Gemeinsam auf dem Weg ins Pfarramt

Bildung & Beruf
„Wir gehen gerne raus und laufen“, erzählt Anja Kamper. „Also, auf einen Berg zum Beispiel“, ergänzt ihr Partner Sebastian Hantke. In ihrem Leben sind beide schon auf vielen Wegen unterwegs gewesen. Sie legte 1.000 Kilometer auf dem Jakobsweg zurück. Er wanderte sogar noch etwas weiter auf einem buddhistischen Pilgerweg durch Japan. Verschlungene Wege waren es auch, die die beiden 34-jährigen in denselben Vikariatskurs der badischen Landeskirche geführt haben.
Auf Umwegen zur Theologie
„Ich komme aus Württemberg und bin in Bad Boll aufgewachsen“, berichtet Anja Kamper. Nach der Realschule machte sie eine Ausbildung zur Werkzeugmechanikerin. „Damals habe ich gemerkt, dass das Lernen doch ganz gut funktioniert.“ Darum habe sie sich entschieden, in Stuttgart das Abitur nachzuholen. „Eigentlich hatte ich den Plan, danach Maschinenbau zu studieren.“ Über Umwege sei sie aber zur Theologie gekommen.

Sebastian Hantke und Anja Kamper, Heidelberg
Quelle: privat
„Wo du hingehst…“
Anja Kamper wechselte zum Studium nach Hamburg: „Ich habe ihm gesagt, dass er sich nicht einbilden soll, ich würde ihn von Hamburg aus jeden Tag anrufen“, sagt sie und grinst: „Was ich dann natürlich doch gemacht habe.“ Nach einiger Zeit war klar, dass es zusammen weitergehen sollte. Sebastian Hantke zog auch nach Hamburg: „Ich hatte die Idee, dort Film zu studieren und Drehbücher zu schreiben“, erzählt er. Davon habe er sich aber bald wieder verabschiedet. Stattdessen suchte er sich einen Job in der Gastronomie und arbeitete in einem Call-Center.
Als Anja Kamper zum Studium nach Leipzig ging, zog Sebastian Hantke mit ihr um. „In Leipzig habe ich dann relativ schnell entdeckt, dass ich dort Japanologie studieren möchte“, berichtet er. Schon lange habe er sich für das Land interessiert und während des Theologiestudiums über die „Evangelische Mission in Solidarität“ einen Auslandsaufenthalt zum Studium japanischer Religionen in Kyoto verbracht. „Meine Liebe zu Japan kam da wieder hoch“, sagt er. In den folgenden Jahren machte Sebastian Hantke in Leipzig seinen Bachelor in Japanologie.
Pilgern in Japan
Eine besondere Reise führte ihn 2019 erneut nach Japan: „Ich bin den Pilgerweg auf der japanischen Insel Shikoku gelaufen“, erzählt Sebastian Hantke: „Ohenro heißt diese Pilgerreise.“ An 88 buddhistischen Tempeln entlang führt der Pilgerweg aus dem Mittelalter einmal um die viertgrößte Insel Japans. Etwa 1200 Kilometer hat Sebastian Hantke dabei zu Fuß zurückgelegt: „Immer wieder neu aufzubrechen und jede Etappe neu anzugehen – das war schön!“
Mit dem Einstieg ins Vikariat ging es für Anja Kamper und Sebastian Hantke im Herbst 2020 in die Ortenau. „Wir wohnen in Ettenheim“, sagt Sebastian Hantke und lacht: „Wenn das Wetter gut ist, funktioniert das Internet.“ Ihre Ausbildungsgemeinden können sie beide von der gemeinsamen Wohnung aus erreichen. „Für uns ist es eine besondere Chance, dass wir das Vikariat zusammen machen können“, sagt Anja Kamper. „So können wir uns gegenseitig unterstützen.“
Gemeinsam auf dem Weg ins Pfarramt
Der Vikariatskurs, dem Anja Kamper und Sebastian Hantke angehören, ist einer der größten Kurse, die es in der badischen Landeskirche in den vergangenen Jahren gab. „Wir waren zeitweise 18 Personen“, erzählt Anja Kamper. Weil manche Teilnehmende beispielsweise Erziehungszeiten nähmen, um später wieder einzusteigen, andere aber auch mit Long-Covid zu kämpfen haben, sei die Kursgröße inzwischen auf 14 gesunken. „Die große Vielfalt in unserer Gruppe ist toll!“ Wie bei ihnen selbst hätten sehr unterschiedliche Lebenswege in die aktuelle Ausbildungsgruppe geführt. „Es gibt mehrere Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger“, sagt Sebastian Hantke: „Manche haben schon in anderen Berufen gearbeitet, an der Uni gelehrt oder sind Mütter und Väter, die im Familienleben stehen.“ Andere Kursmitglieder kämen direkt nach der Uni ins Vikariat. „Die verschiedenen Charaktere sind ein großer Gewinn!“
Auf die Frage, welche Träume und Vorstellungen sich mit der Entscheidung, ins Pfarramt zu gehen, verbinden, antwortet Anja Kamper: „Ich glaube an Gemeinschaft.“ Als Teenager habe sie Kirche als offen und einladend erlebt: „Es wurde ein Platz geschaffen für mich, in der Jungschar oder als Teamerin. Ich würde gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Ich würde aber auch insgesamt gerne dafür sorgen, dass Kirche vielfältig ist und Menschen unterschiedlicher Milieus in der Kirche ihren Platz finden.“ Sebastian Hantke erzählt: „Ich habe gemerkt, was mir wichtig ist und bin mehr zu mir selbst gekommen. Ich möchte gerne mit Menschen arbeiten und habe gemerkt, dass es mir am Herzen liegt, in meinem Beruf kreativ zu werden. Die Musik ist ein Weg dazu, der mir Freude macht. Ich würde gerne die Kirche zum Klingen bringen.“
Weitere Infos