Es ist Passionszeit. Jedes Jahr versuche ich, in diesen sieben Wochen bewusster und langsamer zu gehen; genauer auf mich und die anderen zu schauen. Dieses Jahr hat der russische Überfall auf die Ukraine mein Innehalten brutal gestoppt. In einem Krieg bleibt keine Zeit innezuhalten, eher scheint zu gelten: Du musst dich entscheiden! „Which side are you on?“
Aber Gott will Frieden, nicht Krieg! Gott sieht in den Feinden die Geschwister – und leidet an ihrem Hass aufeinander. „Was hast du getan? Laut schreit das Blut deines Bruders zu mir vom Erdboden her.“ So stellt Gott Kain zur Rede, den Brudermörder. An diese Worte haben in der vergangenen Woche 25 Priester der russisch-orthodoxen Kirche ihre Gläubigen in Russland erinnert und ihnen zugerufen: „Lasst uns die Fastenzeit in einem Geist des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe beginnen. Stoppt den Krieg!“ Was für ein Mut!
Das Blut, das in diesem Krieg vergossen wird, das Unrecht, das hier geschieht, schreit zum Himmel. Gott hört die Klagen der Menschen, die sich in den Kellern fürchten, die ängstlichen Rufe der Kinder, die aus ihren Betten gerissen werden, das Weinen der Fliehenden, das Stöhnen der Verletzten, den letzten Atemstoß der Sterbenden. Gott hört, geht mit und richtet auf.
Gott überlässt diese Erde nicht den Mächten des Todes; darauf hoffen wir! Aus dieser Hoffnung schöpfen wir die Kraft, dem Unrecht zu widerstehen und für den Frieden einzutreten: durch Hilfe für die leidenden Menschen in der Ukraine, durch Solidarität mit denen, die sich in Russland gegen den Krieg stellen, durch offene Arme für die, die zu uns flüchten.
