Entspannt über Gott und die Welt reden

Silberlilly am Abend - Konzert

Glaube & Spiritualität

Seit kurzem fährt ein echter Hingucker durch den Schwarzwald. Ein silberner Airstream-Anhänger mit dem Schriftzug „Silberlilly“. „Was soll das denn sein?“ – Diese Frage hören die Verantwortlichen gern. Denn wenn sie mit ihrer „Silberlilly“ unterwegs sind, wollen sie damit vor allem eines: Dass die Leute neugierig werden und fragen, worum es hier eigentlich geht.
 

Heike Siepmann und Oliver Zulauf sind Bezirksjugendreferenten, Dirk Boch Schuldekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald. Gemeinsam mit Pfarrer Fritz Breisacher und Diakonin Miriam Tepel haben sie die „Silberlilly“ als besonderes Angebot entwickelt. Sie wollen, dass die Menschen spüren und erleben, dass Kirche nicht nur  wartet, dass die Menschen zu ihr kommen, sondern sich auf neue, unkonventionelle Art selbst auf den Weg macht – dorthin, wo die Menschen leben und ihre Freizeit verbringen. „Und da wir ein großer, überwiegend ländlicher Kirchenbezirk sind, war von vornherein klar, dass wir dafür etwas Mobiles brauchen“, erklärt Heike Siepmann. Die Idee, mit einem Truck herumzufahren, wurde wieder verworfen, denn „wir wollten nicht von einer erhöhten Plattform herab agieren, sondern auf Augenhöhe zu Gesprächen einladen“. 
 

Ein unschlagbares Duo

 
Kaffeemobil rot

Quelle: Wolfram Otlinghaus, Bodman-Ludwigshafen

Der silberne Airstream-Anhänger aus den 50ern mit dem Bild der entspannt dasitzenden Lilly und der peppigen Aufschrift ist ein echter Hingucker. Er wurde so umgebaut, dass das Seitenteil aufgeklappt werden kann und man sich im Inneren – oder im Schatten des Dachs – gemütlich zusammensetzen und plaudern kann. Auch als kleine Konzertbühne kann die „Silberlilly“ genutzt werden. Der Wohnwagen verbindet man sofort ein Freiheitsgefühl, eine Mischung aus Wohlfühl-Faktor und Abenteuer-Lust. Mit zum „Team“ gehört außerdem eine kleine italienische Ape, genannt „Ape Maria“, die zum mobilen Kaffee-Wagen umfunktioniert wurde, und die je nach Anlass gemeinsam mit der „Silberlilly“ auf Tour geht. Und das Konzept funktioniert: Gemeinsam sind sie dort, wo sie auftauchen, „ein unschlagbares Duo“, so Heike Siepmann. 
 

Entspannt über Gott und die Welt reden

 
Ganz bewusst hatte sich das Team nicht für einen kirchlich klingenden Namen wie beispielsweise „Churchmobil“ entschieden. „Wir wollen die Menschen unvoreingenommen neugierig machen“, erklärt die Jugendreferentin. Und das klappt bestens: „Wenn wir mit der „Silberlilly“ unterwegs sind, werden wir wirklich von vielen Menschen aller Generationen angesprochen“, berichtet Dirk Boch von den ersten Einsätzen mit ihrem rollenden Blickfang. Die meisten seien dann überrascht, weil sie mit „so einer Kirche“ nicht gerechnet hatten. „Wir wollen ja gar nicht verstecken, wer wir sind, aber wir möchten eben auch nicht das klassische Bild von Kirche transportieren. Wenn wir es schaffen, dieses oft mit Vorurteilen behaftete Bild aufzubrechen und zu zeigen, dass Kirche auch ganz anders sein kann, dann haben wir gewonnen – dann kommt es zu guten Gesprächen.“ Die feinen Kaffeespezialitäten aus der Ape Maria tun dann den Rest.    
 
Eineinhalb Jahre hat es gedauert von der ersten Idee, bis die fertige „Silberlilly“ dann zum ersten Mal durch den Schwarzwald rollte. Klar, dass der Kauf und Umbau eines solchen historischen Gefährts nicht gerade billig ist: „Aber wir wollten etwas Innovatives machen, das auch wirklich ankommt“, betont Heike Siepmann, „und das kriegt man eben nicht umsonst!“ Eine Freiburger Agentur hat bei der Konzeption beraten, eine Grafikerin erstellte Logo und Schriftzug. Finanziert werden konnte das Projekt schließlich mit Mitteln aus dem landeskirchlichen Jugendkirchenprojekt.
 
 

Unerwartet segensreich

US-Wohnwagenmit Schiftzug Silberlilly

Quelle: Wolfram Otlinghaus, Bodman-Ludwigshafen

 
Dass der Anhänger ausgerechnet „Lilly“ heißt, ist ein hübscher und passender Zufall: „Irgendwann ging uns auf, dass das ja eine Abkürzung für,Elisabeth‘ ist, und so haben wir unserer Ape den Namen ,Maria‘ gegeben“, berichtet Dirk Boch. Denn das fahrende Gespann sei eine schöne Analogie zur biblischen Maria und ihrer Cousine, die beide unerwartet schwanger wurden: „Da kam etwas in die Welt durch Gott, das erstmal eine Überraschung war, sich aber später als gut und segensreich erwiesen hat. So ähnlich funktioniert das auch mit der „Silberlilly“ und der „Ape Maria“, wenn wir mit ihnen plötzlich irgendwo auftauchen.“ 
 

Silberlilly live erleben

 
Oliver Zulauf, Heike Siepmann, Dirk Boch und ihr Team wollen die Silberlilly in den kommenden Monaten an ganz verschiedenen Orten aufstellen, beispielsweise bei Weinfesten, auf Wanderparkplätzen oder an Skiliften. Die nächsten Termine sind vom 24. bis zum 26. Juni das Müllheimer Stadtfest, am 8. Juli bei der Landesgartenschau in Neuenburg und am 16. und 17. Juli das Lichterfest in Bad Krozingen. Auch andere Gemeinden, Werke und Einrichtungen können den Anhänger und die Ape übrigens für sich ausleihen: „Allerdings sollen die beiden dann nicht einfach nur ein lustiger Hintergrund beim Gemeindefest sein oder so ähnlich“, betont Heike Siepmann. „Die „Silberlilly“ steht für eine neue Denkweise von Kirche. Und dafür, dass sie zu den Menschen kommt, an Orte, wo Leben ist und gefeiert wird – und wo man erstmal gar nicht damit rechnet, Kirche zu begegnen. Nichts Besseres kann passieren, als wenn die Leute staunen und fragen: ,Was soll das denn sein?‘“
 
 
 
Weitere Informationen zur "Silberlilly" finden Sie unter www.silberlilly.de