Stark machen für gewaltfreie Konfliktlösungen

Politik & Gesellschaft
Frieden beschäftigt die Menschheit seit Anbeginn ihres Seins. Bis heute. Gottseidank. Oder leider? Man sollte meinen, dass nach Millionen Jahren evolutionärer Entwicklung die Menschen in Frieden miteinander leben können – aber weit gefehlt. Das Forum Friedensethik (FFE) setzt sich seit 20 Jahren mit der Friedensfrage auseinander.
In der badischen Landeskirche haben sich in Jahr 2000 rund 80 friedensengagierte Menschen zum „Forum Friedensethik“ (FFE) zusammengeschlossen, um die kirchliche Friedensbewegung zu reaktivieren und die Diskussion über friedensethische Grundsatzfragen zu fördern. Dazu arbeitet das FFE auch mit der Arbeitsstelle Frieden der Landeskirche zusammen. Regelmäßige Rundbriefe des Leitungskreises informieren die Mitglieder. Jährliche Studientage zu aktuellen friedenspolitischen Themen wenden sich auch an die interessierte Öffentlichkeit. Eingaben an die Landessynode, Gespräche mit Politikerinnen und Politikern, Petitionen und Presseerklärungen sind weitere Instrumente.
Heiße Kartoffeln anpacken
„Auslöser für die Gründung des FFE war die erste deutsche aktive Kriegsbeteiligung nach dem 2. Weltkrieg im Jugoslawienkrieg 1999“, erinnert sich Gründungsmitglied Dirk Harmsen. „In den Kirchen herrschte eine gewisse Ratlosigkeit, wie man sich dazu positionieren sollte. Die Weltlage stellte die christliche Ethik neu vor die Notwendigkeit einer Reflexion der Fragen von Krieg und Frieden.“
Leitungskreismitglied Manfred Jeub erklärt die Verfasstheit des FFE so: „Wir sehen uns auf die Landeskirche bezogen, agieren zum Teil unter ihrem Dach, haben aber einen unabhängigen Status und arbeiten ehrenamtlich.“ Mit der landeskirchlichen Arbeitsstelle Frieden verbindet das FFE die inhaltliche Ausrichtung und manche Zusammenarbeit, aber das FFE ist kein Organ der Landeskirche. „Das gibt uns Freiheit, jenseits von institutionellen Rücksichtnahmen und diplomatischen Zwängen Dinge klar beim Namen nennen, ,heiße Kartoffeln‘ anzupacken und eine Vorreiterrolle zu erproben.“, so Jeub.
Und „heiße Kartoffeln“ gibt es in der Tat immer wieder. Sei es, dass es um eine entsprechende Stellungnahme zum neuen Koalitionsvertrag geht („Ein Pazifist kann damit nicht glücklich werden!“), um eine neue Entspannungspolitik gegenüber Russland (Thema des letzten Studientages), die Ächtung von Atomwaffen „ohne Wenn und Aber“ – oder um eine klare Positionierung zu den Hilferufen der Christen in Palästina, die sich auch traut, von den Völker- und Menschenrechtsverletzungen des Staates Israel zu reden. „Ein roter Faden in unserer Arbeit ist das Starkmachen von gewaltfreien, zivilen Konfliktlösungen gegenüber dem Irrglauben, Frieden militärisch durchsetzen zu können, der die deutschen Auslandseinsätze bestimmt“, erklärt Manfred Jeub. „Wo bleibt die Aufarbeitung des gescheiterten Afghanistankrieges? Warum hört man dazu nichts von den Kirchen?“
Friedensarbeit als Kernaufgabe
Dennoch hält sich das FFE zugute, entscheidend daran mitgewirkt zu haben, „dass es ab 2013 in der Badischen Landeskirche einen friedensethischen Prozess gegeben hat, der die Friedensarbeit zu einer kirchlichen Kernaufgabe erklärt hat, wie es in der EKD beispiellos ist“, so Dirk Harmsen. „Das zeigt sich beispielsweise im Vorantreiben des Abrüstungs-Szenarios „Sicherheit neu denken. Von der militärischen zur zivilen Sicherheitspolitik – Ein Szenario bis zum Jahr 2040“ und in der Gründung des Freiburger Friedensinstituts.
In den vergangenen Jahren haben Themen wie Flüchtlingspolitik oder Klimakrise die Friedensfrage in puncto öffentlicher Relevanz abgelöst. Auch auf Kirchentagen und in den Gemeinden war das Thema zuletzt viel weniger präsent als noch in den 1980er und 1990er Jahren. „Tatsächlich greifen diese Dinge aber stets ineinander“, sagt Manfred Jeub. Denn jeder Euro, der beispielsweise in den Militäretat fließe, fehle wiederum für Klimaschutzmaßnahmen, und Kriege und Konflikte seien verantwortlich dafür, dass so viele Menschen aus ihrer Heimat flüchten müssen.
„Vor Jahren, als die Ost-West-Konfrontation zu Ende war, gab es eine Phase, in der man denken konnte, wir leben jetzt in einer friedlicheren Welt. Aber die Nachfolgekonflikte haben uns inzwischen global eingeholt, ja, manches mutet an wie eine Wiederkehr des Kalten Krieges“, so Jeub. Die Impulse, die das FFE innerhalb der Landeskirche setzt, und sein Drängen darauf, dass diese öffentlich sichtbar eine pazifistische Position vertritt, sind daher nach wie vor unverzichtbar.

Infos
Wer sich näher über die Arbeit des Forums Friedensethik informieren und sich mit der Friedensthematik auseinandersetzen möchte, kann sich jederzeit gern an den FFE-Leitungskreis wenden: m.jeub@gmx.de (Manfred Jeub, Freiburg) oder dmharm@web.de (Dr. Dirk-M. Harmsen, Karlsruhe).
Anlässlich des 20. Gründungsjahres des FFE ist der Band „Sie sagen Frieden, Frieden … Zwanzig Jahre Forum Friedensethik in der Evangelischen Landeskirche Baden“ von Wilhelm Wille erschienen, 492 Seiten, Books on Demand 2020, 15,90 Euro, ISBN 978-3-752-62956-9.