hat. Die Menschen berührt hat er. Und damit brach Neues an.
Aber es soll ja nicht nur in meinem Kopf sein, dieses alte Neue.
Sondern auch in meinem Herz. Ganz tief soll es mich erreichen.
Deshalb die klare Ansage:
Die Erlösung kommt, sie naht. Vielleicht da vorne schon?
Deshalb strecke ich mich, sehe auf. Spanne mich aus nach ihr.
Denn Gott kommt.
In unsere Welt.
In unsere Zeit.
In unsere Rat- und Orientierungslosigkeit.
Mit seiner Liebe.
Und mein Haupt zieht es nach oben.
Es zieht den ganzen gebeugten Körper mit.
Und ich warte gespannt: wann begegnet er mir?
Im Adventslied heute Abend?
Im Lächeln im Bus?
Dem geschmückten Fenster der Nachbarin?
„Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“
Dekan Dr. Martin Mencke, Wiesbaden
