Paradies im Kleinen

Biene sitzt auf einer Blüte

Engagement & Freizeit

Sonja Fröhlich mag es gern auch mal anstrengend. Wenn sie „eben schnell raus in den Garten“ geht, kann das schon mal zwei, drei Stunden dauern. Denn der „Garten“ der Fröhlichs am Ortsrand von Bühl ist 6.000 Quadratmeter groß. Das entspricht knapp einem Fußballfeld. Sie und ihre Familie haben ihr Hobby zum Lebensmittelpunkt gemacht.

Sonja Fröhlich ist Bezirksjugendreferentin im Kirchenbezirk Baden-Baden-Rastatt. Vor neun Jahren zog sie mit Mann und Tochter ins Elternhaus ihres Mannes: Zu dem gehörte ein angrenzender alter Weinberg. Den Fröhlichs war schnell klar: Die Monokultur im konventionellen Weinbau und vor allem der damit verbundene Einsatz von Düngemitteln, Fungiziden und Unkrautvernichtern, das kommt für sie nicht in Frage.
 
Ehemann Frank räumte den Weinberg in Eigenleistung ab. In den folgenden Jahren entstand auf dem Gelände nach und nach ein buntes Natur-Paradies aus blühenden Wiesen, Obstbäumen, Gemüsebeeten und mit vielen Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten für Tiere. Vor allem die Bienen haben es dem Paar angetan: „Besser, als in den lustigen Bienentänzen, mit denen sie einander den schnellsten Weg zum Nektar erklären, hätte Gott seinen Humor und seine Begeisterung für seine Schöpfung doch gar nicht ausdrücken können“, sagt die Diakonin schmunzelnd.
 

Mischkultur statt Monotonie

In ihrem Garten setzen die Fröhlichs bewusst auf Permakultur. Wildhecken gibt es ebenso wie Mandelbäume, Kartoffelbeete und auch immer wieder unbewirtschaftete Bereiche – damit der Boden neue Kraft sammeln kann. Mit dieser gartenbauplanerischen Methode wird im Einklang mit der Natur und dem jahreszeitlichen Rhythmus nachhaltig und umweltschonend gewirtschaftet. „Wobei wir eigentlich das Wort Mit-Welt vorziehen“, erklärt Sonja Fröhlich: „Denn wir leben ja schließlich mit der Natur und sind selbst Teil von ihr.“ Seltene Eidechsen, Vögel und viele Insekten fühlen sich auf dem Grundstück wohl und finden in den bewusst angebauten Futterpflanzen reichlich Nektar; Igel, Dachs, Fuchs und Marder sind regelmäßig zu Besuch.
 
Die Hingabe der Fröhlichs an ihr Projekt, das inzwischen den klingenden Namen „Schlaraffental“ trägt, wurde 2020 auch von offizieller Seite ausgezeichnet: „Durch einen Hinweis in einer EOK-Infomail haben wir von der Ausschreibung zum Landesnaturschutzpreis erfahren“, erinnert sich Sonja Fröhlich. Und das Motto hätte besser nicht passen können: „Neue Naturschätze, von Menschenhand gemacht“. Die Fröhlichs bewarben sich und gewannen prompt. „Das ist für uns nicht nur an sich schon ein Highlight, sondern auch eine super Bestätigung dafür, dass das hier Hand und Fuß hat  und dass es sich gelohnt hat, dass mein Mann dafür vor einem Jahr seine Anstellung aufgegeben hat, um sich in Vollzeit Schlaraffental widmen zu können.“

„Langeweile ist nie mein Problem“

Klar, dass das Thema Nachhaltigkeit Sonja Fröhlich nicht nur privat, sondern auch beruflich stark beschäftigt. „Das fängt bei solchen Kleinigkeiten an wie, dass wir bei unseren Schulungen, Zeltlagern usw. auf den Einkauf von öko-fair-sozialen Produkten achten und keine Plastikflaschen anschaffen und hört auf bei klimaneutralen Freizeiten, für die wir extra einen Anbieter gefunden haben.“ Das sei nicht immer ganz einfach, aber wie eingangs erwähnt, „mag ich, was auch anstrengend ist! Gerade in der Jugendarbeit ändern sich die Dinge oft, es gibt häufig neue Formate und Angebote. Das ist einerseits ein Stressfaktor, bringt aber andererseits viel Frische mit rein.“ Sätze wie „das haben wir hier schon immer so gemacht“, die gebe es in der Jugendarbeit einfach nicht. Und dadurch werde es auch nie langweilig.
 
Eidechse klettert aus einem Stein

Eine „Hoffnungsgeschichte“

Die Jugendarbeit begleitet Sonja Fröhlich schon seit sie mit 13 Jahren mit ihrer Familie von München ins Badische zog – „für einen Teenager kein sehr gutes Alter zum Umziehen“. In der neuen Heimat fand sie Freunde in einer evangelischen Jugendgruppe und fühlte sich dort „so wohl, dass ich richtig dazugehören wollte und mich schließlich auch habe taufen lassen.“ Auch ihren Mann lernte sie kurze Zeit später bei der ehrenamtlichen Jugendarbeit kennen. Die Lust an der Gemeinschaft und an der Arbeit mit anderen Menschen hat die 46-Jährige seither nicht mehr losgelassen. Beides, das Anstrengende und die Freude daran, etwas Neues und Gutes zu schaffen, das haben die Jugend- und die Gartenarbeit ein Stückweit gemeinsam: „Die Vorstellung, dass Gott die Welt und uns alle erschaffen hat, ist meinem Mann und mir sehr wichtig“, betont Sonja Fröhlich. „Deshalb ist es uns ein Herzensanliegen, das alles zu bewahren und zu pflegen. Das ist für uns auch eine Form der Anbetung.“
 
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Sonja Fröhlich

Bezirksjugendreferentin im Kirchenbezirk Baden-Baden-Rastatt
 
Schon gewusst?
Auch badische Kirchengemeinden entwickeln artenfreundliche Lebensräume. Sie schaffen Nistmöglichkeiten für Turmfalken oder gestalten die Flächen rund um ihre Gebäude naturnah, z.B. durch die Pflanzung einer „Bienen-Weide“ (hier erfahren Sie mehr).