Wenn ich jetzt an den Hängen und in den Weinbergen spazieren gehe, finde ich sie: pinkfarbene Blüten, mit denen der Wind spielt. Die Pfirsichbäume blühen. Mich erfüllt das immer noch mit Staunen. Ich bin in einem rauhen Klima aufgewachsen. Fichten und Tannen gediehen prächtig. Die Bergkirsche, in deren Schatten ich als Kind gespielt habe, hatte es manches Jahr schwer, ihre Blüten über den Spätfrost zu bringen. Unter Pfirsichbäumen habe ich nie gespielt, das waren Bäume des Südens, wo das Leben sonnengetränkt ist und Wärme den Tagen Leichtigkeit gibt.
Doch jetzt finde ich sie hier. Sie stehen da, wo die Sonne am kräftigsten die Erde ausleuchtet. Das ist oft am Rand der Weinberge. Weinbergpfirsiche sind köstlich. Ein bisschen Italien geht auch an den Hängen der Bergstraße und am Ufer des Neckars.
In der Bibel stehen die Weinberge für das gute Leben. In diesen Tagen denke ich daran, wenn ich an den Hängen spazieren gehe. Gutes Leben ist, einen Weinberg zu besitzen und Bäume zu pflanzen, in deren Schatten ein Mensch lesen, meditieren und die Früchte genießen kann und die Kinder spielen. Wer einen Weinberg hat, der wird in Frieden unter Gottes Himmel sitzen und satt werden. Wenn dieses Sehnsuchtsbild nach Gottes Schalom vor meinen Augen steht, dann sehe ich nun immer auch einen Pfirsichbaum am Rande blühen, in heftig pink.
In unseren Friedensgebeten singen wir nun oft das Lied vom Mandelzweig, der ein Zeichen ist, ein Fingerzeig dafür, dass die Liebe bleibt. Am liebsten möchte ich eine Strophe dazu dichten, Worte für den Pfirsichbaum am Rande des Weinbergs. Ja, lasst uns für die Pfirsichblüten ein Gedicht dichten. Lasst uns ein Lied für sie singen. Ein Lied von der Trotzkraft der Blüten, vom Frieden im Land, das nicht zum Raub wird, in dem der Weinberg bestellt wird, Menschen ihren Alltag haben und die Kinder in die Schule gehen und groß werden ohne Krieg und ohne Gewalt.
Wir brauchen sie jetzt so sehr, die Hoffnung und den Mut in Knallfarben.
