Vor meinem Wohnzimmerfenster steht eine Laterne mit funzeligem Licht, für die die Bezeichnung „Straßenbeleuchtung“ sehr schmeichelhaft ist. Sie spendet späten Heimkehrerinnen nur spärliches Licht und ist auch bei Tag unansehnlich. Doch diese Laterne tut Wunder.
Ich bin noch neu und fremd hier auf dem Land. Und weil es nicht allzu viel Abwechslung gibt, schaue ich abends gern aus dem Fenster. Sind das etwa Glühwürmchen da draußen? Tatsächlich - da fliegt ein Leuchtkäfer, und da noch einer! Aber so viele und so groß? Und dann sehe ich es: es sind einfach nur unterschiedliche Insekten, die in der Augustnacht unter der Lampe schwärmen. Aber in ihrem Licht werden sie zu leuchtenden Kugeln.
Und in einer kalten dunklen Winternacht, als auch noch Schneeregen fällt – da fallen glitzernde Juwelen, ein Perlenvorhang geht nieder - alles erzeugt durch das sonst schwache Licht der Laterne. Welch ein Wunder!
Wenn Gott an diese Welt rührt, wird sie verrückt. Unmerklich um ein unmerklich Kleines. Und wir werden alles in neuem Licht sehen. Das Vergessene wird zum Ereignis, das Unscheinbare erblüht in voller Pracht. Das, was wir hässlich nennen, erstrahlt in seiner eigenen Schönheit. Und bevor das noch nicht in seiner Vollendung so ist, achten wir auf die Zeichen: das erste zögerliche Licht nach langem Winter, den treuen Dienst einer städtischen Straßenlaterne, dann und wann unseren eigenen gütigen Blick.
Weihnachten und Epiphanias haben vom großen himmlischen Licht Zeugnis gegeben. Am 2. Februar, am Tag „Mariä Lichtmess“, endet die Weihnachtsfestzeit. Und jetzt - im Zwielicht zwischen Ende von Weihnacht und Epiphanie und dem Nochnicht der Passionszeit?
Jetzt sind wir dran. Vielleicht erkennen wir bereits erste schüchterne Blätter, die sich aus der Erde schieben, einen hellen Schimmer unter den Rinden. Und was entscheidender ist: vielleicht schauen wir ab und zu mit Wohlwollen und Liebe auf unsere Mitmenschen, Mitkreaturen und Dinge, entdecken das Leuchten in ihnen oder machen sie leuchten. Vielleicht wird nicht mehr von uns verlangt als dies.
