Quarantäne

rote und grüne Gummibärchen in getrennten Gläsern

Martina Steinbrecher

Eine Zeit der Bewährung und die Erfahrung, dass man Krisen durchstehen kann

 
Das Wort „Quarantäne“ kannte ich vor der Corona-Pandemie eigentlich nur aus dem Lied „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord.“ Dort wird sehr eindrücklich besungen, was es damit auf sich hat: Ein Schiff liegt vor der Insel Madagaskar vor Anker. Die Mannschaft darf aber nicht an Land gehen, weil einzelne Mitglieder von der Pest befallen sind. Die Zustände auf dem Schiff sind verheerend und täglich geht einer über Bord. Aber durch diese Quarantäne wird verhindert, dass die gefährliche Krankheit auf die Inselbewohner überspringt. 
Bereits im Mittelalter hat man durch Isolation von Kranken versucht, die Ausbreitung einer Seuche einzudämmen. Durch diese aufwändige, aber wirkungsvolle Maßnahme konnten tatsächlich viele Menschenleben gerettet werden.   
 
Inzwischen gehört das Wort „Quarantäne“ zum alltäglichen Wortschatz. Fast jeder kennt jemand, der oder die in den letzten zwei Jahren in Quarantäne gewesen ist. Und viele haben sogar am eigenen Leib die Erfahrung gemacht, wie es sich anfühlt, über einen längeren Zeitraum auf ein einzelnes Zimmer im Haus beschränkt zu sein, das Essen vor die Tür gestellt zu bekommen und nur noch übers Telefon mit andern im Gespräch zu sein. Wahrlich kein schöner Zustand! Aber offensichtlich eine effektive Schutzmaßnahme. 
 
Woher kommt eigentlich das Wort „Quarantäne“? Es hat mit der Zahl vierzig zu tun. Die heißt auf Italienisch „quaranta“. Und vierzig Tage mussten die Menschen im Mittelalter in Quarantäne bleiben, um zu verhindern, dass sich die Pest ausbreitete. Über einen Monat lang. Das medizinische Wissen über die Art der Ansteckung war zwar gering, aber man wusste, dass die Zahl 40 eine besondere Zahl ist. In der Bibel kommt sie immer wieder vor, wenn es darum geht, dass ein Mensch auf die Probe gestellt wird oder sich in einer Gefahr bewähren muss. Vierzig Tage hat die Sintflut gedauert, vierzig Tage hat Jesus allein in der Wüste gefastet. Vierzig Tage lang, zwischen Ostern und Himmelfahrt, hat er seinen Anhängern geholfen, über seinen Tod hinwegzukommen. So steckt in jeder Quarantäne die Erfahrung, dass man Krisen durchstehen und bewältigen kann. Und am Ende gestärkt daraus hervorgeht. Mit neuer Kraft. Verwandelt. Bereit zu neuen Wegen.